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Full text of "Norwegische Volksmährchen vol. 2 gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe"

The Project Gutenberg EBook of Norwegische Volksmhrchen vol. 2, by 
P. Asbjrnsen and Jrgen Moe

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Norwegische Volksmhrchen vol. 2
       gesammelt von P. Asbjrnsen und Jrgen Moe

Author: P. Asbjrnsen
        Jrgen Moe

Commentator: Ludwig Tieck

Translator: Friedrich Bresemann

Release Date: September 25, 2009 [EBook #30084]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMHRCHEN VOL. 2 ***




Produced by Delphine Lettau and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net









Norwegische Volksmhrchen.

2.


Norwegische
Volksmhrchen,
gesammelt
von
P. Asbjrnsen und Jrgen Moe.

Deutsch von Friederich Bresemann.

Mit einem Vorworte
von
Ludwig Tieck.


Zweiter Band.

Verlegt
von
M. Simion in Berlin.


1847.


Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.



 Inhalt.

                                                          Seite

  1. Die sieben Fllen                                        1
  2. Gidske                                                  11
  3. Die zwlf wilden Enten                                  19
  4. Der Meisterdieb                                         29
  5. Die drei Schwestern im Berge                            50
  6. Von dem Riesen, der kein Herz im Leibe hatte            58
  7. Die Grimsschecke                                        68
  8. Es hat keine Noth mit Dem, in welchen alle Weiber
     verliebt sind                                           83
  9. Die Lgenprobe                                          96
 10. Die drei Bcke Brausewind, die nach der Koppel gehen
     und sich fett machen wollten                            99
 11. stlich von der Sonne und westlich vom Mond            102
 12. Von dem Huhn, das nach dem Dovrefjeld wollte,
     damit nicht die Welt vergehen sollte                   118
 13. Der Mann, der das Haus beschicken sollte               122
 14. Dumerling                                             127
 15. Hakon Borkenbart                                       129
 16. Die Meisterjungfer                                     140
 17. Wohl gethan und schlecht gelohnt                       162
 18. Treu und Untreu                                        166
 19. Peter und Paul und Esben Aschenbrdel                  174
 20. Die Mhle, die auf dem Meergrunde mahlt                182
 21. Die Prinzessinn auf dem glsernen Berg                 189
 22. Schmierbock                                            203




1.

Die Sieben Fllen.


Es waren einmal ein Paar arme Leute, die wohnten in einer elenden Htte,
weit weg in einem Walde, und hatten nicht Mehr, als aus der Hand in den
Mund, und kaum einmal das; aber drei Shne hatten sie, und der jngste
von ihnen war _Aschenbrdel_, denn er that nichts Anders, als in der
Asche whlen.

Eines Tages sagte der lteste Bursch, er wolle fort und sich einen
Dienst suchen; dagegen hatten die ltern Nichts einzuwenden, und er
wanderte hinaus in die Welt. Er ging den ganzen Tag, und als es Abend
ward, kam er zu einem Knigsschlo. Da stand der Knig drauen auf der
Treppe und fragte ihn, wo er hin wolle. O, ich suche mir nur einen
Dienst, sagte der Bursch. Willst Du bei mir dienen und meine sieben
Fllen hten? fragte ihn der Knig. Wenn Du sie einen ganzen Tag hten
kannst und mir am Abend sagen, Was sie essen und Was sie trinken, so
sollst Du die Prinzessinn und das halbe Reich haben, sagte er: kannst
Du es aber nicht, so schneide ich Dir drei rothe Riemen aus Deinem
Rcken. Ja, das, meinte der Bursch, wr' eine leichte Arbeit, damit
wollt' er schon fertig werden.

Am Morgen, als es Tag wurde, lie der Stallmeister die sieben Fllen
aus; diese fort, und der Bursch hinter ihnen her, und darauf ging's ber
Berg und Thal, durch Rusch und durch Busch. Als der Bursch eine gute
Weile gelaufen hatte, fing er an, mde zu werden, und als er's noch eine
Zeitlang ausgehalten, da hatt' er das Hten vllig satt. Er stand eben
vor einer Bergschlucht, wo ein altes Weib sa und die Spindel dreh'te;
als die den Burschen erblickte, der hinter den Fllen herlief, da ihm
der Schwei von der Stirne troff, rief sie: Komm her, mein schmucker
Bursch! ich will Dir den Kopf krauen. Das war dem Burschen schon recht;
er setzte sich zu dem alten Weib in der Bergschlucht und legte seinen
Kopf auf ihren Scho, und nun krau'te sie ihn den ganzen Tag, whrend er
da lag und sich runks'te. Als es Abend wurde, wollte der Bursch fort:
Es ist wohl am besten, ich gehe nur wieder heim zu meinen ltern,
sagte er: denn da ich auf's Schlo zurckkehre, kann doch Nichts
ntzen. -- Warte nur, bis es dunkel geworden ist, sagte das Weib:
dann kommen die Fllen hier wieder vorbei, und dann kannst Du mit ihnen
zurcklaufen; denn es wei Niemand, da Du hier den ganzen Tag auf
meinem Scho gelegen hast, anstatt sie zu hten. Als nun die Fllen
ankamen, gab das Weib dem Burschen eine Flasche mit Wasser und einen
Bschel Moos; das sollte er dem Knig zeigen und sagen, das wre Das,
was die sieben Fllen en und trnken.

Hast Du nun die Fllen den ganzen Tag treu gehtet? fragte ihn der
Knig, als er am Abend ankam. Ja, das hab' ich, sagte der Bursch.
Kannst Du mir denn sagen, Was sie essen, und Was sie trinken? fragte
der Knig. Da zeigte der Bursch ihm die Flasche mit Wasser und den
Bschel Moos, was er von der Alten bekommen hatte. Da siehst Du, Was
sie essen, und da siehst Du, Was sie trinken, sagte er. Da wute nun
der Knig gleich, wie er sie gehtet hatte, und er wurde so zornig, da
er seinen Leuten befahl, sie sollten ihn sogleich aus dem Hause jagen,
erst aber sollten sie ihm drei rothe Riemen aus seinem Rcken schneiden
und Salz hineinstreuen. Als darauf der Bursch zu Hause kam, so kannst Du
Dir wohl vorstellen, wie ihm zu Muthe war. Einmal wre er ausgegangen,
um zu dienen, sagte er: aber er tht's nicht zum zweiten Mal.

Den Tag darauf sagte der zweite Sohn, nun wolle er auch einmal in die
Welt und sein Glck versuchen. Die ltern aber sagten nein, und er
mchte nur den Rcken seines Bruders betrachten; aber der Sohn bat so
lange, bis sie ihn denn zuletzt reisen lieen. Wie er nun einen ganzen
Tag gewandert hatte, kam er auch zu dem Knigsschlo. Da stand der Knig
auf der Treppe und fragte ihn, wo er hin wolle; und als der Bursch sagte,
er wolle sich nach einem Dienst umhren, sagte der Knig, er knne bei
ihm in Dienst kommen, wenn er seine sieben Fllen hten wolle, setzte
ihm aber dieselbe Strafe und denselben Lohn aus, wie er beides seinem
Bruder ausgesetzt hatte. Ja, dem Burschen war das recht, und er nahm
ohne weiteres Bedenken den Dienst an; denn er meinte, er wolle die
Fllen schon hten und dem Knig sagen, Was sie en und Was sie
trnken.

Sobald es Tag wurde, lie der Stallmeister die sieben Fllen hinaus;
diese fort ber Berg und Thal, und der Bursch hinter ihnen her. Aber es
ging ihm nicht besser, als dem Bruder. Als er so lange hinter den Fllen
hergelaufen war, bis er ganz mde geworden und ber und ber mit Schwei
bedeckt war, kam er ebenfalls an die Bergschlucht, wo das alte Weib sa
und die Spindel dreh'te. Komm her, mein schmucker Bursch! ich will Dir
den Kopf krauen, rief sie. Das duchte dem Burschen ganz gut; er lie
die Fllen laufen, wohin sie wollten, setzte sich zu dem Weib in der
Bergschlucht, und da lag er nun und runks'te sich den ganzen Tag.

Als die Fllen am Abend zurckkamen, gab das alte Weib ihm auch eine
Flasche mit Wasser und einen Bschel Moos, welches er dem Knig zeigen
sollte. Als aber darauf der Knig den Burschen fragte, ob er ihm sagen
knne, Was die sieben Fllen en und Was sie trnken, und dieser ihm
die Wasserflasche und den Moosbschel hinhielt und sagte: Da siehst
Du, Was sie essen, und da siehst Du, Was sie trinken, ward der Knig
so zornig, da er befahl, ihm drei rothe Riemen aus seinem Rcken
zu schneiden und Salz hineinzustreuen und ihn dann augenblicklich
fortzujagen. Wie nun der Bursch zu Hause kam, erzhlte er ebenfalls,
wie's ihm ergangen war, und sagte, einmal wre er ausgegangen, um zu
dienen, aber er tht's nicht zum zweiten Mal.

Den dritten Tag wollte Aschenbrdel sich aufmachen. Er htte groe
Lust, sagte er, auch mal zu versuchen, die sieben Fllen zu hten. Die
Andern aber lachten und hatten ihn zum Besten. Wenn es uns so gegangen
ist, sagten sie: so sollst Du wohl was ausrichten, Du, der nie etwas
Andres gethan hat, als auf dem Herd liegen und in der Asche whlen.
-- Einerlei, sagte Aschenbrdel: ich will aber fort; denn ich hab's
mir einmal in den Kopf gesetzt, -- und wie sehr die Brder ihn auch
auslachten, und die ltern ihn bitten mochten, es half Alles nichts:
Aschenbrdel mute fort. Als er nun den ganzen Tag marschirt hatte, kam
er endlich gegen Abend auch zu dem Knigsschlo. Der Knig stand wieder
drauen auf der Treppe und fragte ihn, wo er hin wolle. Ich wollte mich
nur nach einem Dienst umhren, sagte Aschenbrdel. Wo bist Du her?
fragte ihn der Knig, denn er wollte sich erst etwas nher erkundigen,
eh' er wieder Jemanden in Dienst nahm. Aschenbrdel erzhlte ihm nun,
wo er her sei, und da er der Bruder von den Zweien wre, die vor ihm
die Fllen gehtet htten, und fragte, ob er den nchsten Tag nicht
auch versuchen drfte, sie zu hten. Twi! sagte der Knig und gerieth
ganz in Zorn: bist Du der Bruder von den Zweien, so taugst Du auch
wohl nicht viel mehr, als sie; von solchen Leuten habe ich schon Genug
gehabt. -- Was schadt's? sagte Aschenbrdel: da ich doch einmal hier
bin, so knnt' ich's ja auch mal versuchen. -- Nun ja, wenn Du denn
durchaus Deinen Rcken geschunden haben willst, dann meinetwegen! sagte
der Knig. Ich mchte weit lieber die Prinzessinn haben, sagte
Aschenbrdel.

Am Morgen, als es Tag wurde, lie der Stallmeister die sieben Fllen
hinaus; diese fort ber Berg und ber Thal, durch Rusch und durch Busch,
und Aschenbrdel immer hinter ihnen her. Als er ihnen eine gute Weile
nachgelaufen war, kam er auch zu der Bergschlucht; da sa wieder das
alte Weib mit ihrer Spindel und rief Aschenbrdel zu: Komm her, mein
schmucker Bursch! ich will Dir den Kopf krauen! -- K mich hinten!
sagte Aschenbrdel, hielt sich fest an dem Schweif des jngsten Fllen
und sprang fort. Als sie die Bergschlucht hinter sich hatten, sagte das
Fllen zu ihm: Setze Dich auf meinen Rcken, denn wir haben noch einen
weiten Weg, und das that Aschenbrdel.

Nun ging's noch ein weites Ende fort. Siehst Du Etwas? sagte das
Fllen. Nein, sagte Aschenbrdel. Damit ging's noch ein gutes Ende
weiter. Siehst Du jetzt Etwas? fragte das Fllen wieder. Nein, sagte
der Bursch. Als sie nun eine weite, weite Strecke zurckgelegt hatten,
fragte das Fllen wieder: Siehst Du jetzt Etwas? -- Ja, nun seh'
ich etwas Weies schimmern, sagte Aschenbrdel: es sieht aus wie ein
groer, dicker Birkenstamm. -- Da mssen wir hin, sagte das Fllen.
Als sie nun hinkamen, ri das lteste Fllen den Stamm aus und warf ihn
bei Seite. Da ffnete sich an der Stelle, wo der Stamm gestanden hatte,
eine Thr -- drinnen war ein kleines Zimmer, und in dem Zimmer war
nichts Anders, als ein kleiner Herd und ein paar Bnke; und hinter der
Thr hing ein altes rostiges Schwert, eine Flasche und ein Krug. Kannst
Du das Schwert schwingen? fragte das Fllen. Aschenbrdel machte einen
Versuch, aber er konnt's nicht schwingen. Da mute er einen Trunk aus
der Flasche thun, erst einmal, dann noch einmal, und dann noch einmal,
und da konnt' er es schwingen wie gar Nichts. Jetzt musst Du das
Schwert mit Dir nehmen, sagte das Fllen: und an Deinem Hochzeitstage
musst Du uns allen sieben damit den Kopf abhauen, dann werden wir
wieder zu Prinzen, wie wir ehedem waren; denn wir sind die Brder der
Prinzessinn, die Du heirathen sollst, wenn Du dem Knig sagen kannst,
Was wir essen, und Was wir trinken; -- ein bser Troll hatte diese
Ham's[1] auf uns geworfen. Wenn Du uns aber dann den Kopf abgehauen
hast, musst Du vorsichtig jeden Kopf beim Schwanz desjenigen Rumpfes
hinlegen, auf dem er gesessen; alsdann hat der Zauber keine Macht mehr
ber uns. Aschenbrdel versprach, Alles genau zu thun, wie das Fllen
ihm gesagt hatte, und darauf ging es wieder fort.

Als sie nun eine lange Strecke Weges zurckgelegt hatten, fragte das
Fllen: Siehst Du Etwas? -- Nein, sagte Aschenbrdel. Als sie darauf
ein gutes Ende weiter gekommen waren, fragte das Fllen wieder: Siehst
Du jetzt Etwas? -- Nein, ich sehe Nichts, sagte Aschenbrdel. Nun
ging es viele, viele Meilen weit ber Berge und ber Thler. Endlich
fragte das Fllen wieder: Siehst Du jetzt Etwas? -- Ja, nun seh' ich
einen blauen Streifen weit weit in der Ferne, sagte Aschenbrdel. Das
ist ein Flu, sagte das Fllen: da mssen wir hinber. ber den Flu
aber fhrte eine lange schne Brcke, und als sie auf die andre Seite
gekommen waren, ging es wieder eine lange Strecke weiter. Endlich fragte
das Fllen wieder, ob Aschenbrdel Nichts she. Ja, da sah' er weit in
der Ferne etwas Schwarzes, das sah aus wie ein Kirchthurm. Da mssen
wir hinein, sagte das Fllen.

Als die Fllen auf den Kirchhof kamen, wurden sie wieder in Menschen
verwandelt; sie sahen nun aus wie Knigsshne und hatten so prchtige
Kleider an, da es glitzerte und blitzerte. Darauf gingen sie in die
Kirche und empfingen von dem Priester, der vor dem Altar stand, Brod und
Wein. Aschenbrdel ging auch mit hinein; und als der Priester die Hnde
auf die Prinzen gelegt und sie gesegnet hatte, gingen sie wieder hinaus,
und Aschenbrdel folgte ihnen nach; zuvor aber steckte er eine Flasche
mit Wein und ein Altarbrod zu sich. Sowie die Prinzen den Kirchhof
verlassen hatten, waren sie wieder in Fllen verwandelt, und nun ging es
wieder desselben Weges zurck, den sie gekommen waren, aber noch viel
schneller, als vorher. Erst kamen sie ber die Brcke, dann kamen sie zu
dem Birkenstamm, und dann zu dem alten Weib, das in der Bergschlucht sa
und spann. Es ging aber so schnell, da Aschenbrdel nicht hren konnte,
Was das alte Weib, das hinter ihm herschrie, sagte; so Viel verstand er
jedoch, da sie ganz bitterbse war.

Es war beinahe dunkel geworden, als er am Schlo ankam, und der Knig
stand auf der Treppe und wartete auf ihn. Hast Du nun die Fllen den
ganzen Tag treu gehtet? fragte er Aschenbrdel. Ich habe mein Bestes
gethan, antwortete dieser. So kannst Du mir denn wohl sagen, Was sie
essen, und Was sie trinken, versetzte der Knig. Da nahm Aschenbrdel
die Flasche mit Wein und das Altarbrod hervor und sprach: Da siehst Du,
Was sie essen, und da siehst Du, Was sie trinken. -- Ja, Du hast sie
treu gehtet, sagte der Knig: und nun sollst Du die Prinzessinn und
das halbe Reich haben. Da wurde denn alsbald eine Hochzeit gefeiert,
da man sich weit und breit davon zu erzhlen hatte. Als sie aber bei
Tafel saen, stand der Brutigam von der Bank auf und ging hinunter in
den Stall, um, wie er sagte, noch Etwas zu holen, das er dort vergessen
htte. Er that nun, wie die Fllen ihm gesagt hatten, und hau'te ihnen
allen sieben den Kopf ab, zuerst dem ltesten, und dann den brigen,
sowie sie auf einander folgten; jeden Kopf aber legte er sorgfltig bei
dem Schwanz desjenigen Rumpfes hin, auf dem er gesessen hatte, und sowie
er das that, wurden alle die Fllen wieder in Prinzen verwandelt. Als er
nun mit den sieben Prinzen in den Hochzeitssaal eintrat, war der Knig
so erfreu't, da er ihn umarmte und ihn kte; und seine Braut hielt
noch mehr von ihm, als sie schon vorher von ihm gehalten hatte. Das
halbe Reich gehrt jetzt Dir, sagte der Knig: und die andre Hlfte
sollst Du nach meinem Tode haben; denn meine Shne knnen sich jetzt, da
sie wieder Prinzen geworden sind, selber Land und Reich erwerben. Nun
war die Freude und der Jubel erst recht gro bei der Hochzeit. Ich war
auch mit dabei; aber es hatte Niemand Zeit, an mich zu denken: ich bekam
nichts Anders, als ein Butterbrod, das legte ich auf den Ofen, und das
Brod verbrannte, und die Butter schmolz, und nie habe ich wieder das
Allergeringste bekommen.




2.

Gidske.


Es war einmal ein Wittmann, der hatte eine Haushlterinn, Namens
_Gidske_, die wollte ihn gern zum Mann haben und lag ihm immer in
den Ohren, da er sie heirathen sollte. Zuletzt wurde der Mann es
berdrssig; aber er wute nicht, wie er's anfangen sollte, um sie los
zu werden. Nun war es eben um die Zeit, da der Hanf geschnitten werden
sollte, und weil Gidske sich immer fr so tchtig und flink hielt, fing
sie an, den Hanf zu schneiden und schnitt so lange, bis sie schwindlig
im Kopf ward von dem strengen Geruch und umfiel und auf dem Hanf-Felde
liegen blieb. Whrend sie nun da lag und schlief, kam der Mann mit einer
Schere und schnitt ihr den Rock ganz kurz ab; darnach beschmierte er
sie erst mit Talg und dann mit Ru, so da sie rger aussah, als der
lebendige Teufel. Als Gidske erwachte und sah, wie hlich sie war,
kannte sie sich selbst nicht mehr. Bin ich's, oder bin ich's nicht?
sagte sie: Nein, ich kann's nicht sein; denn so hlich bin ich ja
mein Lebtag nicht gewesen; es mu der Teufel sein. Um nun hierber ins
Reine zu kommen, ging sie hin und ffnete ein klein wenig die Thr zu
der Stube ihres Herrn und fragte: Ist Eure Gidske zu Hause? -- Ei
freilich ist sie zu Hause! sagte der Mann, weil er sie gern quitt sein
wollte. So kann ich also nicht Gidske sein, dachte sie und sockte
fort, und Der sich freu'te, das war der Mann. Als sie nun ein gutes
Ende gegangen war, kam sie in einen groen Wald; da begegneten ihr zwei
Spitzbuben. Mit denen will ich mich ins Geleit geben, dachte Gidske:
denn weil ich doch einmal der Teufel bin, so ist das eben fr mich die
rechte Gesellschaft. Die Diebe dachten aber nicht so, sondern als sie
Gidske erblickten, schwangen sie die Fersen und machten sich aus dem
Staube, so schnell sie nur konnten; denn sie glaubten der Leibhaftige
wre hinter ihnen her und wollte sie holen; aber es half ihnen nicht
viel; denn Gidske war langbeinig und schnell zu Fu, und eh' sie sich's
versahen, hatte sie sie eingeholt.

Wollt Ihr aufs Stehlen aus, so will ich mit Euch und Euch helfen,
sagte Gidske: denn ich wei hier in der Gegend gut Bescheid. Als die
Diebe das hrten, meinten sie, das wre eine gute Gesellschaft, und
waren nun nicht lnger bange.

Sie wollten gern hin und ein Schaf stehlen, sagten sie: aber sie wten
nicht, wo wohl eins zu holen wre. Ach, das ist eine Kleinigkeit,
sagte Gidske: Ich habe lange bei einem Bauern hier im Wald gedient
und kann den Schafstall mitten in der Nacht finden. Das duchte den
Spitzbuben ganz herrlich, und als sie zu dem Schafstall kamen, sollte
Gidske hineingehen und herausschicken, und sie wollten's drauen in
Empfang nehmen. Der Schafstall lag aber dicht an der Stube, wo der Mann
schlief; darum ging Gidske ganz leise und behutsam hinein; als sie aber
drinnen war, schrie sie zu den Dieben hinaus: _Wollt Ihr einen Bock,
oder ein Schaf? Hier ist von Allen!_ -- Scht! scht! sagten die Diebe:
nimm blo Einen, der brav fett ist! -- _Ja, aber wollt Ihr einen
Bock, oder ein Schaf? Wollt Ihr einen Bock, oder ein Schaf? Denn hier
ist Genug von Allen!_ schrie Gidske. So schweig' doch still! sagten
die Diebe: nimm blo Einen, der brav fett ist, dann ist's einerlei,
ob's ein Bock, oder ein Schaf ist. -- _Ja, aber wollt Ihr einen Bock,
oder ein Schaf? Wollt Ihr einen Bock, oder ein Schaf? Hier ist Genug
von Allen!_ dabei blieb Gidske. So halt doch Dein Maul und nimm blo
Einen, der brav fett ist, ob's dann ein Bock, oder ein Schaf ist,
sagten die Diebe. Indem kam der Mann, der ber den Lrm erwacht war,
heraus im bloen Hemd, und wollte sehen, Was da los war. Die Diebe
liefen davon, und Gidske hinter sie drein, so da sie den Mann ber den
Haufen lief. So wartet doch! so wartet doch! schrie sie. Der Mann, der
blo das schwarze Ungeheuer gesehen hatte, war so erschrocken, da er
anfangs gar nicht wagte, wieder aufzustehen; denn er glaubte, es sei der
Teufel selber, der aus seinem Schafstall gefahren kam. Zuletzt ging er
wieder ins Haus, weckte alle seine Leute auf und fing mit ihnen an, zu
lesen und zu beten; denn er hatte gehrt, da man dadurch den Teufel
fortbannen knne.

Den andern Abend wollten die Diebe eine fette Gans stehlen, und Gidske
sollte ihnen den Weg zeigen. Als sie nun zum Gnsestall kamen, sollte
Gidske hineinsteigen und herausschicken, und sie wollten's in Empfang
nehmen. _Wollt Ihr eine Gans, oder einen Gnserich? Hier ist genug von
Allen!_ schrie Gidske, als sie in den Stall gekommen war. Scht! scht!
nimm blo Einen, der brav fett ist! sagten die Diebe. _Ja, aber wollt
Ihr eine Gans, oder einen Gnserich? Wollt Ihr eine Gans, oder einen
Gnserich? Hier ist Genug von Allen!_ schrie Gidske. Still! still!
nimm blo Einen, der brav fett ist, so ist's einerlei, ob's eine Gans,
oder ein Gnserich ist, und dann halt Dein Maul! sagten die Diebe.
Whrend nun Gidske rief, und die Diebe sie tuschten, fing eine Gans
an zu schreien, dann eine zweite, und endlich schrien sie alle mit
einander, aus vollem Halse. Da sprang der Mann heraus und wollte sehen,
Was es gab -- die Diebe auf und davon, so schnell sie nur konnten, und
Gidske hinter sie drein wie ein Unwetter, so da der Bauer glaubte, es
sei der lebendige Teufel; denn langbeinig war sie, und die Rcke hielten
sie nicht auf. So wartet doch! rief Gidske: Ihr knnt ja bekommen,
Was Ihr wollt, ob's denn eine Gans, oder ein Gnserich ist. Aber die
Spitzbuben hatten keine Zeit, und der Bauer mit seinen Leuten fing an
zu lesen und zu beten; denn sie glaubten alle nicht anders, als da der
Teufel in dem Gnsestall gewesen sei.

Den dritten Tag waren die Diebe mit sammt Gidske so hungrig, da ihnen
der Magen pfiff, und sie beschlossen daher, bei einem reichen Bauern,
der am Wald wohnte, aufs Stabur zu gehen und sich Etwas zu essen zu
stehlen. Gegen Abend gingen sie hin; die Diebe aber wagten sich nicht
hinauf, sondern Gidske sollte aufs Stabur gehen und herunterschicken,
und sie wollten's in Empfang nehmen. Als Gidske hinaufkam, war da
vollauf von Allem: von Fleisch und Speck und Wurst und Erbsenbrod.
Die Diebe tuschten sie und sagten, sie solle nur einige Lebensmittel
herauswerfen und nicht viel Gerede machen; denn sie wte wohl, wie's
ihnen die beiden vorigen Male gegangen wre. Aber Gidske schrie wieder,
da es nur so schallte: _Wollt Ihr Fleisch, oder Speck, oder Wurst,
oder Erbsenbrod? herrliches Erbsenbrod! Ihr knnt kriegen, Was Ihr
wollt; denn hier ist Genug von Allem!_ Der Mann auf dem Gehft, der
ber das Gerusch erwachte, kam heraus und wollte sehen, Was es gab.
Die Diebe davon, so schnell sie konnten, und Gidske ihnen nach in einer
Hllenfahrt. Als der Mann das Ungethm erblickte, glaubte er ebenfalls,
der Teufel sei los, denn er hatte gehrt, Was sich die beiden Abende
vorher zugetragen, und er fing an zu lesen und zu beten, und mit ihm
alle Leute auf dem ganzen Gehft, damit sie den Teufel fortbannten.

Am Samstag-Abend wollten die Diebe sich einen fetten Bock zum Sonntag
stehlen; sie konnten's auch wohl nthig haben, denn sie hatten schon
viele Tage gehungert; aber Gidske wollten sie das Mal nicht mit haben,
denn sie richte doch blo Unheil mit ihrem Maul an, sagten sie. Als aber
am Sonntag-Morgen die Spitzbuben noch nicht zurckgekehrt waren, fhlte
Gidske einen entsetzlichen Hunger -- denn sie hatte in drei Tagen fast
nicht das Geringste genossen -- und ging daher ins Rbenfeld, gnitschte
und gnatschte und zog sich eine Rbe nach der andern auf. Inde kam der
Mann gegangen, dem das Rbenfeld gehrte; wie der das schwarze Ungethm
sah, das in seinen Rben ging und gnatschte, glaubte er ebenfalls, es
sei der Lebendige. Er auf und davon nach Hause, so schnell er nur konnte
und erzhlte, da der Teufel in seinem Rbenfeld wre. Als die Leute auf
dem Gehft das hrten, erschraken sie gewaltig und glaubten, es wre am
besten, nach dem Pfarrer zu schicken, damit er den Teufel festmache.
Nein, das geht nicht an, da wir nach dem Pfarrer schicken, sagte
die Hausfrau: denn es ist ja Sonntag-Morgen, und da ist er noch nicht
aufgestanden, und wenn er auch schon aufgestanden ist, so kommt er doch
nicht, denn er mu auf seinen Text studiren. --

O, ich verspreche ihm ein fettes Mastkalb, dann wird er schon kommen,
sagte der Mann und machte sich auf zum Pfarrhof. Als er aber dort ankam,
war der Pfarrer noch nicht aufgestanden. Das Dienstmdchen hie den
Mann eintreten, und ging hinauf zum Pfarrer und sagte, es wre unten
ein Mann, der wre so und so und wollte gern ein Wort mit dem Herrn
Pfarrer sprechen. Als der Pfarrer hrte, da es ein so braver Mann war,
der ihn sprechen wollte, stand er sogleich auf und kam herunter in
Pantoffeln und mit der Nachtmtze.

Der Mann erzhlte ihm nun sein Anliegen und sagte, der Teufel wre
los in seinem Rbenfeld, und wenn der Herr Pfarrer helfen wollte, ihn
festzumachen, so wolle er ihm auch ein fettes Mastkalb schicken. Ja, der
Pfarrer war sogleich bereit und wollte nur seinen Burschen rufen, da er
dem Pferd den Sattel auflege, whrend er sich ankleide. Nein, Gevatter,
das geht nicht, sagte der Mann: denn der Teufel lsst nicht auf sich
warten, und hat er sich erst wieder aus dem Staub gemacht, so hlt's
schwer, ihn wieder zu attrapiren; Ihr msst darum sogleich mit, wie Ihr
geht und steht. Der Pfarrer mute nun fort in seinen Pantoffeln und
mit der Nachtmtze; als sie aber ins Erlenbruch kamen, war der Boden so
locker, da der Pfarrer in den Pantoffeln nicht fortkonnte. Da lud der
Mann ihn auf den Rcken und trug ihn huckepack, indem er ganz vorsichtig
immer von einem Blten auf den andern trat. Als sie nun ungefhr bis in
die Mitte gekommen waren, bemerkte Gidske die Beiden und glaubte, es
wren die Diebe, welche mit dem Bock kmen. Ist er brav fett? ist er
brav fett? schrie sie, da es ins Holz schallte. Ich wei den Teufel,
ob er fett ist, oder mager, sagte der Mann: willst Du's aber wissen,
so komm selber und sieh zu! und damit warf er den Pfarrer mitten in die
Plampe und lief davon. Und ist der Pfarrer nicht wieder aufgestanden, so
liegt er wohl noch da.




3.

Die zwlf wilden Enten.


Es war einmal eine Kniginn, die fuhr einst bei Winterzeit, da frischer
Schnee gefallen war, in einem Schlitten. Unterweges fing ihr die Nase an
zu bluten, und sie mute daher aussteigen. Whrend sie nun da stand und
sich an einen Zaun lehnte, betrachtete sie ihr rothes Blut in dem weien
Schnee; da dachte sie bei sich selbst: Ich habe nun zwlf Shne, und
keine einzige Tochter; htte ich eine Tochter, so wei wie Schnee und so
roth wie Blut, dann wollt' ich mich um die Shne nicht weiter grmen.
Kaum hatte sie das so leise vor sich hin gesprochen, als pltzlich eine
Trollhexe vor ihr stand. Eine Tochter sollst Du bekommen, sagte sie:
und die soll so wei sein wie Schnee und so roth wie Blut; dann aber
sollen Deine Shne mir gehren; jedoch kannst Du sie so lange bei Dir
behalten, bis die Tochter getauft ist.

Als nun die Zeit kam, da die Kniginn gebren sollte, gebar sie eine
Tochter, die war wei wie Schnee und roth wie Blut, so wie das Trollweib
es ihr versprochen hatte, und darum nannte sie sie _Schneewei und
Rosenroth_. Da war nun groe Freude im Knigsschlo, und am meisten
von Allen freu'te sich die Kniginn. Als sie aber gedachte, Was sie der
alten Trollhexe versprochen hatte, ward ihr doch etwas wunderlich ums
Herz, und sie schickte zu einem Silberschmied, der mute ihr zwlf
silberne Lffel verfertigen, einen fr jeden Prinzen, und fr Schneewei
und Rosenroth lie sie auch einen machen. Wie nun die Prinzessinn
getauft war, wurden die Prinzen in zwlf wilde Enten verwandelt und
flogen davon und wurden nicht mehr gesehen; fort waren sie und fort
blieben sie. Die Prinzessinn wuchs indessen heran und wurde gro und
auerordentlich schn; aber sie war immer so in sich selbst gekehrt und
so schwermthig, und Niemand konnte recht begreifen, Was ihr fehlte.
Eines Abends, als die Kniginn auch so betrbt da sa und an ihre Shne
dachte, sagte sie zu Schneewei und Rosenroth: Warum bist Du immer so
traurig, meine Tochter? Fehlt Dir Etwas, so sage es mir! Mchtest Du
vielleicht gern Etwas haben, so sollst Du es bekommen. -- Ach, liebe
Mutter, versetzte Schneewei und Rosenroth: es kommt mir hier immer so
de vor; alle andern Kinder haben Geschwister, aber ich habe keine, und
darber bin ich so betrbt. -- Meine Tochter, sagte die Kniginn: Du
hast auch Geschwister gehabt; denn ich hatte zwlf Shne, welche Deine
Brder waren, aber ich habe sie alle dahingegeben, um Dich zu bekommen,
und darauf erzhlte sie ihr, wie sich Alles zugetragen hatte.

Als die Prinzessinn hrte, wie es ihren Brdern ergangen war, hatte sie
keine Ruhe lnger zu Hause; und wie sehr die Mutter auch weinen und sie
bitten mochte, es half Alles nichts, sie wollte fort und mute fort, um
ihre Brder wieder aufzusuchen; denn sie glaubte, sie wre allein schuld
an ihrem Unglck; und darum verlie sie zuletzt heimlich das Schlo. Sie
wanderte nun so weit in die Welt hinaus, da Du gar nicht glauben
solltest, wie eine so zarte Jungfrau so weit zu wandern vermocht htte.

Einmal war sie die ganze Nacht hindurch in einem groen Wald umhergeirrt;
gegen Morgen aber wurde sie mde, setzte sich auf den Rasen hin und
schlief ein. Da trumte ihr, sie ginge noch weiter in den Wald hinein,
bis sie zu einer kleinen hlzernen Htte kam, und dort drinnen waren
ihre Brder. Hierber erwachte sie, und da sie vor sich einen gebahnten
Fusteig durch das grne Moos sah, folgte sie diesem, bis sie tiefer im
Walde zu einem hlzernen Huschen kam, grade so, wie es ihr getrumt
hatte.

Als sie hineintrat, war dort Niemand; aber es standen da zwlf Betten
und zwlf Sthle, und auf dem Tisch lagen zwlf Lffel, und von allen
Sachen, die sich da vorfanden, waren immer zwlf Stcke. Die Prinzessinn
war nun voller Freude; denn sie konnte sich wohl denken, da ihre Brder
da wohnen muten, und da sie es waren, denen die Betten und die Sthle
und die Lffel gehrten. Sie machte nun Feuer im Kamin an, fegte die
Zimmer und machte die Betten, darnach kochte sie Essen und putzte Alles
aufs beste auf. Und als sie mit dem Kochen fertig war und fr alle ihre
Brder zugerichtet hatte, setzte sie sich selber hin und a, legte dann
ihren Lffel auf den Tisch und kroch unter das Bett des jngsten
Bruders.

Kaum war sie hinuntergekrochen, so hrte sie ein gewaltiges Sausen in
der Luft, und bald darauf kamen zwlf wilde Enten angeflogen; aber sowie
sie ber die Thrschwelle kamen, verwandelten sie sich augenblicklich in
die Prinzen, ihre Brder. Ach wie gut hier Alles aufgerumt, und wie es
hier so schn warm ist! sagten sie: Gott lohne Dem, der uns die Stube
so schn geheizt und so herrliches Essen fr uns gekocht hat! und
darauf nahm jeder seinen silbernen Lffel, um damit zu essen; aber wie
jeder den seinigen genommen hatte, blieb doch noch einer zurck, und
der war den brigen so hnlich, da sie ihn nicht davon unterscheiden
konnten. Da sahen die Prinzen einander an und verwunderten sich sehr.
Das ist der Lffel unsrer Schwester, sagten sie: und ist der Lffel
hier, so kann sie selber auch nicht weit sein. --

Ist es unsre Schwester, und sie findet sich hier, sagte der lteste:
so soll sie getdtet werden; denn sie ist schuld an all unserm
Unglck. -- Nein, sagte der jngste: es wre Snde, sie zu tdten,
sie kann ja nichts dafr, da wir bles erdulden; sollte Jemand daran
schuld sein, so ist es Niemand anders, als unsre eigne Mutter.

Sie fingen nun an zu suchen, sowohl oben, als unten, und zuletzt suchten
sie auch unter allen Betten, und als sie zu dem Bett des jngsten
Prinzen kamen, fanden sie die Prinzessinn, und zogen sie hervor. Der
lteste Prinz wollte nun wieder, sie sollte getdtet werden; aber sie
bat gar zu flehentlich und sagte: Ach, tdtet mich doch nicht! ich bin
viele Jahre lang herumgewandert, um Euch aufzusuchen, und wenn ich Euch
erlsen knnte, wollte ich gern mein Leben dafr lassen. -- Ja wenn
Du uns erlsen willst, sagten sie: so sollst Du das Leben behalten;
denn wenn Du willst, so kannst Du es. -- Ja, sagt mir nur, wie ich es
machen soll, dann will ich Alles thun, was Ihr verlangt, sagte die
Prinzessinn. Dann musst Du die Dunen von der Butterblume sammeln,
sagten die Prinzen: und die musst Du kratzen und spinnen und weben, und
wenn das Gewebe fertig ist, musst Du es zuschneiden und zwlf Mtzen,
zwlf Hemden, und zwlf Halstcher davon machen, fr jeden von uns ein
Stck; aber in der Zeit, da Du damit beschftigt bist, darfst Du weder
sprechen, noch weinen, noch lachen; kannst Du das, so sind wir erls't.
-- Wo soll ich aber die vielen Dunen zu all den Hemden, Mtzen und
Tchern herbekommen? fragte Schneewei und Rosenroth. Das sollst Du
schon erfahren, sagten die Prinzen, und darauf fhrten sie sie hinaus
auf eine groe, groe Wiese; da standen so viele Butterblumen mit weien
Dunen, die nickten im Winde und glnzten im Sonnenschein, da man den
Glanz schon weit in der Ferne sehen konnte. Noch nie hatte die Prinzessinn
zuvor so viele Butterblumen gesehen, und sie fing sogleich an zu
pflcken und zu sammeln, so Viel sie nur fortschaffen konnte; und als
sie am Abend zu Hause kam, begann sie sogleich, die Dunen zu kratzen und
Garn davon zu spinnen. So fuhr sie eine lange Zeit fort, sie sammelte
jeden Tag die Dunen der Butterblumen und kratzte und spann sie, und
dabei wartete sie zugleich den Prinzen auf: sie kochte fr sie und
machte ihnen die Betten; und jeden Abend kamen ihre Brder als wilde
Enten nach Hause geflogen, und des Nachts waren sie Prinzen, des Morgens
aber flogen sie wieder als wilde Enten davon.

Nun geschah es einmal, als Schneewei und Rosenroth auf die Wiese
gegangen war, um sich Dunen von der Butterblume zu sammeln -- wenn ich
nicht irre, so war es das letzte Mal, da sie welche sammeln wollte --
da der junge Knig, der das Land regierte, auf der Jagd war, und nach
der Wiese ritt, wo Schneewei und Rosenroth war. Als der Knig sie
erblickte, wunderte er sich sehr ber die schne Jungfrau, welche da
ging und die Dunen der Butterblume sammelte. Er hielt still und
redete sie an; da er aber keine Antwort von ihr erhielt, ward seine
Verwunderung noch grer, und weil ihm das Mdchen so wohl gefiel,
wollte er sie mit sich auf sein Schlo fhren und sie zu seiner
Gemahlinn nehmen. Er gab daher seinen Dienern den Befehl, sie auf
sein Pferd zu setzen; Schneewei und Rosenroth aber rang ihre Hnde und
deutete auf die Scke, worin sie ihre Arbeit hatte; und als der Knig
begriffen hatte, Was sie meinte, befahl er seinen Dienern, auch die
Scke mit aufzuladen. Als das geschehen war, gab die Prinzessinn sich
nach und nach zufrieden; denn der Knig war ein sehr schner Mann, und
er war so sanft und so freundlich gegen sie. Als sie aber aufs Schlo
kamen, und die alte Kniginn, die Stiefmutter des jungen Knigs,
Schneewei und Rosenroth erblickte, ward sie so neidisch und so
aufgebracht ber ihre groe Schnheit und sagte zum Knig: Siehst Du
denn nicht, da es eine Trollhexe ist, die Du mitgebracht hast? denn
sie kann ja weder sprechen, noch lachen, noch weinen. Der Knig aber
bekmmerte sich nicht darum, was seine Mutter sagte, sondern hielt
Hochzeit mit der schnen Jungfrau und lebte mit ihr herrlich und
vergngt; sie aber unterlie nicht, fortwhrend an den Hemden zu nhen.

Ehe das Jahr um war, kam Schneewei und Rosenroth mit einem Prinzen
nieder; darber wurde die alte Kniginn noch neidischer und noch mehr
erbittert, und als es Nacht wurde, schlich sie sich, whrend die junge
Kniginn schlief, in ihr Zimmer, nahm ihr das Kind weg und warf es in
die Schlangengrube; darnach schnitt sie sie in den Finger, bestrich ihr
mit dem Blute den Mund und ging dann hinein zum Knig und sprach: Komm
jetzt und siehe, was es fr Eine ist, die Du zur Gemahlinn genommen
hast; jetzt hat sie ihr eignes Kind gefressen. Da ward der Knig so
betrbt, da er beinahe Thrnen vergo, und er sagte: Ja, es mu wohl
wahr sein, weil ich es vor meinen eignen Augen sehe; aber sie thut es
gewi nicht wieder; dieses Mal will ich sie schonen.

Ehe das Jahr um war, gebar die Kniginn wieder einen Sohn, und mit
diesem ging es eben so, wie mit dem ersten. Die Stiefmutter des Knigs
ward diesmal noch neidischer und noch mehr erbittert; sie schlich sich
in der Nacht wieder in das Zimmer der jungen Kniginn, whrend diese
schlief, nahm ihr das Kind weg und warf es in die Schlangengrube, schnitt
darauf die Kniginn in den Finger, bestrich ihr mit dem Blute den Mund
und sagte dann zum Knig, seine Gemahlinn htte wieder ihr eignes Kind
gefressen. Da ward der Knig so betrbt, da Du's gar nicht glauben
kannst, und er sagte: Ja, es mu wohl wahr sein, weil ich es vor meinen
eignen Augen sehe; aber sie wird es gewi nicht wieder thun; dieses eine
Mal will ich sie noch schonen.

Ehe das Jahr wieder um war, kam Schneewei und Rosenroth mit einer
Tochter danieder, und die nahm die alte Kniginn ebenfalls und warf sie
in die Schlangengrube, whrend die junge Kniginn schlief, schnitt sie
in den Finger, bestrich ihr mit dem Blute den Mund und ging dann wieder
zum Knig und sprach: Komm jetzt und siehe, ob es nicht wahr ist, Was
ich sage, da sie eine Trollhexe ist; denn jetzt hat sie auch ihr
drittes Kind aufgefressen. Da ward der Knig so betrbt, da es gar
nicht zu sagen ist; denn jetzt konnte er sie nicht lnger schonen,
sondern mute den Befehl geben, sie lebendig zu verbrennen. Als nun der
Scheiterhaufen in Flammen stand, und sie hinaufsteigen sollte, gab sie
durch Mienen und Geberden zu verstehen, sie sollten zwlf Bretter nehmen
und sie um den Scheiterhaufen legen, und darauf legte sie die Hemden und
die Mtzen und die Tcher ihrer Brder; aber an dem Hemd des jngsten
Bruders fehlte noch der linke Arm, den hatte sie nicht fertig bekommen
knnen. Kaum war dies geschehen, so hrte man ein Sausen und ein Brausen
in der Luft, und darauf kamen zwlf wilde Enten ber den Wald her
geflogen, und jede von ihnen nahm ein Hemd, eine Mtze und ein Halstuch
in den Schnabel und flog damit fort. Siehst Du nun, sagte die bse
Stiefmutter zu dem Knig: da sie eine Trollhexe ist? Mach jetzt schnell
und verbrenne sie, ehe die Flammen das Holz verzehren. -- Damit hat's
noch keine Eile, sagte der Knig: denn Holz haben wir genug, und ich
habe groe Lust, zu sehen, Was das Ende hievon sein wird. In demselben
Augenblick kamen die Prinzen geritten, so schn und so wohlgebildet, wie
man sie nur sehen kann; der jngste Prinz aber hatte anstatt des linken
Arms einen Entenflgel. Was habt Ihr hier vor? fragten die Prinzen.
Meine Gemahlinn soll verbrannt werden, sagte der Knig: weil sie eine
Trollhexe ist und ihre eignen Kinder gefressen hat. -- Sie hat ihre
Kinder nicht gefressen, sagten die Prinzen: Sprich jetzt, Schwester!
Nun hast Du uns errettet, errette jetzt Dich selbst! Da sprach Schneewei
und Rosenroth und erzhlte, wie Alles sich zugetragen hatte, und da
jedesmal, wenn sie ins Kindbette gekommen, die alte Kniginn sich in ihr
Zimmer geschlichen und ihr das Kind weggenommen, und sie darnach in den
Finger geschnitten und ihr mit dem Blute den Mund bestrichen htte. Und
die Prinzen nahmen den Knig und fhrten ihn hinaus zu der Schlangengrube;
da lagen die drei Kinder und spielten mit den Schlangen und den Nattern,
und schnere Kinder, als die waren, konnte man gar nicht sehen. Da nahm
der Knig sie mit sich und brachte sie zu seiner Stiefmutter und fragte
sie, was Der wohl fr eine Strafe verdient htte, der im Sinne gehabt,
eine unschuldige Kniginn und drei so allerliebste Kinder zu verrathen.
Der verdiente, da er von zwlf wilden Pferden in Stcke zerrissen
wrde, sagte die alte Kniginn. Du hast selbst das Urtheil gesprochen,
und selber sollst Du die Strafe erleiden, sagte der Knig; und darauf
wurde die alte bse Kniginn an zwlf wilde Pferde gebunden und in
Stcke zerrissen. Schneewei und Rosenroth aber reis'te mit dem Knig,
ihrem Gemahl, und ihren Kindern und den zwlf Prinzen, ihren Brdern,
nach Hause zu ihren ltern und erzhlte ihnen, was ihr Alles begegnet
war; und nun war lauter Freude und Jubel im ganzen Knigreich, weil die
Prinzessinn errettet war, und sie auch ihre zwlf Brder erls't hatte.




4.

Der Meisterdieb.


Es war einmal ein Kathenmann, der hatte drei Shne; er hatte ihnen aber
kein Erbe zu geben und war so arm, da er sie nicht einmal ein Gewerbe
konnte lernen lassen. Da sagte er eines Tages zu ihnen, sie mten
selber zusehen, wie sie fortkmen, und knnten lernen, wozu sie Lust
htten, und reisen, wohin sie wollten, er wolle sie gern noch eine
Strecke auf den Weg begleiten. Und das that er denn auch, er begleitete
sie bis da, wo drei Wege sich theilten; da nahmen die Shne von dem
Vater Abschied, und jeder zog seine Strae. Wo die beiden ltesten
geblieben sind, habe ich nie erfahren knnen; aber der jngste marschirte
tapfer drauf zu und kam weit hinaus in die Welt.

Eines Nachts, als er durch einen groen Wald marschirte, kam ein
gewaltiges Unwetter ber ihn; es weh'te und stberte so heftig, da er
fast die Augen im Kopf nicht offen halten konnte, und eh' er sich recht
besann, war er in die Irre gekommen und konnte weder Weg, noch Steg
mehr finden. Zuletzt erblickte er weit hin im Walde einen Lichtschimmer;
er ging grade darauf zu und kam endlich zu einem groen Gebude, in
welchem ein helles Feuer auf dem Herd brannte, woraus er schlieen konnte,
da die Leute noch nicht zu Bett gegangen waren. Er trat hinein, und
drinnen war eine alte Frau, die puttelte da herum.

Guten Abend! sagte der Bursch. Guten Abend! sagte die Frau. Hutetu!
es ist so bses Wetter drauen die Nacht! sagte der Bursch. Das ist
wahr, sagte die Frau. Kann ich hier keine Herberge die Nacht kriegen?
fragte der Bursch. Hier ist keine gute Herberge fr Dich, sagte die
Frau: denn kommen die Leute zu Hause und finden Dich hier, so tdten
sie Dich und mich dazu. -- Was sind es denn fr Leute, die hier wohnen?
fragte der Bursch. Ach, es sind lauter Ruber und Spitzbuben, sagte
die Frau: mich haben sie geraubt, als ich noch ganz klein war, und nun
mu ich ihnen die Wirthschaft fhren. -- Ich glaube, ich nehme hier
gleichwohl Quartier, sagte der Bursch: es mag gehen, wie es will; denn
hinaus will ich nicht wieder bei Nachtzeit in solchem Unwetter. -- Am
schlimmsten ist das immer fr Dich selbst, sagte die Frau.

Der Bursch legte sich darauf in ein Bett, das da stand, aber er htete
sich wohl, da er einschlief. Bald darnach kamen die Ruber an, und das
alte Weib erzhlte ihnen sogleich, es wr' ein fremder Kerl ins Haus
gekommen, der htte nicht wieder fort wollen.

Hast Du nicht gesehen, ob er Geld bei sich hatte? fragten die Ruber.
Ja, der und Geld, der Lump! sagte die Frau: er hat kaum Kleider auf
dem Leibe. Die Ruber flsterten nun mit einander, Was wohl mit ihm
anzufangen wre, ob sie ihn tdten sollten, oder Was sie sonst mit ihm
anfangen sollten. Indessen stand der Bursch auf und fragte sie, ob sie
nicht einen Knecht gebrauchen knnten, denn er htte groe Lust, bei
ihnen zu dienen. Ja, sagten sie: wenn Du Lust hast und das Handwerk
treiben willst, das wir treiben, so kannst Du bei uns in Dienst kommen.
-- Ja, es ist ganz einerlei, was es fr ein Handwerk ist, sagte der
Bursch: denn als ich von Hause abreis'te, sagte mein Vater zu mir, ich
knnte lernen, Was ich selber wollte. -- Hast Du denn Lust, das
Stehlen zu lernen? sagten die Ruber. Ja, sagte der Bursch: das
Handwerk mcht' ich wohl lernen.

Nun wohnte nicht weit davon ein Mann, der hatte drei Ochsen; einen davon
wollte er zur Stadt bringen und ihn verkaufen, und das hatten die Ruber
ausspionirt. Da sagten sie zu dem Burschen, wenn er im Stande wre, dem
Mann unterweges den Ochsen zu stehlen, so da er's nicht gewahr wrde,
und ohne da er ihm Was zu Leide thte, so wollten sie ihn in Dienst
nehmen, sonst nicht. Der Bursch sagte, er wollt's versuchen, und nahm
mit sich einen schn gearbeiteten Schuh mit silberner Schnalle, welchen
er da vorfand, den setzte er in den Weg hin, wo der Mann mit der Kuh
herkommen sollte, ging dann etwas tiefer in den Wald hinein und verbarg
sich unter einen Strauch. Es dauerte nicht lange, so kam der Mann an.
Das wre ja ein ganz hbscher Schuh! sagte er: htte ich blo den
andern dazu, so wollt' ich beide mit nach Hause nehmen, dann glaub' ich,
wrde meine Altsche wohl einmal gutes Sinnes, denn er hatte eine sehr
bse und schlimme Frau, und zwischen Schlge und Prgel, die er von ihr
bekam, war immer keine lange Zeit. Nun meinte er aber, knne er mit dem
einen Schuh doch Nichts anfangen, wenn er nicht den andern dazu htte;
darum lie er ihn stehen und ging weiter. Da nahm der Bursch den Schuh
und eilte, da er dem Mann vorauskam, indem er durch den Wald lief, so
da jener ihn nicht sehen konnte, und setzte den Schuh wieder vor ihm in
den Weg hin. Als der Mann mit seinem Ochsen ankam und den Schuh sah, war
er so verdrielich, da er so dumm gewesen war und vorhin den andern
Schuh nicht mitgenommen hatte. Ich mu wohl nur zurcklaufen und den
andern nachholen, sagte er bei sich selbst und band den Ochsen an einen
Zaun fest: so krieg' ich doch mal ein paar gute Schuh fr meine
Altsche; vielleicht, da sie dann gutes Sinnes wird.

Er ging nun zurck und suchte nach dem Schuh die Lnge und die Breite;
aber all sein Suchen war umsonst; zuletzt mute er denn mit dem einen
Schuh zurckgehen. Indessen hatte sich aber der Bursch mit dem Ochsen
davon gemacht. Als der Mann zurckkam und sah, da der Ochs fort war,
fing er an zu weinen und zu lamentiren; denn er war so bange vor seiner
Frau und frchtete, sie mchte ihn todtschlagen, wenn sie erfhre, da
der Ochs fort war. Da fiel es ihm aber ein, da er noch zwei andre
Ochsen im Stall hatte, und er ging zurck nach Hause, nahm den einen
Ochsen und machte sich damit auf nach der Stadt, ohne da die Frau Etwas
davon gewahr ward. Das hatten aber die Ruber wieder ausspionirt und
sagten daher zu dem Burschen, wenn er dem Mann auch den zweiten Ochsen
stehlen knnte, ohne da er es merkte, und ohne da er ihm Was zu Leide
thte, so sollte er Ihresgleichen sein. Ja, meinte der Bursch, das wre
eben nicht schwer.

Diesmal aber nahm er einen Strick mit und hngte sich mitten auf dem
Wege, wo der Mann vorbei mute, unter den Armen auf. Als nun der Mann
mit seinem Ochsen ankam und ihn da hangen sah, ward er ein wenig
verdutzt und sagte: Dir mu schwer zu Sinn gewesen sein, guter Freund,
da Du Dich da aufgeknpft hast; meinetwegen aber magst Du da hangen, so
lange Du willst; denn ich kann Dir doch kein Leben wieder einblasen,
und damit ging er weiter mit seinem Ochsen. Als er fort war, sprang
der Bursch wieder herunter vom Baum, lief einen Richtsteig, so da er
dem Mann vorauskam und hngte sich wieder mitten im Wege auf. Ob Dir
wirklich so schwer zu Sinn gewesen ist, da Du Dich da aufgeknpft hast,
oder ob es blo bei mir spukt? sagte der Mann: Meinetwegen aber magst
Du da hangen, so lange Du willst, ob Du nun ein Gespenst bist, oder Was
Du sonst sein magst, und damit ging er weiter mit seinem Ochsen. Der
Bursch machte es wieder eben so, wie das vorige Mal, hpfte herunter vom
Baum, lief den Richtsteig durch den Wald und hngte sich wieder mitten
im Wege auf. Als der Mann ihn gewahr ward, sagte er bei sich selbst:
Das ist ja eine grliche Geschichte! Sollte ihnen denn so schwer zu
Sinn gewesen sein, da sie sich alle drei aufgeknpft haben? Ich kann's
aber nicht mal glauben, es spukt wohl blo bei mir. Nun will ich aber
Gewiheit haben, sagte er: Hangen die andern Beiden noch da, dann ist's
wirklich so; hangen sie aber nicht da, so ist's nichts Anders, als Spuk,
und damit band er seinen Ochsen fest und lief zurck, um zu sehen,
ob sie noch da hingen. Whrend er nun nach allen Bumen hinaufguckte,
sprang der Bursch wieder herunter, nahm den Ochsen und machte sich damit
aus dem Staube. Als der Mann zurckkam und sah, da der Ochs fort war,
da war's Pckchen wieder fertig: er fing an zu weinen und zu lamentiren;
endlich aber gab er sich doch zufrieden, denn er dachte bei sich selbst:
Da ist kein andrer Rath, ich mu wieder nach Hause und den dritten
Ochsen auch holen, ohne da meine Frau es gewahr wird, und mu dann
versuchen, ihn um so viel besser zu verhandeln, damit ich wieder zu
meinem Schaden komme. Er ging nun zurck und holte sich auch den
dritten Ochsen, ohne da seine Frau es gewahr ward. Die Ruber wuten
aber wieder sehr gut Bescheid und sagten zu dem Burschen, wenn er
ihm nun auch diesmal den Ochsen stehlen knnte, ohne da der Mann es
merkte, und ohne da er ihm Was zu Leide thte, so sollte er Meister
sein ber sie alle zusammen.

Der Bursch machte sich wieder auf und lief in den Wald; und als der Mann
mit dem Ochsen daher kam, fing er an zu brllen wie ein andrer groer
Ochs. Als der Mann das hrte, ward er froh, denn er meinte, seinen
Mastochsen an der Stimme zu erkennen, und glaubte, nun wrde er sie alle
beide wieder bekommen, band den dritten Ochsen fest und lief abseits in
den Wald und suchte da herum. Whrend dessen aber machte der Bursch sich
auch mit dem dritten Ochsen davon. Als der Mann zurckkam und sah, da
der auch fort war, ward ihm ganz hutlig zu Muthe; er weinte und lamentirte
und lie sich in vielen Tagen nicht wieder zu Hause sehen; denn er war
bange, seine Frau mchte ihn rein todtschlagen. Den Rubern aber wollte
es gar nicht behagen, da sie nun den Burschen als Meister ber sich
alle zusammen anerkennen sollten.

Nun gedachten sie einmal einen Streich auszufhren, den der Bursch ihnen
nicht sollte nachmachen knnen; sie reis'ten daher alle mit einander
fort und lieen ihn allein zurck.

Das Erste, was der Bursch that, als die Andern das Haus verlassen
hatten, war, da er alle die drei Ochsen hinausjagte, worauf
diese wieder nach dem Stall des Mannes, dem er sie genommen hatte,
zurckliefen, und Der sich freu'te, das war der Mann, kannst Du
glauben. Darauf nahm er alle Pferde, welche die Ruber hatten, und
belud sie mit dem Besten, was er vorfand, mit Gold und Silber und
Kleidern und andern prchtigen Sachen, und sagte dann zu der Frau, sie
solle die Ruber nur von ihm gren, er liee sich vielmal bedanken,
und er reise jetzt fort; aber es sollte ihnen schwer fallen, ihn
wieder einzuholen, und damit reis'te er ab.

Wie er nun eine lange Zeit gereis't hatte, kam er wieder auf den Weg,
von wo er zuerst in den Wald zu den Rubern gekommen war, und diesen
verfolgte er so lange, bis er wieder in das Dorf kam, wo sein Vater
wohnte. Zuvor aber zog er sich eine Montirung an, die grade wie fr
einen General gemacht war, die hatte er unter den Sachen gefunden, die
er von den Rubern mitgenommen, und damit fuhr er auf den Hof, wie ein
groer Herr. Dort stieg er ab und ging in's Haus zu seinem Vater und
fragte ihn, ob er keine Herberge bei ihm bekommen knne. Nein, das knne
er ganz und gar nicht. Wie sollte ich wohl Herberge haben fr einen so
groen Herrn? sagte der Mann: ich habe kaum Betten, worauf ich selbst
liegen kann, und die sind noch dazu schlecht genug. -- Du bist immer
ein harter Mann gewesen, und das bist Du auch noch, sagte der Bursch:
da Du Deinem eignen Sohn nicht einmal Herberge geben willst. -- Bist
Du denn mein Sohn? fragte der Mann. Kennst Du mich denn nicht mehr?
sagte der Bursch. Ja, da erkannte er ihn wieder. Aber Was hast Du denn
gelernt, da Du in der Geschwindigkeit ein solcher Kerl geworden bist?
fragte ihn der Vater. Das will ich Dir sagen, versetzte der Bursch:
Du sagtest ja, ich knnte lernen, wozu ich Lust htte, und da gab ich
mich denn bei Rubern und Spitzbuben in die Lehre, und nun hab' ich
meine Lehrzeit ausgestanden und bin Meisterdieb geworden.

Nun wohnte dicht neben seinem Vater der Amtmann, der hatte ein groes,
herrliches Schlo und so viel Geld, da er's nicht zhlen konnte, und
dann hatte er auch eine Tochter, die war von auerordentlicher Schnheit;
die wollte nun der Meisterdieb gern haben und sagte zu seinem Vater, er
solle zum Amtmann gehen und seine Tochter fr ihn begehren. Wenn er
Dich fragen sollte, was fr ein Handwerk ich treibe, so kannst Du nur
sagen, ich sei Meisterdieb, sagte er. Ich glaube, Du bist toll und
verrckt, sagte der Mann: denn klug kannst Du unmglich sein, wenn Du
solche Narrheit im Kopf hast. Ja, er solle und msse zum Amtmann gehen
und ihn um seine Tochter bitten, es wre kein andrer Rath, sagte der
Bursch. Das thu' ich wahrhaftig nicht! sagte der Vater: Wie kann ich
wohl zum Amtmann gehen, der so reich ist und so viel Geld hat, und fr
Dich um seine Tochter bitten? das geht mein Lebtag nicht an! Es half
aber nichts, er sollte und mute hin, und wenn er nicht mit Gutem
wollte, so sollte er mit Gewalt, sagte der Meisterdieb. Da ging der Mann
fort und kam weinend und heulend zum Amtmann. Was fehlt Dir? fragte
ihn der Amtmann. Da erzhlte ihm der Mann, da er drei Shne htte,
welche eines Tages fortgereis't wren, und er htte ihnen erlaubt, zu
reisen, wohin sie wollten, und zu lernen, wozu sie Lust htten; und nun
ist der jngste zurckgekommen und will mit aller Gewalt, ich soll zu
Dir gehen und Deine Tochter fr ihn begehren und sollte sagen, er wre
Meisterdieb, sagte der Mann und weinte und lamentirte ganz jmmerlich.
Gieb Dich nur zufrieden, sagte der Amtmann und lachte: und gre
Deinen Sohn nur von mir und sage ihm, er mte erst Proben von seiner
Geschicklichkeit ablegen; wenn er daher am Sonntag den Braten vom Spie
in meiner Kche stehlen knnte, whrend alle meine Leute darauf Acht
htten, so sollte er meine Tochter bekommen. Mit diesem Bescheid kam
der Vater zu seinem Sohn zurck; der aber meinte, das solle ihm ein
Leichtes sein. Er sah nun zu, da er drei lebendige Hasen bekam, die
steckte er in einen Sack, behngte sich mit einigen Lumpen, so da
er ganz armselig und jmmerlich aussah, und dann schlich er sich am
Sonntag-Vormittag, wie so ein andrer Betteljunge, mit seinem Sack auf
die Diele des Amtmanns. Der Amtmann selbst und alle Leute im Hause waren
in der Kche und wollten auf den Braten Acht geben. Da lie der Bursch
einen Hasen aus dem Sack schlpfen, der -- hast Du mich nicht gesehen!
fort und auf dem Hof herum, da es eine Hllenwirthschaft war. Seht
einmal den Hasen da! sagten die Leute in der Kche und wollten hinaus
und ihn fangen. Der Amtmann sah ihn auch. O lasst ihn laufen! sagte
er: es ntzt nicht, einen Hasen im Sprunge fangen zu wollen. Es
dauerte nicht lange, so lie der Bursch den zweiten Hasen hinaus;
den sahen die Leute in der Kche ebenfalls und glaubten, es wre noch
derselbe; nun wollten sie hinaus und ihn fangen; aber der Amtmann sagte
wieder, es knne nichts ntzen. Nach einer Weile lie der Bursch den
dritten Hasen hinaus, der wieder fort und auf dem Hof herum die Kreuz
und die Quer. Als die Leute den sahen, glaubten sie, es sei immer noch
der erste, und nun wollten sie wieder hinaus und ihn fangen. Das ist
doch auch ein schnurriger Hase! sagte der Amtmann: Kommt, Jungens, und
lasst uns mal sehen, ob wir ihn erwischen knnen! Er hinaus, und die
Andern ihm nach, und der Hase voran, und sie alle hinterher, da es ein
Mordspectakel war. Mittlerweile aber nahm der Meisterdieb den Braten vom
Spie und lief damit fort, -- und wo da der Amtmann einen Braten zum
Mittag herbekam, wei ich nicht; so Viel aber wei ich wohl, da er das
Mal keinen Hasenbraten bekam, obwohl er gelaufen hatte, da ihm der
Schwei von der Stirn troff.

Am Mittag kam der Pfarrer aufs Schlo, und als der Amtmann ihm erzhlte,
was der Meisterdieb ihm fr einen Streich gespielt hatte, machte dieser
sich ber ihn lustig und wollte sich immer todt lachen. Ich wei nicht,
wie ich mich von einem solchen Kerl sollte foppen lassen, sagte der
Pfarrer. Ja, nimm Dich nur in Acht, sagte der Amtmann: vielleicht
ist er bei Dir, eh' Du Dir's versiehst. Der Pfarrer aber machte sich
fortwhrend ber den Amtmann lustig, weil dieser sich hatte bei der Nase
herumfhren lassen.

Am Nachmittag kam der Meisterdieb und wollte die Tochter des Amtmanns
haben, wie dieser ihm versprochen hatte. Du musst erst noch mehr
Proben ablegen, sagte der Amtmann und gab ihm gute Worte: denn das
Kunststck, das Du heute gemacht hast, war eben nicht der Rede werth.
Sieh mal zu, ob Du nicht dem Pfarrer einen Possen spielen kannst; denn
der sitzt da drinnen und macht sich ber mich lustig, weil ich mich von
einem Kerl, wie Du bist, bei der Nase habe herumfhren lassen. Der
Meisterdieb meinte, das sollte eben nicht schwer sein, und ging sogleich
fort und traf seine Anstalten: er verkleidete sich in einen Vogel, hngte
sich ein groes weies Laken um, brach einer Gans die Flgel ab und
machte sie sich am Rcken fest, und dann kroch er auf einen groen
Ahornbaum, der in dem Garten des Pfarrers stand. Als am Abend der
Pfarrer nach Hause kam, rief der Bursch vom Baum herunter: _Herr Lars!
Herr Lars!_ denn der Pfarrer hie _Herr Lars_. Wer ruft mich? fragte
der Pfarrer. _Ich bin ein Engel vom Himmel, der ausgesandt ist vom
lieben Gott, um Dir zu verkndigen, da Du lebendig ins Himmelreich
kommen sollst von wegen Deiner Frmmigkeit_, sagte der Meisterdieb:
_Den nchsten Montag musst Du Dich reisefertig halten; denn alsdann
komme ich und hole Dich ab in einem Sack, und all Dein Gold und Dein
Silber und Was Du sonst von den Eitelkeiten dieser Welt besitzest, musst
Du auf einen Haufen in Deiner groen Stube zusammenlegen._ Herr Lars
fiel auf seine Knie und dankte dem Engel, und am Sonntag-Morgen, als er
auf die Kanzel stieg, predigte er vor den Leuten, da ihm ein Engel vom
Himmel erschienen wre auf dem groen Ahornbaum in seinem Garten, der
htte ihm verkndigt, da er sollte lebendig ins Himmelreich kommen von
wegen seiner Frmmigkeit, und er predigte und deutete ihnen das Wort
Gottes, da alle Leute, die in der Kirche waren, darber weinen muten.

Am Montag kam der Meisterdieb wieder in der Gestalt eines Engels, und
der Pfarrer fiel auf die Knie und betete und dankte ihm, bevor er in den
Sack gesteckt wurde, und als er hinein war, nahm der Meisterdieb den
Sack und schleppte ihn an der Erde mit sich fort ber Stock und ber
Stein. Au! au! schrie der Pfarrer im Sack: wo bin ich? -- _Du
bist auf dem engen Wege, der in das Himmelreich fhrt_, sagte der
Meisterdieb und schleppte den Sack immer weiter, so da dem Pfarrer die
Rippen im Leibe krachten; zuletzt warf er ihn in den Gnsestall des
Amtmanns. Da flogen die Gnse auf ihn und fingen an zu zischen und ihn
zu beien, und der Pfarrer war in seinem Sack mehr todt, als lebendig.
Au! au! wo bin ich jetzt? rief er. _Jetzt bist Du im Fegefeuer, um
gereinigt und gelutert zu werden fr das ewige Leben_, sagte der
Meisterdieb, ging fort und holte sich all das Gold und das Silber und
die kostbaren Sachen, die der Pfarrer in seiner groen Stube
zusammengehuft hatte.

Am Morgen, als das Gnsemdchen kam und die Gnse aus dem Stall lassen
wollte, hrte sie den Pfarrer drinnen im Sack jammern. Sagt mir um
Gotteswillen, Wer seid Ihr und Was fehlt Euch? sagte das Mdchen:
Ach, rief der Pfarrer: bist Du ein Engel vom Himmel, so la mich
hinaus und schicke mich wieder zurck auf die Erde, denn hier ist's noch
viel schlimmer, als in der Hlle; tausend Teufel zwicken mich berall
mit ihren Zangen. -- Ich bin, Gott bessre es! kein Engel, sagte das
Mdchen und half dem Pfarrer aus dem Sack: ich hte blo die Gnse des
Amtmanns, und das sind auch wohl die Teufel, die Euch gezwickt haben,
Gevatter, sagte sie. Ach, das hat der Meisterdieb gethan! Ach, mein
Gold und mein Silber und meine schnen Kleider! schrie der Pfarrer und
jammerte und lamentirte und lief fort nach Hause, so da das Mdchen
glaubte, er habe rein den Verstand verloren.

Als der Amtmann die Geschichte erfuhr und hrte, wie der Pfarrer sowohl
auf dem engen Wege, als im Fegefeuer gewesen war, wollte er sich beinahe
todtlachen. Als aber der Meisterdieb kam und seine Tochter haben wollte,
schwatzte er ihm wieder s vor und sagte: Du musst erst eine Probe
ablegen, die noch besser ist, damit ich recht erfahre, wozu Du taugst.
Ich habe zwlf Pferde in meinem Stall stehen, auf die will ich zwlf
Knechte setzen, einen auf jedes. Bist Du nun im Stande, ihnen die
Pferde unter dem Hosenleder wegzustehlen, so will ich sehen, Was
ich fr Dich thun kann. -- Das liee sich schon machen, sagte der
Meisterdieb: Bekomme ich dann aber auch ganz gewi Deine Tochter?
-- Ja, kannst Du das, so will ich mein Bestes thun, sagte der Amtmann.

Der Meisterdieb begab sich jetzt zu einem Krmer und kaufte sich zwei
Flaschen Branntwein, aber in die eine go er einen Schlaftrunk; dann
bestellte er sich elf Knechte, die muten sich in der Nacht hinter die
Scheune des Amtmanns verstecken. Fr Geld und gute Worte bekam er auch
von einer alten Frau einen lumpigen Weiberrock und eine Jacke, womit er
sich wie ein altes Weib verkleidete; darauf nahm er einen Stock in die
Hand und einen Beutel auf den Nacken, und als es Abend wurde, hinkte er
fort nach dem Stall des Amtmanns. Als er dort ankam, trnkten die Leute
eben die Pferde zur Nacht und hatten dabei alle Hnde voll zu thun. Was
Teufel willst Du denn hier? sagte einer von den Stallknechten zu dem
vermeintlichen Weibe. Hutetu! es ist so kalt drauen! sagte das Weib
und klapperte mit den Zhnen: lasst mich ein wenig bei Euch in den
Stall kriechen. -- Wo Dich der Teufel nicht plagt! Pack Dich fort!
sagte der eine von den Knechten: denn kriegt der Amtmann Dich hier zu
sehen, so lsst er uns tanzen. -- Ach, das alte kmmerliche Weib!
sagte ein andrer, der Mitleid mit ihr zu haben schien: lasst nur die
Alte sich in den Stall hinsetzen; sie thut gewi Keinem Was zu nah.
Die Andern aber sagten, daraus knne Nichts werden, und whrend sie sich
hierber zankten und die Pferde trnkten, kroch der Meisterdieb immer
weiter nach dem Stall zu, und endlich schlpfte er hinter die Thr, wo
ihn nachher weiter Keiner bemerkte.

Auf die Nacht hin kam es den Leuten ein wenig kalt an, so still und
unbeweglich auf den Pferden zu sitzen. Hutetu! es ist kalt wie der
Teufel! sagte der Eine und schlug die Arme um den Leib. Wer nur ein
Bischen Tabak htte! sagte ein Andrer. Ein Dritter hatte denn ein
Pckchen, und das theilten sie; es war zwar nicht Viel fr jeden, aber
sie kau'ten und spuckten, und das half ein wenig. Bald darnach waren sie
wieder gleich schlimm daran. Hutetu! sagte der Eine und schttelte
sich. Hutetu! sagte das Weib und klapperte mit den Zhnen, nahm die
Flasche mit Branntwein hervor und zitterte so heftig mit der Hand, da
es schwappte in der Flasche, und trank dann, da es ihr Kluck! im Halse
sagte. Was hast Du da in der Flasche? sagte einer von den Stallknechten.
Ach, es ist nur ein Trpfchen Branntwein, sagte sie. Was? Branntwein?
Gieb mal her! gieb mal her! schrien sie alle zugleich. Ach, ich habe
nur so wenig, sagte sie: Ihr werdet nicht einmal na davon im Mund.
Aber es half nichts, sie wollten durchaus einen Schluck haben. Da nahm
die Alte die Flasche mit dem Schlaftrunk, hielt sie jedem vor den Mund
und lie ihn davon trinken, so Viel er brauchte, und der Zwlfte hatte
noch nicht getrunken, als der Erste schon da sa und schnarchte. Darauf
warf der Meisterdieb seine Lumpen ab und nahm den einen Kerl nach dem
andern und setzte sie vorquer auf die Balken, rief dann seine elf Leute
-- und fort jagte er mit allen zwlf Pferden.

Als der Amtmann am Morgen herauskam und nach seinen Knechten sehen
wollte, wachten diese eben auf und fingen an, mit den Spornen in die
Balken zu hauen, da die Splitter davon flogen, und einige von den
Knechten fielen herunter, andre blieben hangen, und die andern saen da
wie Narren. Ja, ich kann's mir schon denken, Wer hier gewesen ist,
sagte der Amtmann: Ihr seid aber doch ganz elende Kerls, da Ihr hier
sitzt und Euch den Meisterdieb die Pferde unterm Hosenleder wegstehlen
lasst! und damit bekamen sie ihre gehrige Schmiere.

Spter am Tage kam der Meisterdieb selbst und erzhlte alle Umstnde und
wollte jetzt die Tochter des Amtmanns haben, so wie dieser ihm versprochen
hatte. Der Amtmann aber gab ihm hundert Thaler und sagte, er msse erst
einen Streich ausfhren, der noch besser wre. Meinst Du, da Du wohl
das Pferd unter mir selbst stehlen knntest, wenn ich darauf reite?
sagte der Amtmann. Das liee sich schon machen, sagte der Meisterdieb:
bekme ich dann nur eben so gewi Deine Tochter. Ja, er wollte sehn,
Was er thun knnte, sagte der Amtmann und bestimmte einen Tag, an
welchem er zu einem groen Exercirplatz hinausreiten wollte.

Der Meisterdieb erhandelte sich eine alte abgelebte Schindmhre, flocht
sich einen Sielen aus Weiden und Besenreisern, kaufte einen alten Karren
und ein groes Fa und sagte dann zu einem alten zahnlosen Weib, er
wolle ihr zehn Thaler geben, wenn sie in das Fa kriechen und ber dem
Zapfenloch gaffen wolle, er wrde dann den Finger hineinstecken, -- Leides
sollte ihr nicht geschehen -- sie sollte blo ein wenig fahren -- und
wenn er den Finger fter, als _ein_mal herauszge, so sollte sie noch
zehn Thaler dazu haben. Darauf zog er einige alte Lumpen an, machte
sich im Gesicht unkenntlich mit Ru, setzte sich eine Perrcke auf
und heftete sich einen Bart von Ziegenhaaren an, so da Keiner ihn
wiedererkennen konnte, und damit karjuckelte er nach dem Exercirplatz,
wo der Amtmann schon eine Weile geritten hatte.

Es ging aber so langsam und so traurig, da er fast nicht vom Fleck kam;
er dusselte und dusselte; dann stand das Fuhrwerk ganz still; dann ging
es wieder ein wenig, aber so traurig, da der Amtmann nimmer darauf
verfallen konnte, da das der Meisterdieb sein knne; er ritt daher
grade auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht Jemanden dort im Walde
htte herumschleichen sehen. Nein, sagte der Mann, er htte Keinen
gesehen. Hre, sagte der Amtmann: reite doch einmal in den Wald und
sieh zu, ob nicht Einer da herumschleicht; ich will Dir so lange mein
Pferd leihen und Dir auch ein gutes Trinkgeld geben. -- Nein, sagte
der Mann: das kann ich nicht; denn ich soll dieses Methfa zu einer
Hochzeit fahren; nun ist mir aber unterweges der Zapfen herausgefallen,
und darum mu ich bestndig den Finger ins Loch halten. -- Reite Du
nur hin! sagte der Amtmann: Ich werde schon derweile auf Dein Pferd
und auf das Fa Acht haben. Ja, dann sollte aber der Amtmann geschwind
den Finger ins Loch stecken, wenn er seinen herauszge. Das that denn
der Amtmann auch, und der Meisterdieb setzte sich aufs Pferd. Die Zeit
aber verstrich, und es kam Niemand zurck. Zuletzt ward's der Amtmann
berdrssig, immer den Finger ins Loch zu halten, und er zog ihn heraus.
Nun krieg ich noch zehn Thaler dazu! schrie das Weib drinnen im Fa.
Da erschrak der Amtmann, denn er merkte nun wohl, wie die Sache sich
verhielt, und begab sich schnell auf den Heimweg. Unterweges brachten
sie ihm schon sein Pferd entgegen, das der Meisterdieb bereits zu Hause
bei ihm abgeliefert hatte.

Tages darauf kam der Bursch zum Amtmann und wollte seine Tochter haben,
so wie dieser ihm versprochen hatte. Der Amtmann schwatzte ihm wieder
Allerlei vor, gab ihm zweihundert Thaler und sagte, er mte noch ein
Probestck machen, knnte er das, dann sollte er auch ganz gewi seine
Tochter haben. La mich hren, Was es ist, sagte der Meisterdieb.
Kannst Du mir denn wohl das Laken aus meinem Bett stehlen und meiner
Frau das Hemd vom Leibe? sagte der Amtmann. Das sollte sich schon
machen lassen, sagte der Meisterdieb: htte ich nur eben so gewi
Deine Tochter.

Als es nun Nacht geworden war, ging der Meisterdieb zum Galgen und
schnitt einen armen Snder los, nahm ihn auf den Nacken und trug ihn
fort; darnach holte er sich eine groe Leiter, die stellte er an das
Kammerfenster des Amtmanns, stieg dann hinauf und bewegte den Todten auf
und ab, grade als wenn Einer von auen ins Fenster guckte. Das ist der
Meisterdieb, Frau! sagte der Amtmann und stie sie in die Seite. Jetzt
schie ich ihn! sagte er und nahm die Bchse, die er vor sein Bett
hingelegt hatte. Nein, thu das nicht, Mann! sagte die Frau: Du hast
ihn ja selber herbestellt. -- Ja, ich schie ihn, dann bin ich ihn
quitt, sagte der Amtmann und fing an zu zielen. Bald aber war der Kopf
oben, bald war er wieder unten; endlich aber bekam der Amtmann ihn doch
aufs Korn, knallte los, und der Todte bumps'te zur Erde nieder. Der
Meisterdieb herunter von der Leiter, so schnell er nur konnte.

Ich bin nun zwar selbst die hohe Obrigkeit, sagte der Amtmann: ich
mchte aber doch nicht gern, da die Leute Etwas zu reden htten; darum
ist's am besten, ich stehe auf und begrabe den Todten. -- Ja, thu,
wie es Dir gut dnkt, Mann, sagte die Frau. Da stand der Amtmann auf
und ging hinunter, den Todten zu begraben; whrend er aber zur Thr
hinausging, schlpfte der Meisterdieb zum Fenster hinein. Nun, Mann,
sagte die Frau -- denn sie glaubte es wre der Amtmann -- bist Du schon
fertig? -- Ja, sagte der Meisterdieb: ich steckte ihn blo in ein
Loch und scharrte etwas Erde darber, und so weit ist er nun verwahrt.
Es ist so ein abscheuliches Wetter drauen, ich will's schon ein andermal
besser machen. Gieb mir aber das Laken, sagte er: damit ich mich
abtrockne, denn ich habe mich ber und ber mit Blut besudelt. Die Frau
gab ihm das Laken. Du musst mir auch noch Dein Hemd geben, sagte er:
denn das Laken verschlgt nicht, merke ich. Sie gab ihm nun auch noch
ihr Hemd. Da fiel es ihm ein, da er vergessen hatte, die Thr zuzumachen,
und das mute er erst, eh' er sich wieder zu Bett legte -- und fort ging
er mit dem Laken und mit dem Hemd. Eine Weile darnach kam der rechte
Amtmann. Nein, wie lange Zeit Du gebraucht hast, um die Thr zuzumachen!
sagte die Frau: Wo hast Du aber nun das Laken und mein Hemd gelassen?
-- Was sagst Du? rief der Amtmann. Ich frage, wo Du das Laken und
mein Hemd gelassen hast, das ich Dir gab, um Dich damit abzutrocknen?
sagte sie. Ei zum Teufel! rief der Amtmann: ist er nun damit auch
fort?

Am Tage kam der Meisterdieb wieder und verlangte die Tochter des
Amtmanns, wie dieser ihm versprochen hatte, und da durfte nun der
Amtmann nicht anders, sondern gab sie ihm und noch viel Geld dazu; denn
er frchtete, der Meisterdieb mchte ihm zuletzt noch die Augen aus dem
Kopf stehlen, und da er gar zu sehr ins Gerede kme. Der Meisterdieb
lebte nun mit der Tochter des Amtmanns lustig und vergngt. Ob er nach
dieser Zeit noch wieder stahl, kann ich nicht mit Gewiheit sagen; that
er es aber, so geschah es wohl nur zu seinem eignen Vergngen.




5.

Die drei Schwestern im Berge.


Es war einmal eine alte Wittfrau, die wohnte mit ihren drei Tchtern
weit vom Dorfe unten an einem Berg. Sie war aber so arm, da sie weiter
Nichts besa, als nur ein Huhn, und das hatte sie so lieb, wie ihren
Augapfel; sie tickerte damit herum und warf ihm Krner zu frh und spt.
Eines Tages aber war das Huhn fort. Die Frau ging berall um das Haus
herum und suchte und lockte; aber das Huhn war fort und blieb fort. Da
sagte sie zu ihrer ltesten Tochter: Du musst hingehen und zusehen, da
Du das Huhn wiederfindest; denn her mu es wieder, und sollten wir es
auch aus dem Berg holen. Die Tochter ging fort und suchte und lockte
berall; aber kein Huhn war zu finden. Da schallte es auf einmal aus der
Bergwand:

  _Das Hhnchen trippelt im Berge!_
   _Das Hhnchen trippelt im Berge!_

Das Mdchen ging hin und wollte zusehen. Da ffnete sich aber pltzlich
unter ihr eine Fallthr, und sie fiel tief hinab in ein Gewlbe unter
der Erde. Als sie darin weiter ging, kam sie durch viele schne Zimmer,
das eine noch immer prchtiger, als das andre. In dem innersten Zimmer
aber kam ein groer Bergmann auf sie zu, der fragte sie: _Willst Du
meine Braut sein?_ Nein, sagte das Mdchen, das wollte sie ganz und
gar nicht, sie wollte wieder hinauf und nach ihrem Huhn suchen, das
fortgekommen wre. Da ward der Bergmann so zornig, da er sie nahm und
ihr den Kopf abri und ihn mit sammt dem Rumpf in einen Keller
hinabwarf.

Die Mutter sa indessen zu Hause und wartete von einer Zeit zur andern;
aber die Tochter war nicht da und kam nicht. Sie wartete nun noch eine
gute Zeit; da das Mdchen aber immer noch nicht kam, sagte sie zu ihrer
zweiten Tochter, sie solle hingehen und sich nach ihrer Schwester umsehen,
und dann solle sie zugleich das Huhn locken.

Der zweiten Tochter ging es nun eben so, wie der ersten, sie suchte und
lockte berall, und pltzlich hrte sie es aus der Bergwand rufen:

  _Das Hhnchen trippelt im Berge!_
   _Das Hhnchen trippelt im Berge!_

Das kam ihr ganz wunderbar vor, und als sie hingehen wollte und zusehen,
Was es zu bedeuten hatte, da fiel sie ebenfalls durch die Fallthr in
das unterirdische Gewlbe hinab. Sie ging nun durch viele Zimmer, und in
dem innersten kam der Bergmann auf sie zu und fragte sie, ob sie seine
Braut sein wollte. Nein, das wollte sie ganz und gar nicht, sie wollte
sogleich wieder hinauf und nach ihrem Huhn suchen, das fortgekommen
wre. Da ward der Bergmann so zornig, da er sie nahm und ihr den Kopf
abri und ihn sammt dem Rumpf in den Keller hinabwarf.

Als nun die Frau auch auf die zweite Tochter schon eine lange Zeit
gewartet hatte, und diese immer noch nicht kam, sagte sie zu der jngsten:
Nun musst Du einmal hingehen und Dich nach Deinen Schwestern umsehen.
Schlimm genug, sagte sie: da uns das Huhn wegkam; sollten wir aber
Deine Schwestern noch dazu verlieren, so wre das noch weit schlimmer;
vergi aber nicht, unterweges das Huhn zu locken.

Die jngste Tochter ging nun fort und suchte und lockte berall herum;
aber keine Schwestern waren zu finden, und kein Huhn war zu sehen.
Endlich kam sie auch zu der Bergwand, und nun rief es wieder:

  _Das Hhnchen trippelt im Berge!_
   _Das Hhnchen trippelt im Berge!_

Das, duchte dem Mdchen, wre ja herrlich; sie wollte sogleich hin und
es holen; aber ehe sie sich's versah, fiel sie ebenfalls in das Gewlbe
hinunter. Wie sie nun durch die vielen Zimmer ging, wovon das eine immer
noch schner war, als das andre, lie sie sich gute Zeit und betrachtete
Alles genau, denn sie war ganz und gar nicht bange. Endlich bemerkte sie
eine Kellerklappe, die hob sie auf und sah hinunter; da erkannte sie
alsbald ihre Schwestern, welche beide da lagen und todt waren. Wie sie
eben die Klappe wieder zugemacht hatte, kam der Bergmann an. _Willst
Du meine Braut sein?_ fragte er sie. Ja, recht gern, sagte das Mdchen,
denn sie konnte sich nun wohl denken, wie es ihren Schwestern ergangen
war. Als der Troll das hrte, ward er seelenfroh und schenkte ihr die
schnsten und prchtigsten Kleider und Alles, was sie sich nur wnschen
mochte, so sehr freu'te er sich, da Eine mal seine Braut sein wollte.

Als das Mdchen sich nun einige Zeit bei dem Trollen aufgehalten hatte,
war sie eines Tages ganz traurig und betrbt. Der Troll fragte sie, Was
ihr fehle. Ach, sagte sie: es betrbt mich so sehr, da ich nicht zu
Hause bei meiner Mutter sein kann; die leidet gewi Hunger und Durst und
hat keinen Menschen um sich. -- Ja, Dich zu ihr gehen lassen, kann ich
nicht, sagte der Troll: aber thu nur etwas Essen in einen Sack, dann
will ich's ihr schon bringen. Dafr dankte das Mdchen ihm und nahm
einen Sack und fllte ihn mit lauter Gold und Silber an, aber oben
darauf legte sie Etwas zu essen, und sagte dann zu dem Trollen, nun wre
der Sack fertig, aber er drfe nicht zusehen, Was drin wre; das mute
er ihr versprechen. Na, er wollt's auch nicht thun. Als er fortging, sah
sie ihm nach durch ein Loch, das in der Fallthr war. Unterweges sah
sich der Troll um und sagte: Der ist doch auch verdammt schwer, der
Sack! ich mu doch mal zusehen, Was drin ist, und damit wollte er das
Band auflsen. Aber das Mdchen rief ihm zu: Ich sehe Dich! ich sehe
Dich! -- _Das ist doch auch zum Kukuk, was Du fr Augen im Kopf
hast!_ sagte der Troll und wagte nun keinen weitern Versuch. Als er
bei der Wittwe ankam, warf er den Sack durch die Thr hinein. _Da hast
Du Was zu essen von Deiner Tochter!_ sagte er: _sie kann's entbehren._

Wie nun das Mdchen schon eine gute Zeit bei dem Trollen im Berge
zugebracht hatte, fiel eines Tages ein Ziegenbock durch die Fallthr
hinunter. _Wer hat nach dir geschickt, du langrippiges Beest!_ rief
der Troll und war entsetzlich bse, nahm den Bock, dreh'te ihm den Kopf
um und warf ihn hinunter in den Keller. Ach, warum hast Du das gethan?
sagte das Mdchen: ich htte ja meinen Zeitvertreib damit haben knnen.
-- Nun, Du brauchst darum eben das Maul nicht schief zu machen, sagte
der Troll: er soll bald wieder lebendig werden. Darauf nahm er einen
Krug, der an der Wand hing, setzte dem Ziegenbock den Kopf wieder auf
und bestrich ihn mit der Salbe aus dem Krug, und da war der Bock wieder
eben so frisch und munter, als zuvor. Haha! dachte das Mdchen: der
Krug ist Was werth!

Als sie nun noch eine gute Zeit bei dem Trollen gewesen war, ersah sie
eines Tages die Gelegenheit, da der Troll nicht zu Hause war, nahm die
lteste Schwester und setzte ihr den Kopf auf und bestrich sie dann mit
der Salbe aus dem Krug, so wie sie gesehen, da der Troll es mit dem
Ziegenbock gemacht hatte; und als das geschehen war, ward die Schwester
sogleich wieder lebendig. Sie steckte sie nun in einen Sack, legte ein
wenig Essen oben drauf, und wie der Troll nach Hause kam, sagte sie zu
ihm: Ach, willst Du nicht zu meiner Mutter gehen und ihr ein wenig
Essen bringen? sie leidet gewi Hunger und Durst, die Arme! Aber Du
musst auch nicht in den Sack sehen. Nein, er wollte nicht hineinsehen,
sagte der Troll, nahm den Sack und marschirte damit fort. Wie er aber
ein Ende gegangen war, duchte ihm, der Sack wre so verdammt schwer,
und als er noch etwas weiter gegangen war, sagte er: Ich mchte doch
wohl wissen, Was drin ist, und was sie auch fr Augen im Kopf haben mag,
so kann sie mich doch jetzt nicht mehr sehen. Als er aber nun das Band
auflsen wollte, rief die Schwester, die in dem Sack war: Ich seh' Dich
wohl! ich seh' Dich wohl! -- _Das ist doch auch zum Kukuk mit Deinen
Augen!_ sagte der Troll, denn er glaubte, es wre Die im Berge, welche
das sagte. Er wagte nun nicht weiter, den Sack zu ffnen, sondern lief
damit, was er nur konnte, zu der Mutter, und als er an die Thr kam,
warf er den Sack hinein und rief: _Da hast Du Essen von Deiner Tochter!
sie kann's entbehren._

Wie nun das Mdchen noch eine gute Zeit in dem Berg gewesen war, machte
sie es eben so mit der zweiten Schwester: sie setzte ihr den Kopf auf,
bestrich sie mit der Salbe aus dem Krug und steckte sie in den Sack.
Aber das Mal legte sie oben drauf so viel Gold und Silber, als nur
hinein konnte, und ganz oben darauf legte sie ein Wenig zu essen. Ach,
sagte sie zu dem Trollen: Willst Du nicht zu meiner Mutter gehen und
ihr wieder ein Wenig Essen bringen? aber Du darfst ja nicht in den Sack
sehen. Ja, er wollte wohl hingehen und wollt' auch nicht hineinsehen,
sagte der Troll. Als er aber eine Strecke weit gekommen war, duchte
ihm, der Sack wrde so verdammt schwer, und als er noch etwas weiter
gekommen war, konnte er ihn beinah nicht mehr tragen. Er wollte nun das
Band auflsen und in den Sack gucken; aber da rief die Schwester, welche
drinnen war: Ich seh' Dich wohl! ich seh' Dich wohl! -- _Das ist doch
auch zum Kukuk, was Du fr Augen im Kopf hast!_ sagte der Troll und
wagte nicht weiter, in den Sack zu sehen, sondern trug ihn, so schnell
er nur konnte, gradesweges zu der Mutter, und als er an's Haus kam, warf
er ihn durch die Thr hinein und rief: _Da hast Du Essen von Deiner
Tochter! sie kann's entbehren._

Als nun das Mdchen noch eine gute Zeit in dem Berg gewesen war, wollte
der Troll einmal ausgehen. Das Mdchen aber stellte sich schwach und
elend an und sagte: Es kann nichts ntzen, da Du vor zwlf Uhr zu
Hause kommst; denn ich kann das Essen heut doch nicht so frh fertig
kriegen, weil ich so schwach bin. Als darauf der Troll gegangen war,
stopfte sie ihre Kleider mit Stroh aus und stellte die Strohdirne in die
Ecke am Herd hin mit einem Quirl in der Hand, so da es aussah, als wre
sie es selbst. Darauf schlich sie sich aus dem Berg und lief fort nach
Hause; unterweges aber sprach sie sich einen Schtzen auf, und den nahm
sie mit.

Als die Uhr zwlf war, oder so ungefhr, kam der Troll nach Hause: _Gieb
mir Was zu essen!_ rief er der Strohdirne zu; aber die antwortete
nicht. _Gieb mir Was zu essen, sag' ich Dir!_ rief der Troll: denn
ich bin hungrig. Keine Antwort. _Gieb mir Was zu essen!_ schrie der
Troll zum dritten Mal: _und wenn Du nicht thust, Was ich Dir sage,
werde ich Dich aus dem Schlaf wecken._ Aber die Dirn stand da, ohne
sich zu rhren. Da wurde der Troll rasend und stie sie mit dem Fu, da
die Halme umherstoben. Als er aber das sah, merkte er Unrath und begann
zu suchen im ganzen Berg herum, und zuletzt kam er auch hinunter in den
Keller; da waren aber die beiden Schwestern des Mdchens fort, und nun
konnte er sich wohl den ganzen Zusammenhang denken. _Ja, das will ich
ihr bezahlen!_ sagte er und machte sich auf nach dem Hause der Mutter.
Als er aber an die Thr kam, knallte der Schtz los. Wie der Troll das
hrte, wagte er nicht, hineinzugehen, denn er glaubte, es wre der
Donner, und lief wieder fort nach Hause, so schnell er nur konnte. Eh'
er aber zu der Fallthr kam, ging die Sonne auf, und da barst er. --
Wenn ich blo wte, wo die Fallthr wre; denn da ist gewi noch Gold
und Silber Genug zu holen.




6.

Von dem Riesen, der kein Herz im Leibe hatte.


Es war einmal ein Knig, der hatte sieben Shne, von denen hielt er so
viel, da er nicht leben konnte ohne sie; einer wenigstens mute immer
um ihn sein. Als die Shne gro waren, sollten die sechs ltesten
ausziehen und sich eine Frau suchen; den jngsten aber wollte der Vater
bei sich zu Hause behalten, und die andern sollten eine Prinzessinn
fr ihn mitbringen. Der Knig gab nun den sechs Prinzen die schnsten
Kleider, die man sehen konnte, sie waren so schn, da man den Glanz
schon weit in der Ferne sah, und jedem gab er ein Pferd, das kostete
viele, viele hundert Thaler, und damit reis'ten sie fort. Als sie nun an
vielen Knigshfen gewesen waren und viele Prinzessinnen gesehen hatten,
kamen sie endlich auch zu einem Knig, der sechs Tchter hatte; so
schne Knigstchter aber hatten die Prinzen noch nie gesehen, und jeder
frei'te um eine von ihnen und bekam sie zur Braut, und darauf begaben
sie sich mit den Prinzessinnen wieder auf den Heimweg zu ihrem Vater;
sie waren aber in ihre Brute so verliebt, da sie es ganz vergaen,
auch eine Prinzessinn fr Aschenbrdel mitzubringen, der zu Hause
geblieben war.

Wie sie nun schon eine gute Strecke Weges zurckgelegt hatten, kamen sie
an einer steilen Bergwand vorbei, wo ein Riesenschlo war. Der Riese kam
heraus, und als er sie sah, verwandelte er sie alle in Stein, sowohl die
Prinzen, als die Prinzessinnen. Der Knig wartete immerfort auf seine
Shne; aber wie lange er auch warten mochte, sie kehrten nicht zurck.
Da ward der Knig sehr betrbt und konnte nimmer wieder froh werden.
Htte ich nicht Dich noch, sagte er zu Aschenbrdel: so mchte ich
gar nicht mehr in der Welt leben. Aschenbrdel aber bat den Knig,
da er ihm erlauben mchte, fortzureisen, um seine Brder wieder
aufzusuchen. Nein, das kann ich nicht, sagte der Knig: denn Du
kommst nachher auch nicht wieder. Aber Aschenbrdel wollte durchaus
fort und bat seinen Vater so lange, bis er ihn endlich reisen lie. Nun
hatte der Knig aber kein andres Pferd fr Aschenbrdel, als eine alte
elende Kracke; denn die sechs andern Knigsshne hatten alle die andern
Pferde bekommen. Das kmmerte Aschenbrdel aber wenig; er setzte sich
auf seine alte Kracke und reis'te fort. Lebe wohl, Vater! sagte er,
als er abreis'te: ich werde schon wiederkommen, und vielleicht bringe
ich dann meine Brder auch mit.

Als er ein Ende geritten war, traf er auf dem Wege einen Raben an,
der lag da und schlug mit den Flgeln und konnte vor lauter Hunger
und Mattigkeit nicht von der Stelle. Ach, gieb mir doch ein Wenig zu
essen, sagte der Rabe: dann will ich Dir auch wieder helfen, wenn
Du mal in Noth kommst. -- Ja, Viel hab' ich eben nicht, sagte der
Knigssohn: und Du siehst auch gar nicht darnach aus, da Du mir groe
Hlfe leisten knntest; weil Du es aber so nthig zu haben scheinst,
will ich Dir wohl geben, Was ich vermag, und darauf ffnete er seinen
Ranzen und gab dem Raben zu essen. Wie er nun ein Ende weiter gereis't
war, kam er zu einem Bach. Nicht weit davon lag ein groer Lachs, der
auf das trockne Land gekommen war, und zappelte und konnte nicht wieder
zurck ins Wasser. Ach hilf mir doch wieder in's Wasser, sagte der
Lachs: Ich will Dir auch wieder helfen, wenn Du mal in Noth kommst.
-- Ja, Deine Hlfe wird mir wohl nicht viel ntzen, sagte der
Knigssohn: aber es wre ja Snde, Dich hier umkommen zu lassen, und
damit setzte er den Fisch wieder ins Wasser. Nun reis'te er ein gutes
Ende weiter; da traf er auf dem Wege einen Wolf an, der lag da und wand
und krmmte sich vor lauter Hunger. Ach gieb mir doch Dein Pferd zu
fressen, sagte der Wolf: denn ich bin so hungrig, da mir der Magen
schlottert, weil ich in zwei Jahren Nichts zu essen bekommen habe.
-- Nein, sagte Aschenbrdel: das kann ich nicht! Erst kam ich zu einem
Raben, dem mute ich mein Essen geben; darauf kam ich zu einem Lachs,
dem mute ich wieder ins Wasser helfen; und Du willst nun gar mein
Pferd haben; das geht nicht, dann wei ich nicht, wie ich meine Reise
fortsetzen soll. -- Ja, Du musst mir helfen, sagte der Wolf: Du
kannst nachher auf mir reiten; ich will Dir auch wieder helfen, wenn Du
mal in Noth kommst. -- Ja, Was Du mir helfen kannst, hat wohl nicht
Viel zu bedeuten, sagte der Prinz: aber nimm das Pferd nur hin, weil
Du's doch so nthig hast. Als der Wolf das Pferd gefressen hatte, gab
Aschenbrdel ihm das Gebi ins Maul und legte ihm den Sattel auf den
Rcken; denn der Wolf war jetzt so stark und so gro geworden von Dem,
was er gefressen hatte, weit grer, als ein Pferd. Wie Aschenbrdel
sich aufgesetzt hatte, legte der Wolf mit ihm los; aber so schnell hatte
Aschenbrdel noch nie geritten. Als sie nun schon einen guten Weg hinter
sich hatten, sagte der Wolf: Wenn wir noch ein kleines Ende weiter
gekommen sind, dann werde ich Dir das Riesenschlo zeigen. Es dauerte
nicht lange, so waren sie da. Hier siehst Du das Schlo, sagte der
Wolf: und dies hier sind Deine sechs Brder, die der Riese in Stein
verwandelt hat, und das da sind ihre sechs Brute; dort siehst Du auch
die Thr zu dem Schlo, und da musst Du hineingehen. -- Nein, sagte
der Knigssohn: der Riese bringt mich um. -- Sei nur ohne Furcht,
versetzte der Wolf: denn wenn Du hineinkommst, triffst Du dort eine
Prinzessinn an, die wird Dir wohl sagen, wie Du es machen musst, um den
Riesen zu tdten; und thu dann nur, wie sie Dir sagt. Aschenbrdel ging
darauf hinein, und wie er durch mehre Zimmer gekommen war, sa in dem
einen die Prinzessinn; aber eine so schne Jungfrau hatte er noch nie
gesehen. Ach, Gott steh Dir bei! sagte sie, als sie ihn erblickte:
Wie bist Du hier hereingekommen? Dein Tod ist Dir gewi; denn hier
wohnt ein Riese, den kann Niemand tdten, weil er kein Herz im Leibe
hat. -- Ich will es aber doch versuchen, sagte Aschenbrdel: denn
darum bin ich hergekommen; und meine Brder, welche hier in Stein
verwandelt sind, wollte ich auch gern erretten, und Dich dazu, wenn ich
knnte. Wie nun die Prinzessinn ihn durchaus nicht berreden konnte,
wieder fortzugehen, sagte sie zu ihm: La uns denn zusehen, wie wir's
am besten anfangen: Krieche hier unter dieses Bett, und da musst Du
still liegen bleiben und genau zuhren, Was der Riese sagt, wenn ich ihn
ausfrage. Er kroch nun unter's Bett, und kaum war das geschehen, so kam
der Riese an. _Hutetu! hier riecht's so nach Menschenfleisch!_ rief
er. Ja, es flog hier eine Elster vorbei mit einem Knochen im Schnabel,
den lie sie durch den Schornstein fallen, sagte die Prinzessinn: ich
habe mich zwar beeilt, ihn hinwegzuschaffen; aber es mu wohl noch der
Geruch davon zurckgeblieben sein; und damit war der Riese zufrieden
gestellt. Als es Abend wurde, legten sie sich zu Bett, und wie sie eine
Weile gelegen hatten, sagte die Prinzessinn: Da ist Eins, wonach ich
Dich gern fragen wollte, aber Du musst auch nicht bse werden. -- _Was
ist denn das?_ fragte der Riese. O, sagte sie: ich mchte gern
wissen, wo Du Dein Herz hast, weil Du es doch nicht bei Dir trgst.
-- _Das ist Etwas, wonach Du nicht zu fragen brauchst_, sagte der Riese:
_sonst liegt es dort unter der Thrschwelle._ -- Aha! da wollen wir's
schon finden! dachte Aschenbrdel, der unter dem Bett lag.

Am nchsten Morgen stand der Riese frh auf und streifte nach dem Wald
zu. Kaum war er fort, so fingen Aschenbrdel und die Prinzessinn an,
unter der Thrschwelle zu suchen; aber was sie auch suchen und graben
mochten, so fanden sie doch Nichts. Diesmal hat er uns angefhrt,
sagte die Prinzessinn: aber wir mssen's noch einmal versuchen. Darauf
pflckte sie die schnsten Blumen, die sie finden konnte, und bestreu'te
damit die Thrschwelle, nachdem sie dieselbe vorher wieder in Stand
gebracht hatten. Wie es um die Zeit war, da sie den Riesen zu Hause
erwarteten, mute Aschenbrdel wieder unter's Bett kriechen. _Hutetu!
hier riecht's so nach Menschenfleisch!_ sagte der Riese, als er eintrat.
O, das ist wohl noch der Knochen von gestern, sagte die Prinzessinn,
und damit war der Riese zufrieden. Nach einer Weile fragte er, Wer denn
all die schnen Blumen auf die Thrschwelle gestreu't htte. O, das
habe ich gethan, sagte die Prinzessinn. _Und wozu soll das?_ fragte
der Riese. Meinst Du denn nicht, da ich Dich so lieb habe, um die
Schwelle mit Blumen zu bestreuen, wenn ich wei, da Dein Herz darunter
liegt? sagte die Prinzessinn. _Ah so!_ sagte der Riese: _sonst liegt
es aber nicht da._

Als sie sich am Abend zu Bett gelegt hatten, bat die Prinzessinn ihn, er
mchte ihr doch sagen, wo sein Herz wre; denn sie hielt so viel von
ihm, sagte sie, und darum mchte sie es so gern wissen. _O, es liegt
dort in dem Wandschrank_, sagte der Riese. Haha! dachte Aschenbrdel:
da wollen wir's schon finden! Den nchsten Morgen machte der Riese
sich wieder frh auf und streifte nach dem Wald zu. Kaum aber war er
gegangen, als Aschenbrdel und die Knigstochter den ganzen Schrank
durchsuchten, um sein Herz zu finden; aber wie fleiig sie auch suchten,
so fanden sie auch diesmal Nichts. Wir mssen's noch einmal probiren,
sagte die Prinzessinn. Sie schmckte nun den Schrank mit Blumen und
mit Krnzen, und gegen Abend mute Aschenbrdel wieder unter's Bett
kriechen. Darauf kam der Riese an. _Hutetu! hier riecht's so nach
Menschenfleisch!_ sagte er, als er eintrat. Ach, es ist wohl immer
noch der alte Knochen, sagte die Prinzessinn: der Geruch will gar
nicht wieder fort. Damit war der Riese zufrieden und sagte weiter
Nichts. Wie er aber darauf den Schrank erblickte, der mit Blumen und
Krnzen geschmckt war, fragte er die Prinzessinn, Wer das gethan htte.
Ach, das habe ich gethan, sagte sie. _Und wozu soll die Thorheit?_
fragte er. Meinst Du denn nicht, da ich Dich so lieb habe, um den
Schrank mit Blumen und Krnzen zu schmcken, wenn ich wei, da Dein
Herz darin liegt? sagte sie. _Kannst Du so nrrisch sein und das
glauben?_ sagte der Riese. Ich mu es ja wohl glauben, wenn Du es
sagst, versetzte die Prinzessinn. _Du bist ein Narr!_ sagte der
Riese: _wo mein Herz ist, dahin kommst Du nie._ -- Du knntest mir
aber doch wohl sagen, wo es ist, sagte sie. Nun konnte der Riese nicht
anders, sondern mute es ihr sagen. _Weit, weit von hier in einem
Wasser_, sagte er: _liegt eine Insel; auf der Insel steht eine Kirche;
in der Kirche ist ein Brunnen; in dem Brunnen schwimmt eine Ente; in der
Ente ist ein Ei; und in dem Ei -- da ist mein Herz._

Am Morgen frh, als es noch nicht dmmerte, streifte der Riese schon
wieder nach dem Wald zu. Ja, nun mu ich auch fort, sagte Aschenbrdel:
wenn ich blo den Weg wte. Er sagte darauf der Prinzessinn Lebewohl,
und als er drauen vor's Schlo kam, stand der Wolf noch da und wartete
auf ihn. Aschenbrdel erzhlte ihm Alles, was ihm im Schlo begegnet war
und sagte, nun mchte er gern zu dem Brunnen in der Kirche, wenn er
blo den Weg dahin wte. Der Wolf aber sagte, den Weg wollte er schon
finden, er sollte sich nur auf seinen Rcken setzen, und darauf ging es
fort ber Klippen und Hgel, ber Berg und Thal, da es nur so saus'te.
Als sie schon manchen lieben Tag gereis't waren, kamen sie endlich zu
einem Wasser. Nun wute der Knigssohn nicht, wie er hinber kommen
sollte; aber der Wolf sagte zu ihm, er solle sich blo nicht frchten,
und dann sprang er in's Wasser und schwamm mit dem Prinzen hinber zu
der Insel. Als sie aber zu der Kirche kamen, hing der Schlssel ganz
oben an der Thurmspitze. Nun wute der Knigssohn wieder nicht, wie er
ihn herunterkriegen sollte. Du musst den Raben zu Hlfe rufen, sagte
der Wolf, und das that der Prinz. Da kam der Rabe geflogen, schwang sich
hinauf zu der Thurmspitze und holte den Schlssel herunter. Nun konnte
der Prinz in die Kirche kommen; und als er zu dem Brunnen kam, schwamm
die Ente darin auf und ab, so wie der Riese gesagt hatte. Der Prinz fing
nun an, sie zu locken, und lockte so lange, bis sie so nahe kam, da er
sie greifen konnte. Wie er sie aber aus dem Wasser hob, lie sie das
Ei in den Brunnen fallen. Nun wute Aschenbrdel nicht, wie er das Ei
wiederbekommen sollte. Du musst jetzt den Lachs zu Hlfe rufen, sagte
der Wolf. Da rief der Prinz den Lachs, und dieser kam sogleich und holte
das Ei herauf. Nun, sagte der Wolf zu dem Prinzen, solle er das Ei in
der Hand drcken; und wie der Prinz das that, schrie der Riese laut auf.
Drck noch einmal zu! sagte der Wolf; und wie der Prinz noch einmal
zudrckte, erhob der Riese ein klgliches Gewinsel und bat und fleh'te
um sein Leben; er wolle auch Alles thun, was der Knigssohn verlangte,
wenn er ihm blo nicht das Herz entzwei drcken wollte, sagte er. Sage
ihm, wenn er Deine sechs Brder, die er in Stein verwandelt hat, wieder
in Prinzen umschafft, und ihre Brute in Prinzessinnen, dann solle er
das Leben behalten, sagte der Wolf; und das that der Prinz. Ja, dazu
war der Troll sogleich bereit: er verwandelte die sechs Brder wieder in
Prinzen, und ihre Brute wieder in Prinzessinnen. Drck jetzt das Ei
entzwei! sagte der Wolf. Nun drckte Aschenbrdel das Ei entzwei, und
da barst der Riese mitten von einander. Wie sie ihn nun quitt waren,
ritt Aschenbrdel wieder zurck nach dem Bergschlo. Da standen alle
seine sechs Brder mit ihren Bruten frisch und gesund vor ihm, und
Aschenbrdel ging in den Berg und holte sich die Prinzessinn, die wurde
nun _seine_ Braut, und darauf reis'ten sie alle mit einander zurck nach
dem Schlo des Knigs. Wie nun der alte Knig alle seine sieben Shne
mit ihren Bruten ankommen sah, da freu'te er sich nicht wenig, kannst
Du glauben; aber die schnste von allen Prinzessinnen war doch die Braut
von Aschenbrdel, und er mute sich mit ihr bei Tafel oben an setzen.
Darauf hielten alle Prinzen Hochzeit mit ihren Bruten, und es wurde
gegastet und gejubelt viele Tage lang, und haben sie nicht ausgejubelt,
so jubeln sie wohl noch.




7.

Die Grimsschecke.


Es waren einmal ein Paar reiche Leute, die hatten zwlf Shne. Als der
jngste von ihnen herangewachsen war, wollte er nicht lnger zu Hause
bleiben, sondern wollte fort in die Welt und sein Glck versuchen. Die
ltern sagten, er htte es ja gut bei ihnen, warum er denn nicht zu
Hause bleiben wollte. Aber er hatte keine Ruhe, er wollte und mute
fort, und da lieen sie ihn denn endlich reisen. Als er nun eine
Zeitlang umhergewandert war, kam er auch zu einem Knigsschlo; da bat
er um einen Dienst, und den erhielt er auch.

Die Tochter des Knigs von diesem Lande aber wurde von einem Trollen in
einem Berg zurckgehalten, und der Knig hatte nicht mehr Kinder, als
nur diese einzige Tochter. Darum war er und mit ihm das ganze Land in
groer Sorge und Betrbni, und der Knig hatte Demjenigen, der sie
befreien knnte, die Prinzessinn und das halbe Reich versprochen; aber
es war Niemand, der das konnte, obwohl Viele es versuchten. Als der
Bursch ein Jahr, oder so ungefhr, da gewesen war, wollte er wieder
nach Hause und seine ltern besuchen; wie er aber zu Hause ankam, waren
seine ltern in der Zeit gestorben, und die Brder hatten die Erbschaft
unter sich getheilt, so da nun Nichts mehr fr den Burschen brig
war. Soll ich denn Nichts haben? sagte der Bursch. Konnten wir denn
wissen, da Du noch am Leben warst, der Du so lange herumgestreift
bist? sagten die Brder: Aber es mag drum sein: Oben in der Bergkoppel
gehen zwlf Stuten, die wir noch nicht getheilt haben; willst Du die fr
Deinen Theil haben, so kannst Du sie nehmen. Ja, damit war der Bursch
wohlzufrieden und begab sich sogleich nach der Bergkoppel, wo die zwlf
Stuten gras'ten. Wie er hinkam, hatte jede Stute ihr Saugfllen; das
schnste Fllen hatte aber doch die eine Stute, das war ein groes
scheckiges Fllen und so fett und so gut bei Leibe, da es glnzte. Du
bist ein schnes Thierchen, sagte der Bursch. Ja, aber willst Du die
andern Fllen todtschlagen, so da ich alle Stuten ein ganzes Jahr
saugen kann, dann sollst Du mal sehen, wie gro und schn ich werde,
sagte das Fllen. Das that denn der Bursch auch: er schlug alle die
andern Fllen todt, und darauf ging er fort.

Als er das nchste Jahr wiederkam und sich nach seinem Fllen und seinen
Stuten umsehen wollte, da war das Fllen so fett geworden, da es glnzte
und blinkerte, und so gro war es, da der Bursch nur mit genauer
Noth hinaufkommen konnte; alle Stuten aber hatten wieder ihr Fllen
bekommen. Ja, es ist wahr, es hat sich gut gelohnt, da ich Dich alle
zwlf Stuten saugen lie, sagte der Bursch zu dem Einjhrigen: aber
jetzt bist Du gro genug, nun mu ich Dich mithaben. -- Nein, la mich
noch ein Jahr dazu gehen, sagte das Fllen: schlag' wieder die zwlf
andern Fllen todt, da ich auch dieses Jahr alle zwlf Stuten saugen
kann; dann sollst Du mal sehen, wie gro und schn ich den nchsten
Sommer bin. Der Bursch that wieder, wie das Fllen ihm sagte; und als
er das nchste Jahr in die Koppel kam, da hatte wieder jede Stute ihr
Saugfllen; das scheckige Fllen aber war so gro geworden, da der
Bursch gar nicht mehr hinauf konnte, und so fett und so blank war es,
da es nur so glitzerte. Gro und schn warst Du voriges Jahr, sagte
der Bursch: aber dieses Jahr bist Du noch stattlicher; ein solches
Fllen giebt es nicht in des Knigs Schlo. Aber nun mu ich Dich mit
mir haben. -- Nein, sagte die Schecke: la mich noch ein Jahr dazu
gehen! schlage wieder die zwlf andern Fllen todt, so da ich auch noch
dieses Jahr alle Stuten saugen kann; dann sollst Du mich mal sehen zum
nchsten Sommer! Der Bursch that wieder, wie das Scheckenfllen ihm
sagte, schlug alle die andern Fllen todt, und damit ging er fort.

Als er aber nun das nchste Jahr wiederkam, und sich nach seinem Fllen
und seinen Stuten umsehen wollte, da war der Bursch ganz erschrocken. So
gro und so schwer, hatte er nie geglaubt, da ein Pferd werden knnte;
denn die Schecke mute sich auf allen Vieren niederlegen, wenn der Bursch
hinaufsteigen wollte, und dann hatte er noch Genug zu thun, da er
nur hinaufkam; und so fett und so quabbelig war sie geworden, da sie
glnzte und blitzte wie ein Spiegel; und das Mal hatte die Schecke
Nichts dagegen einzuwenden, da der Bursch sie mitnahm. Er setzte sich
auf sie und ritt mit ihr nach Hause zu seinen Brdern; die schlugen die
Hnde ber dem Kopf zusammen und kreuzten sich, denn ein solches Pferd
hatten sie weder gesehen, noch davon reden gehrt. Es mag drum sein,
sagte der Bursch: wollt Ihr mir einen so schnen Beschlag unter mein
Pferd, und so schnen Sattel und so schnes Gebi verschaffen, als man's
nur haben kann, so mgt Ihr alle zwlf Stuten nehmen, so wie sie da in
der Koppel gehen, und ihre zwlf Fllen dazu -- denn das Jahr hatte
jede Stute wieder ein Fllen bekommen. -- Ja, das wollten die Brder
gern; und nun bekam der Bursch einen solchen Beschlag unter sein Pferd,
da die Kiesel in die Luft flogen, wenn er ber den Berg ritt, und einen
solchen Goldsattel und ein solches Goldgebi, da man den Glanz davon
schon von weitem sah. La uns jetzt nach des Knigs Schlo reisen!
sagte die _Grimsschecke_ -- denn so hie das Pferd --: aber Du musst
den Knig um guten Stallraum und gutes Futter fr mich bitten. Ja, er
wollt's nicht vergessen, sagte der Bursch, und damit ritt er fort, da
die Funken stoben; und da kannst Du Dir wohl denken, da sie eben nicht
lange Zeit gebrauchten, um nach dem Schlo zu kommen.

Wie der Bursch dort ankam, stand der Knig drauen auf der Treppe; er
guckte und guckte und konnte nicht begreifen, was Das fr Einer war, der
da geritten kam. Nein! sagte er: einen solchen Kerl und ein solches
Pferd hab' ich noch mein Lebtag nicht gesehen! Als darauf der Bursch
ihn fragte, ob er nicht einen Dienst im Schlo bekommen knnte, ward der
Knig so froh, da er hpfte und sprang, und da konnt' es denn nicht
fehlen, da der Bursch einen Dienst bekam. Ja, aber guten Stallraum fr
mein Pferd will ich haben, und gutes Futter auch, sagte der Bursch. Ja,
Stallraum fr sein Pferd sollte er bekommen, und Hafer und Heu so viel
es nur verdelgen knnte; und darauf muten die andern Ritter alle ihre
Pferde aus dem Stall fhren; denn der sollte fr die Grimsschecke allein
bleiben, damit sie gut Platz drin htte.

Und nun, kannst Du Dir wohl denken, dauerte es nicht lange, da die
Andern im Schlo neidisch wurden auf den Burschen, und nicht wuten,
was sie ihm all fr Schabernack anthun sollten, wenn sie blo gedurft
htten. Endlich verfielen sie darauf, zu dem Knig zu sagen, der Bursch
habe sich gerhmt, die Prinzessinn befreien zu knnen, die der Troll bei
sich im Berg eingeschlossen halte, wenn er blo wollte. Sogleich lie
der Knig ihn zu sich rufen und sagte, so und so htte er gesagt, und
nun sollte er Wort halten; knnte er es, so wte er wohl, da er dann
die Prinzessinn und das halbe Reich haben solle, und das sollt' er denn
auch redlich bekommen; knnte er es aber nicht, so solle er das Leben
verlieren. Der Bursch sagte zwar, nein, das htt' er nicht gesagt; aber
es half nichts, der Knig wollte auf dem Ohr nicht hren, und es war
kein andrer Rath fr den Burschen, er mute es versuchen. Er ging nun
hinunter nach dem Stall und war ganz traurig und muthlos. Die Grimsschecke
fragte ihn, Was ihm fehle, und da erzhlte ihr denn der Bursch, Was der
Knig von ihm verlangte, und sagte, er wte nicht, wie er das anfangen
sollte, denn die Prinzessinn zu befreien, meinte er, wre wohl ein Ding
der Unmglichkeit. Die Sache ist gar nicht so gefhrlich, sagte
die Grimsschecke: ich will Dir schon helfen, aber Du musst mich gut
beschlagen lassen. Zwanzig Pfund Eisen und zwlf Pfund Stahl musst Du
verlangen, und einen Schmied zum Schmieden, und einen zum Beschlagen.
Ja, das that der Bursch, und der Knig sagte nicht Nein, sondern gab ihm
Eisen und Stahl und zwei Schmiede, und die Grimsschecke wurde beschlagen
hinten und vorn, und darauf ritt der Bursch aus dem Schlo, da der
Staub aufwirbelte. Als er aber nun zu dem Berg kam, galt es, die steile
Wand hinaufzukommen; denn die war so schroff, wie eine Mauer, und so
glatt, wie ein Spiegel. Bei dem ersten Anlauf kam der Bursch ein Ende
hinauf; aber da glitt die Grimsschecke mit den beiden Vorderfen aus,
und wieder herunter, da es donnerte und krachte. Beim zweiten Anlauf
kam er ein Ende weiter hinauf; aber da glitt die Grimsschecke wieder mit
dem einen Vorderbein aus, und herunter, da der alte Berg bebte. Das
dritte Mal sagte die Grimsschecke: Jetzt mu es werden! und damit
legte sie los, da die Steine in die Wolken flogen, und das Mal kam
sie hinauf. Nun ritt der Bursch in vollem Galopp, erschnappte die
Knigstochter und nahm sie vor sich auf den Sattel, und eh' der Troll
sich noch recht besann, waren sie auf und davon -- wenn ich aber nicht
irre, so lag der Troll damals und schlief -- und nun war die Prinzessinn
befrei't.

Als jetzt der Bursch zurckkam auf's Schlo, freu'te sich der Knig
nicht wenig, kannst Du glauben. Wie dem nun aber auch sein mochte, so
hatten die Andern auf dem Schlo dem Knig Allerlei vorgeredet, so da
er gleichwohl zornig war auf den Burschen. Ich danke Dir, da Du meine
Tochter befrei't hast -- das war Alles, was er sagte, und damit wollte
er seines Weges gehen. Der Bursch aber sagte: Sie ist jetzt eben so gut
_mein_, als _Dein_, denn ich hoffe doch, da Du ein Mann von Wort bist.
-- Nun ja, sagte der Knig: Du sollst sie haben, weil ich es Dir
versprochen habe; aber erst musst Du machen, da die Sonne in mein
Schlo scheint -- denn es lag ein groer Berg vor dem Schlofenster,
der schattete, so da die Sonne nicht hineinscheinen konnte. -- Das war
nun freilich nicht mit im Accord, sagte der Bursch: aber es hilft
nicht, ich mu nur mein Bestes versuchen; denn die Prinzessinn wollt'
ich doch gern haben. Er ging nun wieder hinunter zu der Schecke und
erzhlte ihr, Was der Knig von ihm verlangte; die Grimsschecke meinte,
die Sache sei eben nicht so gefhrlich; aber einen neuen Beschlag unter
den Fen mte sie haben, sagte sie, und dazu mten zwanzig Pfund
Eisen und zwlf Pfund Stahl, und zwei Schmiede, einen zum Schmieden, und
einen zum Beschlagen, dann sollte schon nachher die Sonne in's Schlo
scheinen. Der Bursch bekam Alles, was er verlangte, denn das konnte der
Knig Schanden halber ihm nicht versagen, und es wurde nun ein neuer
Beschlag unter die Grimsschecke gelegt, und der war nicht schlecht. Wie
das geschehen war, setzte der Bursch sich auf, und bei jedem Schritt,
den die Grimsschecke that, sank der Berg dreiig Fu tief in die Erde,
und das dauerte so lange fort, bis Nichts mehr vom Berg zu sehen war.

Wie nun der Bursch zurck nach dem Schlo kam, fragte er den Knig, ob
er ihm jetzt die Prinzessinn geben wolle; denn nun wisse er nicht
anders, sagte er, als da die Sonne ins Schlo scheine. Aber da hatten
die Andern dem Knig wieder Allerlei vorgeredet, und er sagte zu dem
Burschen, die Prinzessinn sollte er allerdings haben, denn er htte
seinen Sinn nicht gendert; aber erst sollte er ihm ein so stattliches
Brautpferd schaffen, als er ein Brutigamspferd htte, das wre nicht
mehr, als billig. Der Bursch sagte, davon htte der Knig nicht
gesprochen, und er meine, er habe die Prinzessinn jetzt verdient. Aber
der Knig blieb bei Dem, was er gesagt hatte; und wenn er ihm nicht ein
solches Brautpferd schaffen knne, sagte er: dann solle er das Leben
dazu verlieren. Der Bursch ging nun in den Stall, aber ganz traurig und
muthlos, und erzhlte der Grimsschecke, wie der Knig von ihm verlange,
er solle der Prinzessinn ein so stattliches Brautpferd verschaffen, als
er ein Brutigamspferd htte, sonst solle er das Leben verlieren. Wie
soll das aber angehen? sagte er: denn Deinesgleichen giebt es wohl
nicht mehr in der Welt. -- Ja, es giebt Meinesgleichen, sagte die
Grimsschecke: aber es hlt schwer, sie zu bekommen, denn sie ist in der
Hlle; wir wollen inde unser Bestes versuchen. -- Und Was mu ich
denn thun? fragte der Bursch. Erst musst Du zum Knig gehen, sagte
die Grimsschecke: und einen neuen Beschlag unter meinen Fen verlangen,
und dazu mssen zwanzig Pfund Eisen und zwlf Pfund Stahl, und zwei
Schmiede, einer zum Schmieden, und einer zum Beschlagen, aber sieh ja
zu, da die Eisen gut scharf werden; und dann musst Du zwlf Tonnen
Rocken und zwlf Tonnen Gerste verlangen, und zwlf geschlachtete
Ochsen mssen wir haben, dazu alle zwlf Ochsenhute und in jeder Haut
zwlfhundert Lattenspiker; denn alles das mssen wir gebrauchen.
Der Bursch ging nun hinauf zum Knig und verlangte Alles, so wie die
Grimsschecke ihm gesagt hatte, und der Knig konnte Schanden halber es
ihm nicht verweigern, sondern mute ihm Alles geben.

Als nun die Grimsschecke gehrig beschlagen war, setzte der Bursch sich
auf und ritt aus dem Schlohof. Wie er nun ein weites, weites Ende
geritten war ber Berge und ber Hgel, da fragte die Schecke ihn:
Hrst Du Etwas? -- Ja, sagte der Bursch: ich hre ein gewaltiges
Sausen oben in der Luft, so da mir angst und bange wird. -- Das
sind alle die wilden Vgel des Waldes, die geflogen kommen, sagte die
Grimsschecke, die sind ausgesandt, um uns aufzuhalten; aber schneide
jetzt ein Loch in die Kornscke, dann haben sie Genug zu thun mit dem
Korn und vergessen darber uns. Das that nun der Bursch: er schnitt
ein Loch in die Kornscke, so da der Rocken und die Gerste auf allen
Seiten herauslief. Da kamen alle die wilden Vgel des Waldes in so
groer Menge, da die Sonne davon verdunkelt ward; als sie aber das
Korn erblickten, schossen sie herunter und fingen an, die Rocken- und
Gerstenkrner aufzupicken; und zuletzt, glaub' ich, schlugen sie sich
sogar; doch das kann ich nicht mit Gewiheit sagen; aber so viel wei
ich wohl, da sie dem Burschen und der Grimsschecke Nichts thaten, denn
die hatten sie ganz vergessen.

Nun ritt der Bursch wieder eine lange Strecke, ber Berge und Thler,
durch Sumpf und Moor; da horchte pltzlich die Grimsschecke auf und
fragte den Burschen: Hrst Du Etwas? -- Ja, ich hre ein entsetzliches
Krachen im Walde von allen Seiten her, so da mir angst und bange wird,
sagte der Bursch. Das sind alle die wilden Thiere des Waldes, sagte
die Grimsschecke: die sind ausgeschickt, um uns aufzuhalten; aber wirf
jetzt nur die Rmpfe von den zwlf Ochsen hinaus, dann bekommen sie
Genug zu thun und vergessen uns. Da warf der Bursch die Rmpfe hinaus,
und nun kamen alle wilden Thiere, so viel ihrer im Wald waren: Bren,
Wlfe, Lwen und andre Ungeheuer; als sie aber die Ochsenrmpfe sahen,
fielen sie alle darauf her und fingen an, sich zu schlagen, da das Blut
flo; den Burschen aber und die Grimsschecke vergaen sie ganz.

Darauf ritt der Bursch wieder ein weites, weites Ende, und die Wolken
flogen ihm jeden Augenblick vorber; denn mit der Grimsschecke ging es
nicht langsam, wie man sich wohl denken kann. Pltzlich aber fing die
Schecke an zu wiehern und fragte: Hrst Du Etwas? -- Ja, ich hre in
der Ferne ein leises Wiehern wie von einem Fllen, sagte der Bursch.
Nun, das war eben kein kleines Fllen, sagte die Schecke: es hrt
sich nur so leise an, weil es noch so weit weg ist. Darauf reis'ten sie
ein gutes Ende weiter. Endlich wieherte die Grimsschecke wieder. Hrst
Du Etwas? fragte sie. Ja, nun hr' ich es deutlich wiehern, wie ein
groes Pferd, sagte der Bursch. Ja, Du musst es noch einmal hren,
sagte die Schecke: dann wirst Du's schon gewahr werden. Nun reis'ten
sie wieder ein gutes Ende weiter; da wieherte die Grimsschecke zum
dritten Mal; aber ehe sie noch den Burschen fragen konnte, ob er Etwas
hre, wieherte es auf der Senne, da der Bursch dachte, der alte Berg
wrde bersten. Nun ist es hier! sagte die Grimsschecke: Wirf jetzt
geschwind die Ochsenhute mit den Lattenspikern auf mich, und die
Theertonne wirf auf die Erde, und dann klettre auf die groe Tanne da.
Wenn dann das Pferd kommt, schnaubt es Feuer aus beiden Nstern und
zndet die Theertonne an. Alsdann gieb wohl Acht: wenn die Flamme
_steigt_, so gewinne ich; _fllt_ sie, so verliere ich. Siehst Du
aber, da ich gewinne, so wirf ihm schnell meinen Zaum ber, dann
ist es zahm. Kaum hatte der Bursch die Hute mit den Spikern auf die
Grimsschecke geworfen, die Theertonne auf die Erde gerollt und war auf
die Tanne geklettert, so kam das Pferd an, da ihm die Flammen aus
beiden Nstern fuhren, und sogleich fing die Theertonne Feuer. Darauf
begann die Grimsschecke einen Kampf mit dem andern Pferd, da die Steine
bis an den Himmel flogen, sie bissen sich und schlugen aus mit den
Vorder- und den Hinterbeinen. Der Bursch sah bald nach ihnen, bald nach
der Theertonne, und endlich _stieg_ die Flamme; denn wo das andre Pferd
auch beien und schlagen mochte, so traf es immer nur die Hute mit
den Spikern, und da mute es sich denn endlich geben. Als der Bursch
das sah, sprang er schnell vom Baum herunter, nahm den Zaum von der
Grimsschecke und warf ihn auf das andre Pferd, und da war es so zahm,
da er es mit einem Zwirnsfaden lenken konnte, und eben so scheckig
war es wie das Grimsfllen, so da man sie nicht von einander zu
unterscheiden vermochte. Nun setzte der Bursch sich auf das neue Pferd
und ritt wieder zurck nach dem Knigsschlo, und die Grimsschecke lief
neben ihm her. Als er beim Schlo ankam, stand der Knig drauen auf dem
Hof. Kannst Du mir jetzt sagen, was fr ein Pferd ich gefangen habe,
und was fr eins ich hatte? sagte der Bursch: kannst Du es nicht, so
gehrt Deine Tochter mir. Der Knig betrachtete beide Schecken von
unten bis oben; aber es war kein Haar anders an der einen, als an der
andern. Nein, sagte der Knig: das kann ich nicht. Meine Tochter hast
Du jetzt, da Du ihr ein so stattliches Brautpferd verschafft hast, Dir
erworben; aber erst mssen wir sehen, ob es auch so bestimmt ist, da
Du sie haben sollst: Meine Tochter soll sich zweimal verstecken, und
nachher sollst Du Dich auch zweimal verstecken; kannst Du sie nun
die beiden Male finden, aber sie nicht jedesmal Dich, dann ist es so
bestimmt, da Du sie haben sollst. -- Das steht nun freilich auch
nicht mit im Accord, sagte der Bursch: aber weil's denn so sein mu,
wollen wir's versuchen.

Nun sollte die Knigstochter sich zuerst verstecken, und da verwandelte
sie sich in eine Ente und schwamm auf dem Wasser, das dicht bei dem
Schlo war. Der Bursch aber ging hinunter in den Stall und fragte die
Grimsschecke, wo sie sich versteckt htte. O, Du brauchst nur Dein
Gewehr zu nehmen und nach der Ente zu zielen, die auf dem Wasser
schwimmt, sagte die Grimsschecke: dann wird sie schon zum Vorschein
kommen. Da nahm der Bursch sein Gewehr und ging damit nach dem Wasser.
Ich will doch mal die Ente kappen, sagte er und fing an zu zielen.
Nein, nein! schie nicht! das bin _ich_! sagte die Prinzessinn; und
nun hatte er sie das erste Mal gefunden. Das zweite Mal verwandelte die
Prinzessinn sich in ein Brod und lag auf dem Tisch zwischen vier andern
Broden, und alle waren ganz gleich, so da Keiner sie zu unterscheiden
vermochte. Aber der Bursch ging wieder in den Stall zu der Grimsschecke
und fragte, wo er jetzt wohl die Prinzessinn suchen sollte. O, nimm
blo ein Brodmesser und wetze es tchtig und thu dann, als ob Du das
Brod, das, von der Linken gezhlt, das dritte unter den vier andern
ist, die auf dem Kchentisch liegen, anschneiden wolltest, sagte die
Grimsschecke: dann wird sie schon zum Vorschein kommen. Da ging der
Bursch in die Kche und nahm das grte Brodmesser, das er finden
konnte, und wetzte es tchtig; dann ergriff er das Brod, welches, von
der Linken gezhlt, das dritte unter den vier andern war, und setzte
das Messer an, als ob er's mitten durchschneiden wollte. Ich mu mir
doch mal einen Knorren von diesem Brod abschneiden, sagte er. Nein,
schneide nicht! das bin _ich_! sagte die Prinzessinn; und nun hatte er
sie auch das zweite Mal gefunden.

Jetzt sollte der Bursch sich verstecken; da sagte ihm aber die
Grimsschecke so guten Bescheid, da er nicht leicht zu finden war.
Zuerst verwandelte er sich in eine Romcke und verbarg sich in die
linke Nster der Grimsschecke. Die Prinzessinn ging und suchte berall,
und zuletzt wollte sie auch in den Raum hinein, wo die Grimsschecke
stand; aber die fing an zu beien und um sich zu schlagen, da sie sich
nicht nahen durfte, und da konnte sie ihn denn nicht finden. Nein, ich
kann Dich nicht finden, rief sie: komm nur hervor! und sogleich stand
der Bursch vor ihr in dem Stall. Das zweite Mal verwandelte er sich in
einen Klumpen Erde und legte sich zwischen den Huf und das Eisen an dem
linken Vorderfu der Schecke. Die Knigstochter ging wieder berall herum
und suchte, und zuletzt kam sie auch in den Stall und wollte wieder in
den Raum zu der Grimsschecke. Diesmal durfte sie sich auch nahen; aber
unter den Huf konnte sie nicht kommen, denn die Schecke stand allzu fest
auf ihren Beinen. Da ihr nun alles Suchen nichts half, sagte sie endlich;
Komm nur hervor! denn ich kann Dich doch nicht finden, und da stand
der Bursch sogleich wieder neben ihr im Stall. Nun ist sie _mein_,
sagte er zum Knig: denn nun kannst Du sehen, da es so bestimmt ist.
-- Ja, wenn es denn so bestimmt ist, so mu es wohl so bleiben, sagte
der Knig. Und darauf wurde augenblicklich die Hochzeit gehalten; und
der Bursch setzte sich auf die Grimsschecke, und die Prinzessinn auf die
andre Schecke, und da kannst Du Dir denn wohl vorstellen, da sie eben
nicht lange Zeit gebrauchten, um nach der Kirche zu kommen; und sie
lebten hiernach glcklich und vergngt mit einander.




8.

Es hat keine Noth mit Dem, in welchen alle Weiber verliebt sind.


Es waren einmal drei Brder; nun wei ich nicht recht, wie das zugegangen
war, aber jeder von ihnen hatte einen Wunsch bekommen, so da er sich
wnschen konnte, Was er wollte. Die beiden ltesten bedachten sich nicht
lange, sondern wnschten sich, da es ihnen nie an Geld fehlen mchte,
so oft sie in die Tasche griffen; denn wenn Einer immer Geld hat,
sagten sie: so kommt er schon fort in der Welt. Der jngste dagegen
wnschte sich, da alle Weiber sich in ihn verlieben mten, sobald sie
ihn shen, sie mchten nun wollen, oder nicht; und das, sollst Du mal
hren, war weit besser, als Geld und Gut. Sobald die Brder ihre Wnsche
gethan hatten, wollten die beiden ltesten fort in die Welt. Aschenbrdel
bat sie, ihn mit sich zu nehmen, aber von dem wollten die Andern Nichts
wissen. Wo wir hinkommen, werden wir berall empfangen wie Grafen und
Prinzen, sagten sie: aber Du, der Du gar Nichts hast, Wer wollte sich
wohl um Dich bekmmern? -- Aber Ihr knnt mich darum ja gern mit Euch
reisen lassen, sagte Aschenbrdel: denn es wird wohl immer auch ein
Bissen fr mich abfallen, wenn ich bei so hohen Herrschaften bin.
Endlich und zuletzt erlaubten sie ihm denn, mitzureisen, wenn er ihr
Diener sein wollte, und darauf ging Aschenbrdel auch ein.

Als sie nun einen Tag, oder so ungefhr, gereis't waren, kamen sie zu
einem groen Gasthause; da kehrten die beiden ltesten Brder, welche
Geld hatten, ein, und verlangten frischweg Braten und Fische und
Branntwein und Meth und Alles, was gut schmeckt; Aschenbrdel aber, der
Nichts hatte, mute drauen im Hof bleiben und auf die Pferde und das
Gepck der vornehmen Herren Acht geben, denn er war nun ihr Diener. Wie
er aber da im Hofe auf- und abging, bemerkte die Frau des Gastwirths ihn
durch das Fenster, und ein so schner Bursch, duchte ihr, wr' ihr noch
nicht vorgekommen; sie guckte und guckte, und je lnger sie den Burschen
ansah, desto schner kam er ihr vor. Was Teufel hast Du da zu stehen
und zu glotzen! sagte der Mann: mir ducht, es wre besser, Du sh'st
zu, da das Spanferkel gut gebraten wrde, als da Du da stehst und
glotzugst; Du weit wohl, was fr Herrschaften wir heut zu bewirthen
haben. -- Ach, ich schere mich den Henker um das vornehme Pack! sagte
die Frau: wollen sie nicht bleiben, so knnen sie wieder hinreisen, wo
sie hergekommen sind. Aber komm mal her und sieh blo Den, der auf dem
Hof geht! einen so schmucken Burschen hab' ich noch mein Lebtag nicht
gesehn; willst Du, wie ich, so bitten wir ihn herein und tractiren ihn;
denn der arme Schelm hat wohl nicht Viel brig. -- Weib, hast Du denn
ganz Dein Bischen Verstand verloren? sagte der Mann und war so zornig,
da ihm die Augen im Kopf glh'ten. Fort mit Dir in die Kche! rief
er: und stehe nicht hier und ugle nach fremden Kerls! Da war nun
kein andrer Rath fr die Frau, sie mute wieder in die Kche und das
Essen bereiten; nach dem Burschen aber durfte sie sich nicht weiter
umsehen, und ihn tractiren durfte sie noch weniger. Da ersah sie aber
die Gelegenheit und machte sich ein Geschft in dem Hof, und nun schenkte
sie Aschenbrdel eine Schere, die hatte die Eigenschaft, da er sich
damit die schnsten Kleider von Sammt und von Seide herabschneiden
konnte, wenn er blo damit in die Luft schnitt. Die will ich Dir
schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist, sagte sie.

Als nun die beiden andern Brder ihr Spanferkel und all das Gesottene
und Gebratene verzehrt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrdel
stand wieder als ihr Diener hinten auf dem Wagen. Nach sechs oder sieben
Stunden kamen sie zu einem andern Gasthause, und da kehrten die beiden
ltesten wieder ein; aber Aschenbrdel, der kein Geld hatte, mute
drauen im Hof bleiben und auf ihre Sachen Acht geben. Wenn Jemand Dich
fragt, Wer wir sind, so sage nur, wir wren zwei fremde Prinzen, sagten
sie zu ihm. In diesem Gasthause ging es nun ungefhr wieder eben so,
wie in dem vorigen. Die Wirthsfrau kam ans Fenster und sah Aschenbrdel
auf dem Hof stehen, und da ward sie eben so verliebt in ihn, wie die
Frau des ersten Gastwirths, und sie konnte sich gar nicht satt an ihm
sehen. Als aber ihr Mann darauf zukam, sagte er: Steh doch nicht da und
glotze, wie eine Kuh, die das neue Thor betrachtet, sondern scher' Dich
fort in die Kche zu Deinem Fischgrapen; denn Du weit wohl, was wir
heut fr Leute zu bewirthen haben. -- Ach, ich bekmmre mich den Henker
um das vornehme Pack! sagte die Frau: wenn's ihnen bei uns nicht gut
genug ist, so knnen sie ja hingehen, wo's ihnen besser gefllt. Aber
komm mal her und sieh den hbschen Burschen, der da drauen im Hof
steht; noch in meinem Leben hab' ich keinen so hbschen Menschen
gesehen. Willst Du, wie ich, so nthigen wir ihn herein zu uns und
tractiren ihn; der arme Teufel kann's nthig haben. -- Viel Verstand
hast Du nie gehabt, Frau, sagte der Mann: und das Bischen, das Du
hattest, glaub' ich, hast Du jetzt auch verloren. -- Fort mit Dir in
die Kche! und steh nicht lnger da und guck nach dem fremden Kerl
aus! rief er und war noch weit zorniger, als der erste Gastwirth. Sie
mute nun wieder hinaus zu ihrem Fischgrapen, und so gern sie auch den
Burschen tractirt htte, so durfte sie's doch nicht wagen, denn sie
frchtete sich vor ihrem Mann. Da ersah sie aber die Gelegenheit und
machte sich ein Geschft in dem Hof, und nun schenkte sie Aschenbrdel
ein Tuch, das hatte die Eigenschaft, da es sich aufdeckte mit den
schnsten Gerichten, die man sich nur wnschen kann, wenn er es blo aus
einander legte. Das sollst Du haben, weil Du ein so schmucker Bursch
bist, sagte die Wirthsfrau zu Aschenbrdel. Der bedankte sich und war
seelenvergngt; denn ein solches Tuch, kannst Du wohl denken, war
besser, als viel Geld.

Nachdem nun die beiden Brder gegessen und getrunken und Alles theuer
bezahlt hatten, reis'ten sie weiter, und Aschenbrdel stand wieder
hinten auf. Als sie so lange gereis't waren, bis sie wieder hungrig
wurden, kehrten sie in ein sehr vornehmes Gasthaus ein und verlangten
das Theuerste und Beste, was es gab. Wir sind zwei reisende Knige,
sagten sie: und Geld haben wir wie Heu. Als der Gastwirth das hrte,
ging es an ein Kochen und Braten, da man's zehn Huser davon bei den
Nachbaren riechen konnte. Aschenbrdel aber mute wieder in dem Hof
bleiben und auf die Sachen Acht geben. Hier ging's ihm nun ungefhr eben
so, wie in den beiden vorigen Gasthfen. Die Wirthsfrau sah durch das
Fenster den Diener, der drauen beim Wagen stand, und ein so schmucker
Bursch war ihr denn auch noch nicht vorgekommen; sie sah und sah, und
je lnger sie ihn ansah, desto schner, duchte er ihr. Als aber der
Gastwirth kam und sie da stehen und gucken sah, sagte er: Hast Du denn
nichts Besseres zu thun, als da Du da stehst und guckugelst? Weit Du
denn nicht, was fr Leute wir im Hause haben? Fort mit Dir in die Kche
zum Grtzkessel, und das den Augenblick! Ach, es ist wohl nicht so
gefhrlich, sagte die Frau. Wollen sie nicht warten, bis die Grtze
fertig ist, so knnen sie ja wieder reisen; es hlt sie Niemand auf.
Aber komm mal her, dann sollst Du Was zu sehen kriegen. Sieh mal da
auf dem Hof! Ein so schmucker Bursch, sag' ich Dir, ist mir noch
nicht vorgekommen. Willst Du, wie ich, so nthigen wir ihn herein
und tractiren ihn; denn er scheint's wohl nthig zu haben. -- Ein
manntolles Weib bist Du all Dein Lebtag gewesen, und das bist Du auch
noch, sagte der Mann und war entsetzlich bse: Machst Du aber nicht
den Augenblick, da Du hinauskommst zum Grtzkessel, so sollst Du sehen,
wie ich Dir Beine machen werde! Die Frau mute nun wieder hinaus in die
Kche, denn sie wute wohl, da der Mann nicht mit sich scherzen lie.
Nach einer Weile aber ersah sie die Gelegenheit, schlpfte hinaus in
den Hof und schenkte Aschenbrdel einen allerliebsten Zapfhahn. Wenn
Du blo den Hahn umdreh'st, sagte sie: so bekommst Du die schnsten
Getrnke, die Du Dir wnschest: Meth, Wein und auch Branntwein; Das will
ich Dir schenken, weil Du ein so schmucker Bursch bist. Aschenbrdel
bedankte sich und war seelenvergngt; denn ein solcher Zapfhahn war
nicht schlecht, kannst Du glauben.

Als nun die beiden Brder ihre Mahlzeit verzehrt hatten, reis'ten sie
wieder fort, und Aschenbrdel stand wieder hinten auf dem Wagen. Sie
reis'ten nun ein weites Ende, und endlich kamen sie zu einem Knigsschlo;
da gaben die beiden ltesten sich aus fr zwei Kaisershne; und weil
sie viel Geld hatten und so stattlich gekleidet waren, wurden sie auf
das beste empfangen; sie muten auf dem Schlo wohnen, und der Knig
wute nicht, Was er ihnen alles zu Ehren thun wollte. Aber Aschenbrdel,
der noch dieselben Lumpen anhatte, die er von Hause mitgenommen, wurde
von der Schlowache auf eine Insel gebracht, nach welcher man alle die
Bettler und Lumpenkerls hinausruderte, die auf's Schlo kamen; denn der
Knig konnte die Bettler und Lumpenkerls nicht leiden, sie strten nur
die Freude auf dem Schlo, sagte er. Auf der Insel aber bekamen sie nur
grade so Viel zu essen, da sie sich das Leben damit erhalten konnten.
Die Brder von Aschenbrdel sahen wohl, da die Wache mit ihm nach der
Insel hinausfuhr, aber sie waren froh, da sie ihn los wurden, und
bekmmerten sich nicht weiter um ihn. Als nun Aschenbrdel auf die Insel
zu den andern Bettlern und Lumpenkerls hinauskam, nahm er blo seine
Schere und schnitt damit in die Luft, und da schnitt er die schnsten
Kleider herab, die man sich wnschen kann, von Sammt und von Seide, fr
sie alle zusammen, so da der gemeinste Bettler auf der Insel weit
stattlicher gekleidet war, als der Knig selbst und Alle, die auf dem
Schlo waren. Darauf nahm Aschenbrdel sein Tuch und breitete es aus,
und da deckte es sich mit einer Menge der schnsten Gerichte, so da
Alle daran Mehr, als Genug hatten, und ein solches Gastmahl war noch
nicht gehalten worden auf des Knigs Schlo. Nun seid Ihr aber auch
wohl durstig, sagte Aschenbrdel, nahm seinen Zapfhahn und dreh'te ihn
herum, und da bekamen alle Bettler auch Genug zu trinken; aber solchen
Meth und solchen Wein hatte der Knig selber noch in seinem Leben nicht
geschmeckt.

Als nun Die, welche das Essen nach der Bettlerinsel bringen sollten, mit
ihrer kalten Grtze und ihren sauern Molken ankamen -- denn das war das
Essen, was Die auf der Insel erhielten -- so wollten die Bettler es
nicht einmal kosten, worber Die von dem Schlo sich sehr verwunderten,
aber noch mehr verwunderten sie sich, als sie sahen, wie Alle so stattlich
gekleidet waren, als wren es lauter Kaiser und Pbste gewesen, und sie
glaubten schon, sie wren zu einer unrechten Insel gekommen; als sie
aber besser zusahen, da war's denn doch ganz recht. Nun konnten sie sich
nicht anders denken, als da Der, den sie gestern hinausgerudert hatten,
den Bettlern all den Staat und die Herrlichkeit verschafft haben mte;
und als sie zurck aufs Schlo kamen, erzhlten sie sogleich, wie Der,
den sie gestern hinausgebracht, alle Bettler so schn und so prchtig
herausgekleidet htte, da es nur so trpfelte von Gold; und die Grtze
und die Molken, die wir brachten, haben sie nicht einmal angerhrt,
sagten sie: so hochmthig waren sie geworden. Nun hatte aber Einer von
den Leuten des Knigs ausspionirt, wie der Bursch eine Schere hatte,
womit er all die schnen Kleider, welche die Bettler bekommen hatten,
aus der Luft geschnitten; das erzhlte er sogleich auf dem Schlo und
sagte: wenn er blo mit der Schere in die Luft schneidet, so schneidet
er lauter Sammt und Seide herunter. Als die Prinzessinn das hrte,
hatte sie keine Ruhe, ehe sie den Burschen sah, der die Schere hatte,
die lauter Sammt und Seide aus der Luft schnitt; eine solche Schere wre
wohl werth zu haben, dachte sie, denn damit knnte sie sich all den Putz
verschaffen, den sie sich wnschte. Sie bat nun den Knig so lange, bis
dieser hinausschickte nach der Bettlerinsel und den Burschen holen lie;
als dieser ankam, fragte die Prinzessinn ihn, ob es wahr sei, da er
eine Schere htte, die so und so wre, und ob er ihr die nicht verkaufen
wolle. Ja, eine solche Schere htte er wohl, sagte Aschenbrdel, aber
verkaufen wolle er sie nicht, und darauf nahm er die Schere und schnitt
damit in die Luft, da die Sammt- und Seidenstoffe um ihn herumflogen.
Ja, Du musst mir die Schere durchaus verkaufen, sagte die Prinzessinn:
Du kannst dafr verlangen, Was Du willst; denn haben mu ich sie.
Nein, verkaufen knne er sie auf keine Weise, sagte der Bursch, denn
eine solche Schere bekm' er nicht leicht wieder. Und whrend sie nun da
standen und um die Schere disputirten, betrachtete die Prinzessinn den
Burschen genauer, und da duchte ihr, einen so schnen Menschen htte
sie noch nie gesehen; darnach handelte sie wieder um die Schere und bat
Aschenbrdel, er mchte sie ihr doch verkaufen, er knne verlangen so
viele hundert Thaler er wolle, sagte sie. Nein, verkaufen thu ich sie
nicht, sagte Aschenbrdel: aber es mag drum sein! willst Du mich eine
Nacht in Deiner Kammer bei der Thr schlafen lassen, so sollst Du sie
haben. Zu Leide will ich Dir Nichts thun, sagte er: und wenn Du Dich
frchtest, so kannst Du gern zwei Mann Wache hinstellen. Ja, das
wollte die Prinzessinn gern; wenn sie blo die Schere bekam, so war sie
zufrieden. Und nun schlief Aschenbrdel die Nacht in ihrer Kammer, und
zwei Mann standen dabei Wache. Aber die Prinzessinn bekam nicht viel
Schlaf in die Augen, denn sie mute die ganze Nacht hindurch Aschenbrdel
ansehen.

Am Morgen ruderte Aschenbrdel wieder hinaus nach der Bettlerinsel.
Als aber Die vom Schlo mit der Grtze und den Molken ankamen, wollte
wieder Keiner davon kosten. Nun hatte aber Einer von des Knigs Leuten
ausspionirt, da der Bursch ein Tuch hatte, das sich mit dem schnsten
Essen deckte, sobald er es nur aus einander legte; und als dieser
zurckkehrte, erzhlte er es sogleich der Prinzessinn: und solchen
Braten und solche Rahmgrtze, sagte er: giebt's nicht auf des Knigs
Schlo. Als die Prinzessinn das hrte, erzhlte sie es dem Knig und
bat ihn so lange, bis er nach der Insel schickte und den Burschen holen
lie. Wie nun Aschenbrdel aufs Schlo kam, wollte die Prinzessinn ihm
durchaus das Tuch abkaufen und bot ihm Geld ber Geld; aber Aschenbrdel
wollt's nicht verkaufen fr keinen Preis. Willst Du mich aber die Nacht
auf der Bank vor Deinem Bett schlafen lassen, so sollst Du das Tuch
haben, sagte er: zu Leide will ich Dir Nichts thun, und wenn Du Dich
frchtest, so kannst Du gern vier Mann Wache hinstellen. Ja, darauf
ging die Prinzessinn sogleich ein; und Aschenbrdel lag nun die Nacht
auf der Bank vor ihrem Bett, und vier Mann standen Wache dabei. Hatte
aber die Prinzessinn die vorige Nacht nicht schlafen knnen, so konnte
sie es noch weniger diese Nacht; sie lag bestndig und sah nur den
Burschen an.

Am Morgen ruderte Aschenbrdel wieder hinaus nach der Bettlerinsel. Als
aber Die vom Schlo mit der Grtze und den Molken ankamen, wollte Keiner
es wieder ansehen, so satt waren sie noch alle von gestern. Das fiel nun
den Leuten vom Schlo weiter nicht auf; jedoch verwunderte es sie, da
sie noch gar nicht wieder durstig waren. Da bemerkte aber Einer, da der
Bursch einen Zapfhahn hatte und immer die schnsten Getrnke bekam: Meth
und Wein und auch Bier, wenn er blo den Hahn umdreh'te. Wie nun dieser
zurckkam, erzhlte er sogleich weit und breit von dem Zapfhahn des
Burschen: und solches Bier und solchen Meth hat man nicht auf des
Knigs Schlo, sagte er: denn das schmeckt noch ser, als Honig und
Syrup. Als die Prinzessinn das hrte, wollte sie durchaus den Zapfhahn
haben und lie dem Knig nicht eher Ruhe, als bis er nach der Insel
schickte und den Burschen holen lie.

Als nun Aschenbrdel aufs Schlo kam, fragte die Prinzessinn ihn, ob es
wahr sei, da er einen Zapfhahn htte, der so und so wre. Ja, sagte
Aschenbrdel, einen solchen Zapfhahn htte er; und als die Prinzessinn
ihm den nun mit aller Gewalt abkaufen wollte, sagte er wieder, verkaufen
knne er ihn auf keine Weise, wenn die Prinzessinn ihm auch das halbe
Reich dafr geben wollte. Aber es mag drum sein! sagte er: willst
Du mich diese Nacht vorn in Deinem Bett schlafen lassen, so sollst
Du meinen Zapfhahn haben; Du kannst meinetwegen gern acht Mann Wache
hinstellen. -- Ach nein, das ist nicht nthig, sagte die Prinzessinn:
denn dazu kenne ich Dich jetzt schon genug. Und nun schlief Aschenbrdel
die Nacht bei der Prinzessinn im Bette, und hatte sie die beiden vorigen
Nchte nicht schlafen knnen, so that sie diese ganze Nacht kein Auge
zu.

Wie nun Aschenbrdel am Morgen wieder fort wollte nach der Insel, sagte
sie zu ihm: Wart' noch ein wenig! lief hinein zum Knig und bat ihn,
da er ihr doch den Burschen zum Gemahl geben mchte; denn sie wre so
verliebt in ihn, sagte sie, da sie ohne ihn nicht leben knne. Ei
nun, sagte der Knig: wenn er so herrliche Dinge hat, wie Du mir
erzhlst, so ist er ja eben so reich, als Du; nimm ihn also nur hin! Da
bekam Aschenbrdel die Prinzessinn und das halbe Reich, und das andere
halbe Reich sollte er nach des Knigs Tode haben; und nun war Alles gut.
Seine Brder aber, welche immer so schlecht gegen ihn gewesen waren,
lie er hinausbringen auf die Bettlerinsel; da knnen sie nun erfahren,
Wer am besten daran ist: Der, welcher viel Geld in der Tasche hat, oder
Der, in welchen alle Weiber verliebt sind; -- und hat Aschenbrdel sie
nicht von der Insel zurckgeholt, so gehen sie noch da und essen kalte
Grtze und saure Molken den heutigen Tag.




9.

Die Lgenprobe.


Es war einmal ein Knig, der hatte eine Tochter, die konnte so gewaltig
lgen, da Keiner es darin mit ihr aufnehmen konnte. Da lie der Knig
bekannt machen, da Der, welcher so lgen knne, da die Prinzessinn
Nichts mehr dagegen zu lgen wte, sie und das halbe Reich haben
sollte. Es kamen darauf Viele an den Hof und machten den Versuch; denn
Alle wollten gern die Prinzessinn und das halbe Reich haben; aber sie
kamen alle schlecht davon. Nun waren aber auch drei Brder, und die
wollten ebenfalls ihr Glck versuchen. Zuerst kamen die beiden ltesten;
aber es ging ihnen nicht besser, als all den brigen. Zuletzt machte
Aschenbrdel sich auf, und als er ankam, traf er die Prinzessinn im
Stall. Guten Tag! sagte er. Schnen Dank, sagte sie: Ihr habt doch
nicht einen so groen Stall, als wir; denn wenn der Hirt an dem einen
Ende steht und auf dem Bockshorn bls't, kann man's nicht hren am
andern Ende. -- Das ist auch was Rechtes! sagte Aschenbrdel: unsrer
ist weit grer; denn wenn eine Kuh an dem einen Ende trchtig wird,
kalbt sie erst an dem andern. -- Haha! sagte die Prinzessinn: Aber
Ihr habt doch nicht einen so groen Ochsen, als wir; denn wenn auf jedem
Horn Einer sitzt mit einer Mestange, so knnen sie doch einander nicht
ablangen. -- Da kommst Du schn an! sagte Aschenbrdel: Wir haben
einen Ochsen, der ist so gro, da wenn Einer auf jedem Horn sitzt und
auf dem Haberrohr bls't, sie einander doch nicht hren knnen. -- Na
so! sagte die Prinzessinn: Aber Ihr habt doch nicht so viel Milch, als
wir; denn wir melken unsre Milch in groe Eimer und tragen sie in groe
Kessel hinein und machen Kse, so gro wie Tonnen. -- Und wir, sagte
Aschenbrdel: wir melken unsre Milch in groe Kben und fahren sie mit
dem Wagen ins Haus und gieen sie in groe Braupfannen und machen Kse,
so gro wie Huser; und dann haben wir ein buntscheckiges Mutterpferd,
das den Kse zusammentritt; einmal aber fohlte es in dem Kse, und
als wir sieben Jahr davon gegessen hatten, trafen wir auf ein groes
buntscheckiges Pferd; mit dem sollte ich mal nach der Mhle fahren,
aber da brach ihm eine Rippe entzwei; nun wute ich keinen andern Rath,
sondern nahm eine Tanne und setzte sie ihm ein statt der Rippe, und eine
andre Rippe hat's nachher nicht gehabt, so lange wir es hatten. Nun
scho aber die Tanne auf und wuchs aus dem Rcken heraus und ward so
gro, da ich daran zum Himmel hinaufklettern konnte. Da kam ich zu der
Jungfrau Maria, die sa da und spann Borstenstricke von Mehlbrei. Wie
ich nun da stand und zusah, brach unten die Tanne ab, und nun konnte ich
nicht wieder herunter; aber die Jungfrau Maria lie mich an einem der
Stricke hinabgleiten, und da kam ich in einem Fuchsloch an; da saen
meine Mutter und Dein Vater und flickten Schuh; aber eh' ich's mir
versah, schlug meine Mutter Deinen Vater, da ihm die Perrcke vom Kopf
flog. -- Das lgst Du, sagte die Prinzessinn: denn das hat mein
Vater nie gethan.




10.

Die drei Bcke Brausewind, die nach der Koppel gehen
und sich fett machen wollten.


Es waren einmal drei Bcke, die wollten nach der Koppel gehen und sich
fett machen, und alle drei hieen sie _Brausewind_. Auf dem Wege aber
war eine Brcke ber einem Flu, wo sie hinber muten, und unter der
Brcke wohnte ein groer, abscheulicher Troll, der hatte Augen, so gro
wie zinnerne Teller, und eine Nase, so lang wie ein Hackenstiel. Zuerst
kam der jngste Bock Brausewind und wollte ber die Brcke. Tripp
trapp! tripp trapp! sagte es auf der Brcke. _Wer ist es, der auf
meiner Brcke trippelt?_ rief der Troll. O, es ist der kleinste Bock
Brausewind; ich wollte nur nach der Koppel und mich fett machen, sagte
der Bock mit ganz feiner Stimme. _Nun komm ich und hole Dich!_ rief
der Troll. Ach, hol' mich nicht, ich bin noch so klein! sagte der
Bock: wart blo so lange, bis der andre Bock Brausewind kommt, der ist
viel grer, als ich. -- _Ja wohl!_ sagte der Troll.

Nach einer Weile kam der andre Bock Brausewind und wollte ber die
Brcke. _Tripp trapp! tripp trapp!_ sagte es auf der Brcke. _Wer ist
es, der auf meiner Brcke trappelt?_ rief der Troll. _O, das ist der
zweite Bock Brausewind; ich wollte nur nach der Koppel und mich fett
machen_, sagte der Bock, der hatte aber keine so feine Stimme. _Nun
komm ich und hole Dich!_ rief der Troll. _Ach nein, hol' mich nicht!
wart' noch ein bischen, dann kommt der groe Bock Brausewind, der ist
viel grer, als ich_, sagte der Bock, _Ja wohl!_ sagte der Troll.

Nun dauerte es nicht lange, so kam der groe Bock Brausewind an: TRIPP
TRAPP! TRIPP TRAPP! sagte es auf der Brcke, da es nur so krachte.
_Wer ist es, der auf meiner Brcke trampelt?_ rief der Troll. DAS
IST DER GROSSE BOCK BRAUSEWIND! sagte der Bock mit einer groben Stimme.
_Nun komm ich und hole Dich!_ rief der Troll.

   JA, KOMM NUR, ICH HABE ZWEI SPEERE BEIM SCHOPF,
    DAMIT BOHR' ICH DIE AUGEN DIR AUS DEM KOPF;
    ICH HABE ZWEI GROSSE KIESELSTEINE,
    DAMIT ZERQUETSCH ICH DIR KNOCHEN UND BEINE!

sagte der Bock, und damit fuhr er auf den Trollen zu, stach ihm die
Augen aus und zerquetschte ihm die Knochen im Leibe; darnach warf er ihn
in den Flu und ging dann mit den andern nach der Koppel. Da wurden nun
die Bcke so fett, so fett, da sie nicht wieder nach Hause gehen
konnten; und ist das Fett nicht wieder von ihnen gegangen, so sind sie
es noch.

    Un nipp, napp, nuut!
    So is dat Leuschen uut.




11.

stlich von der Sonne und westlich vom Mond.


Es war einmal ein armer Kathenmann, der hatte viele Kinder; er war aber
so arm, da er ihnen weder ordentlich zu essen, noch Kleider auf den
Leib geben konnte; dennoch waren die Kinder alle sehr schn; aber am
schnsten von allen war doch die jngste Tochter.

Nun war es einmal an einem Donnerstag-Abend im Sptherbst ein ganz
abscheuliches Wetter drauen; es war stockfinster, und dabei regnete und
strmte es, da die Fenster krachten. Die ganze Familie sa um den Kamin
herum, und Jeder war mit seiner Arbeit beschftigt. Pltzlich klopfte es
dreimal laut ans Fenster. Der Mann ging hinaus und wollte zusehen, Was
es war, und als er hinauskam, stand da ein groer weier Br.

Guten Abend! sagte der Br. Guten Abend! sagte der Mann. -- Willst
Du mir Deine jngste Tochter zur Frau geben, sagte der Br: dann will
ich Dich so reich machen, als Du jetzt arm bist. Dem Mann duchte das
nicht bel; aber er meinte, er mte doch erst mit seiner Tochter ein
Wort sprechen, ging hinein und erzhlte, wie drauen ein groer weier
Br stnde, der htte ihm versprochen, ihn eben so reich zu machen,
als er jetzt arm wre, wenn er ihm seine jngste Tochter zur Frau geben
wolle. Das Mdchen sagte aber Nein und wollte Nichts von dem Handel
wissen. Da ging der Mann wieder hinaus, sprach gtlich mit dem Bren
und sagte, er solle nur am nchsten Donnerstag-Abend wiederkommen;
inmittlerzeit wolle er schon sehen, Was bei der Sache zu thun wre. Sie
berredeten nun das Mdchen und schwatzten ihr Allerlei vor von dem
groen Reichthum, wozu sie gelangen wrden, und wie gut sie es selbst
bekme. Da gab sie denn endlich nach, wusch ihre paar Lappen, die sie
hatte, rein, putzte sich heraus, so gut sie konnte, und hielt sich
reisefertig.

Als am nchsten Donnerstag-Abend der Br wiederkam, ja, da war's richtig;
das Mdchen setzte sich mit ihrem Bndel auf seinen Rcken, und fort
ging's. Als sie ein gutes Ende hinausgekommen waren, fragte der Br sie:
Bist Du auch bange? Nein, das war sie ganz und gar nicht. Halt Dich
nur immer gut an meinen Zotteln fest, sagte der Br: dann hat's keine
Noth.

Nun ritt sie auf dem Rcken des Bren weit, weit in die Welt hinaus,
-- kein Mensch kann sagen, wie weit es eigentlich war -- und zuletzt
kamen sie zu einem groen Felsen; da klopfte der Br an, und nun ffnete
sich eine Pforte, durch welche sie in ein groes Schlo gelangten;
drinnen waren viele von Lampen erleuchtete Zimmer, und Alles strahlte
von Gold und von Silber; auch war da ein groer Saal, und in dem Saal
stand ein Tisch, der war mit den herrlichsten Gerichten besetzt. Nun gab
der Br ihr eine silberne Glocke und sagte, wenn sie sich irgend Etwas
im Schlo wnsche, dann solle sie nur damit klingeln, alsdann wrde
sie es sogleich bekommen. Wie sie nun gegessen und getrunken hatte und
gegen Abend mde wurde und sich zu Bett legen wollte, klingelte sie
nur mit der Glocke -- und sogleich ffnete sich eine Kammer, worin ein
aufgemachtes Bett stand, so schn, wie man's sich nur wnschen konnte,
mit seidenen Kissen und Vorhngen mit Goldfransen, und Alles, was sich
in der Kammer befand, war ebenfalls von Gold und von Silber. Wie sie
aber nun das Licht ausgelscht und sich ins Bett gelegt hatte, kam ein
Mensch an und legte sich zu ihr, und so geschah es jede Nacht; aber sie
bekam ihn nie zu sehen, denn er kam immer erst, wenn sie schon das Licht
ausgelscht hatte, und ging wieder fort, eh' es noch Tag wurde. So lebte
sie nun eine Zeitlang ruhig und zufrieden; aber endlich bekam sie eine
so groe Sehnsucht, ihre ltern und Geschwister wiederzusehen, da sie
ganz still und traurig ward. Da fragte der Br sie eines Tages, Was ihr
fehle, da sie immer so still und sinnig wre. Ach, sagte sie: es
wird mir hier so de im Schlo, denn ich mchte so gern meine ltern und
meine Geschwister einmal wiedersehen. -- Dazu kann Rath werden, sagte
der Br: aber Du musst mir versprechen, da Du nie mit Deiner Mutter
allein reden willst, sondern nur, wenn die Andern zugegen sind; denn
sie wird Dich wohl bei der Hand nehmen und Dich in eine Kammer fhren
wollen, um mit Dir allein zu sprechen; lsst Du Dich aber darauf ein, so
machst Du mich und Dich unglcklich. Nein, sagte das Mdchen, sie wolle
sich schon in Acht nehmen.

Am Sonntag kam der Br und sagte, jetzt knne sie die Reise zu ihren
ltern antreten. Sie setzte sich nun auf seinen Rcken, und damit ging
es fort. Wie sie nun eine lange Zeit gereis't waren, kamen sie zu einem
groen weien Schlo, da gingen ihre Geschwister aus und ein, und
spielten, und Alles war da so schn und prchtig, da es eine Lust war,
es anzusehen. Da wohnen Deine ltern! sagte der Br: Vergi nun
nicht, Was ich Dir gesagt habe; denn sonst machst Du Dich und mich
unglcklich. Nein, sie wollt's nicht vergessen, sagte das Mdchen und
ging ins Schlo; der Br aber kehrte wieder um.

Wie nun die ltern ihre Tochter wiedersahen, freu'ten sie sich so sehr,
da es gar nicht zu sagen ist, und konnten ihr nicht genug danken fr
Das, was sie fr sie gethan hatte; und sie erzhlten ihr, wie sie es nun
so auerordentlich gut htten, und fragten sie, wie es denn ihr ginge.
O, ihr ginge es auch recht gut, sagte das Mdchen, sie htte Alles, was
sie sich nur wnschte. Was sie noch weiter sagte, wei ich nicht recht;
aber ich glaube, sie gab ihnen doch keinen ordentlichen Bescheid. Am
Nachmittag, als sie gegessen hatten, geschah es, wie der Br ihr gesagt
hatte: die Mutter wollte mit der Tochter allein in der Kammer sprechen;
aber das Mdchen dachte an die Worte des Bren, und wollte nicht mit ihr
gehen, sondern sagte: O, Das, was wir zu sprechen haben, knnen wir
immer hier sprechen. Nun wei ich aber nicht, wie es recht kam, die
Mutter berredete sie doch zuletzt, und da mute sie ihr denn Alles
erzhlen, was sie wute. Sie erzhlte ihr nun auch, wie des Abends, wenn
sie das Licht ausgemacht htte, immer ein Mensch kme und sich zu ihr
ins Bett legte; aber sie bekme ihn nie zu sehen, denn eh' es Tag wrde,
wre er immer wieder fort, sagte sie, und darber wre sie so betrbt;
denn sie wollte ihn doch so gern sehen, und der Tag wrde ihr so lang,
weil sie immer so allein wre. Wer wei! das ist gewi ein Troll, der
bei Dir schlft, sagte die Mutter: Wenn Du aber meinem Rath folgen
willst, so steh mal des Nachts auf, wenn er eingeschlafen ist, und znde
ein Licht an und sieh zu, was es fr Einer ist; aber nimm Dich in Acht,
da Du keinen Talg auf ihn trpfelst.

Am Abend kam der Br wieder und holte das Mdchen ab. Wie sie nun ein
Ende hinausgekommen waren, fragte er sie, ob es nicht so gekommen sei,
wie er gesagt htte. Ja, das konnte das Mdchen nicht leugnen. Hast
Du nun auf den Rath Deiner Mutter gehorcht, sagte der Br: dann machst
Du Dich und mich unglcklich; und mit uns beiden ist dann die Freundschaft
aus. Nein, das htte sie nicht gethan, sagte sie.

Als sie nun nach Hause gekommen waren, und das Mdchen sich ins Bett
gelegt hatte, geschah es wieder, wie sonst: es kam ein Mensch und legte
sich zu ihr. In der Nacht aber, als sie hrte, da er schlief, stand sie
auf und zndete ein Licht an, und da sah sie nun im Bett den schnsten
Prinzen liegen, den man nur sehen konnte, und sie ward so verliebt in
ihn, da sie ihn den Augenblick kssen mute. Da versah sie's aber
und lie drei heie Talgtropfen auf sein Hemd fallen, so da er davon
erwachte. Was hast Du gethan? rief er, als er die Augen aufschlug:
Nun hast Du mich und Dich unglcklich gemacht. Httest Du blo das
Jahr ausgehalten, so wre ich erls't gewesen; denn ich habe eine
Stiefmutter, die hat mich verzaubert, so da ich des Tages ein Br und
des Nachts ein Mensch bin; aber mit uns beiden ist es nun aus, denn ich
mu Dich jetzt verlassen und wieder zu ihr reisen; sie wohnt auf einem
Schlo, das liegt stlich von der Sonne und westlich vom Mond, und da
soll ich eine Prinzessinn heirathen, die hat eine Nase, die ist drei
Ellen lang.

Das Mdchen fing an zu weinen und zu jammern; aber es war jetzt zu spt,
er mute fort. Sie fragte ihn, ob sie denn nicht mit ihm reisen knne.
Nein, sagte er, das ginge nicht an. Kannst Du mir denn nicht den Weg
sagen, damit ich Dich aufsuche? fragte sie: denn das ist mir doch wohl
erlaubt? -- Ja, das magst Du gern, sagte er: aber es fhrt kein Weg
dahin; denn das Schlo liegt stlich von der Sonne und westlich vom
Mond, und dahin kommst Du nie.

Am Morgen, als sie erwachte, war sowohl der Prinz, als das Schlo
verschwunden, und sie lag nun auf der bloen Erde mitten in einem
dicken, finstern Wald und hatte wieder ihre alten Lappen an, und neben
ihr lag dasselbe Bndel, das sie von Hause mitgenommen. Als sie sich den
Schlaf aus den Augen gerieben und sich satt geweint hatte, begab sie
sich auf den Weg und wanderte viele, viele Tage lang, bis sie endlich zu
einem groen Berg kam. Vor dem Berge sa eine alte Frau und spielte mit
einem goldnen Apfel. Das Mdchen fragte sie, ob sie nicht den Weg wte
zu dem Prinzen, der bei seiner Stiefmutter auf einem Schlo wohne,
das stlich von der Sonne und westlich vom Mond lge, und der eine
Prinzessinn heirathen sollte mit einer Nase, die drei Ellen lang wre.
Woher kennst Du ihn? fragte die Frau: Bist Du vielleicht das Mdchen,
das er heirathen wollte? Ja, sagte das Mdchen, das wre sie. So! also
Du bist es! sagte die Frau. Ja, mein Kind, fuhr sie fort: ich wollte
Dir gern helfen; aber ich wei auch weiter Nichts von dem Schlo, als
da es stlich von der Sonne und westlich vom Mond liegt, und dahin
kommst Du wohl nie. Ich will Dir aber mein Pferd leihen, darauf kannst
Du zu meiner nchsten Nachbarinn reiten, vielleicht, da _sie_ den Weg
Dir sagen kann. Wenn Du aber bei ihr ankommst, so schlage nur das Pferd
unter das linke Ohr und hei es wieder nach Hause gehen; und dann nimm
diesen goldnen Apfel, denn Du kannst ihn vielleicht gebrauchen.

Das Mdchen setzte sich nun auf das Pferd und ritt eine lange, lange
Zeit; endlich kam sie wieder zu einem Berg, vor dem sa eine alte Frau
mit einem goldnen Haspel. Das Mdchen fragte sie, ob sie ihr nicht den
Weg sagen knne nach dem Schlo, das stlich von der Sonne und westlich
vom Mond lge. Die sagte aber eben so, wie die vorige Frau, sie wte
weiter Nichts von dem Schlo, als da es stlich von der Sonne und
westlich vom Mond lge, und dahin wirst Du wohl niemals kommen, sagte
sie: aber ich will Dir mein Pferd leihen, darauf kannst Du zu meiner
nchsten Nachbarinn reiten, vielleicht da _sie_ den Weg Dir sagen kann.
Wenn Du aber bei ihr ankommst, so schlage nur das Pferd unter das linke
Ohr und hei es wieder nach Hause gehen; und dann nimm diesen goldnen
Haspel mit, denn Du kannst ihn vielleicht gebrauchen.

Das Mdchen setzte sich nun auf das Pferd und ritt viele Tage und Wochen
lang: endlich kam sie wieder zu einem Berg, und vor dem sa eine alte
Frau und spann an einem goldnen Rocken. Das Mdchen fragte nun wieder
nach dem Prinzen und nach dem Schlo, das stlich von der Sonne und
westlich vom Mond lge. Bist Du es, die der Prinz heirathen wollte?
fragte die Frau. Ja, sagte das Mdchen; aber die Frau wute den
Weg nicht besser, als die beiden vorigen. stlich von der Sonne und
westlich vom Mond liegt das Schlo, sagte sie: und dahin kommst Du
wohl niemals. Ich will Dir aber mein Pferd leihen; darauf kannst Du zu
dem Ostwind reiten; vielleicht da der den Weg Dir sagen kann. Wenn Du
aber bei ihm ankommst, so schlage nur das Pferd unter das linke Ohr und
hei es wieder nach Hause gehen, und dann nimm diesen goldnen Rocken
mit, denn Du kannst ihn vielleicht gebrauchen.

Sie ritt nun manche liebe Zeit, und endlich kam sie bei dem Ostwind an.
Sie fragte ihn nun wieder, ob er ihr nicht sagen knne, wie sie zu dem
Prinzen kme, der auf dem Schlo wohne, das stlich von der Sonne und
westlich vom Mond lge. Ja, von dem Prinzen hab' ich wohl reden hren
und von dem Schlo auch, sagte der Ostwind; aber den Weg kann ich Dir
nicht sagen, denn ich habe nie so weit geweh't. Ich will Dich aber zu
meinem Bruder, dem Westwind, fhren, vielleicht, da der es wei, denn
der ist viel strker, als ich. Du kannst Dich nur auf meinen Rcken
setzen, dann will ich Dich hintragen. Das Mdchen setzte sich nun
auf seinen Rcken, und fort ging es. Als sie bei dem Westwind ankamen,
erzhlte ihm der Ostwind, er habe ein Mdchen mitgebracht, die den
Prinzen heirathen solle, der auf dem Schlo wohne, das stlich von der
Sonne und westlich vom Mond lge, und fragte ihn, ob er nicht den Weg
dahin wte. Nein, versetzte der Westwind: so weit habe ich nie
geweh't. Wenn Du es aber willst, sagte er zu dem Mdchen: so kannst
Du Dich auf meinen Rcken setzen, dann will ich Dich zu dem Sdwind
bringen; vielleicht kann der es Dir sagen, denn der ist weit strker,
als ich, und weh't und streift berall umher. Das Mdchen setzte sich
auf seinen Rcken, und da dauerte es denn nicht lange, so waren sie bei
dem Sdwind. Als sie ankamen, fragte ihn der Westwind, ob er nicht den
Weg nach dem Schlo wte, das stlich von der Sonne und westlich vom
Mond lge, denn das Mdchen, das er mitgebracht htte, solle den Prinzen
heirathen, sagte er. So? sagte der Sdwind, aber den Weg wute er auch
nicht. Ich hab' mein Lebtag viel herumgeweht, sagte er: aber so weit
bin ich nie gekommen. Wenn Du es aber wnschest, sagte er zu dem
Mdchen: so will ich Dich zu meinem Bruder, dem Nordwind, fhren, der
ist der lteste und strkste von uns allen, und wenn der den Weg Dir
nicht sagen kann, so erfhrst Du ihn niemals. Das Mdchen mute sich
nun auf seinen Rcken setzen, und fort ging es, da die Heide wackelte.

Es dauerte nicht lange, so kamen sie bei dem Nordwind an; aber der war
so wild und ungestm, da er ihnen schon von weitem lauter Schnee und
Eis ins Gesicht blies. _Was wollt Ihr?_ rief er, so da es ihnen kalt
ber die Haut lief. O, Du musst nicht so gegen uns auffahren, sagte
der Sdwind: denn das bin ich, Dein Bruder, und das hier ist das
Mdchen, das den Prinzen heirathen soll, der auf dem Schlo wohnt, das
stlich von der Sonne und westlich vom Mond liegt, und nun wollte sie
Dich gern fragen, ob Du nicht da herum Bescheid wtest. _Ja, ich wei
wohl, wo es liegt_; sagte der Nordwind: ich habe mal ein Espenblatt
dahin geweh't; aber da war ich so mde, da ich nicht wieder wehen konnte
manchen lieben Tag. Wenn Du aber durchaus dahin willst, sagte er zu dem
Mdchen: und Dich nicht frchtest, so will ich Dich auf meinen Rcken
nehmen und zusehen, ob ich Dich hinwehen kann. -- Ja, sagte das Mdchen,
hin wolle und msse sie, wenn's nur auf irgend eine Weise angehen knne,
und bange wre sie ganz und gar nicht, ob's auch noch so schlimm gehen
sollte. -- So musst Du die Nacht hier bleiben, sagte der Nordwind:
denn wir mssen den Tag vor uns haben, wenn wir hin wollen.

Frh am andern Morgen weckte sie der Nordwind, blies sich auf und machte
sich so gro und stark, da es ganz entsetzlich war, und fort ging's
durch die Luft, als ob's bis ans Ende der Welt gehen sollte. Da entstand
ein so gewaltiger Sturm, da ganze Drfer und Wlder umweh'ten, und als
sie ber's groe Meer kamen, versanken die Schiffe bei Hunderten. Immer
ging's fort ber's Wasser, und das so weit, so weit, da kein Mensch es
glauben sollte; aber der Nordwind wurde schwcher und immer schwcher,
und so schwach wurde er, da er beinah nicht mehr wehen konnte, und er
sank tiefer und immer tiefer hinunter, und zuletzt ging es so niedrig,
da die Wellen ihm an die Fersen schlugen. Bist Du bange? fragte er
das Mdchen. Nein, ganz und gar nicht, sagte sie. Nun waren sie nicht
mehr weit vom Lande, und der Nordwind hatte kaum noch so viel Krfte
brig, da er sie an den Strand unter die Fenster des Schlosses wehen
konnte, das stlich von der Sonne und westlich vom Mond lag. Da war er
aber auch so matt und hinfllig, da er sich viele Tage lang ausruhen
mute, eh' er wieder nach Hause konnte.

Den andern Morgen setzte das Mdchen sich unter die Fenster des
Schlosses und spielte mit dem goldnen Apfel, und die Erste, welche sie
sah, war die Nasenprinzessinn, die der Prinz heirathen sollte. Was
willst Du fr Deinen goldnen Apfel haben? fragte sie das Mdchen, indem
sie das Fenster aufmachte. Der ist nicht feil, weder fr Gold, noch fr
Geld, sagte das Mdchen. Wenn Du ihn nicht verkaufen willst, weder
fr Gold, noch fr Geld, Was willst Du denn dafr haben? sagte die
Prinzessinn: Ich will Dir geben, Was Du verlangst. -- Ja, wenn ich
eine Nacht bei dem Prinzen schlafen darf, so sollst Du ihn haben, sagte
das Mdchen. Ja, das magst Du gern, sagte die Prinzessinn und nahm den
goldnen Apfel. Als aber das Mdchen in die Kammer des Prinzen kam, war
dieser fest eingeschlafen; sie rief ihn und rttelte ihn und weinte und
jammerte; aber sie konnte ihn nicht ermuntern. Am Morgen, als es hell
wurde, kam die Prinzessinn mit der langen Nase und jagte sie wieder
hinaus.

_Den_ Tag setzte das Mdchen sich wieder unter die Fenster des Schlosses
und schlang das Garn auf ihren goldnen Haspel, und nun geschah es wieder
eben so, wie gestern. Die Prinzessinn fragte sie, Was sie fr den Haspel
haben wolle; aber das Mdchen sagte, er wre nicht feil, weder fr Gold,
noch fr Geld; wenn sie aber noch eine Nacht bei dem Prinzen schlafen
drfe, so solle die Prinzessinn ihn haben. Die sagte sogleich Ja und
nahm den goldnen Haspel. Als aber das Mdchen hinaufkam, war der Prinz
wieder fest eingeschlafen; und wie viel sie ihn auch rief und rttelte,
und weinte und jammerte, so konnte sie ihn doch nicht ermuntern; und am
Morgen, als es hell wurde, kam die Prinzessinn mit der langen Nase und
jagte sie wieder hinaus.

An diesem Tage setzte sich das Mdchen mit ihrem goldnen Rocken unter
die Fenster hin und spann. Als die Prinzessinn mit der langen Nase den
Rocken sah, wollte sie den auch gern haben; sie machte das Fenster auf
und fragte das Mdchen, Was sie haben wolle fr ihren goldnen Rocken.
Das Mdchen sagte aber wieder wie die beiden vorigen Male, fr Gold und
Geld sei er nicht feil; wenn die Prinzessinn sie aber noch eine Nacht
bei dem Prinzen wolle schlafen lassen, dann solle sie ihn haben. Ja,
das drfe sie gern, sagte die Prinzessinn und nahm den goldnen Rocken.
Nun hatten aber einige Leute, die neben der Kammer des Prinzen schliefen,
seit zwei Nchten ein so klgliches Rufen und Wimmern von einem
Frauenzimmer drinnen gehrt, und das erzhlten sie am Morgen dem
Prinzen. Als nun am Abend die Prinzessinn mit der Suppe kam, die der
Prinz immer zu trinken pflegte, eh' er zu Bett ging, that er, als ob er
sie trnke, aber go die Suppe hinter sich; denn er ahnte nun wohl, da
die Prinzessinn einen Schlaftrunk hineingethan hatte. Wie nun am Abend
das Mdchen in die Kammer kam, war der Prinz noch wach und freu'te
sich ber alle Maen, das Mdchen wiederzusehen; und sie mute ihm nun
erzhlen, wie es ihr ergangen war, und wie sie nach dem Schlo gekommen
sei. Als sie ihm Alles erzhlt hatte, sagte er: Du kommst grade zu
rechter Zeit; denn morgen soll meine Hochzeit mit der Prinzessinn sein;
aber ich frage nichts nach ihr und ihrer langen Nase, sondern Du bist
die Einzige, die ich haben will. Ich werde darum sagen, ich mchte gern
sehen, wozu meine Braut taugt, und von der Prinzessinn verlangen, da
sie die drei Talgflecke aus meinem Hemd wasche. Darauf wird sie sich
denn wohl einlassen, aber ich wei, da sie es nicht zu Stande bringt;
denn die Flecke sind von Deiner Hand darauf getrpfelt, und nur
Christenhnde knnen sie wieder auswaschen, aber nicht die Hnde von
solchem Trollpack, wozu sie gehrt. Ich werde aber sagen, ich wolle
keine andre Braut haben, als Die, welche es zu Stande brchte, und wenn
sie es dann Alle versucht haben und nicht damit fertig werden knnen,
dann werde ich Dich rufen, da Du es auch versuchst. Hierauf brachten
sie die Nacht munter und vergngt mit einander zu. Als aber am Tage die
Hochzeit werden sollte, sagte der Prinz: Ich mchte doch erst sehen,
wozu meine Braut taugt. Das wre nicht Mehr, als billig, meinte die
Stiefmutter. Ich habe ein so schnes Hemd, sagte der Prinz: und
das mchte ich gern zum Brutigamshemd haben; aber nun sind mir drei
Talgflecke hineingekommen, und die wollt' ich gern wieder ausgewaschen
haben; darum habe ich mir vorgenommen, keine Andre zu heirathen, als
Die, welche dazu taugt. Ih nun, das wre ja nicht so gefhrlich, meinten
die Frauen und gingen darauf ein; und die Prinzessinn mit der langen
Nase fing an zu waschen, was sie nur konnte; aber je lnger sie wusch,
desto grer und schwrzer wurden die Flecke. Ach, Du verstehst Dich
nicht darauf, sagte das alte Trollweib, ihre Mutter: gieb mir mal
her! Als aber die nun das Hemd bekam, wurde es noch schwrzer, und je
mehr sie es wusch und rieb, desto grer wurden die Flecke. Nun sollten
die andern Trollweiber das Hemd waschen; aber je lnger sie es wuschen,
desto abscheulicher ward es aussehen, und zuletzt sah das ganze Hemd
aus, als htt' es im Schornstein gehangen. Ach, Ihr taugt alle nicht
dazu! sagte der Prinz: Da sitzt eine arme Bettlerdirne unter den
Fenstern; ich bin gewi, die versteht sich besser aufs Waschen, als
Ihr alle zusammen. _Komm mal herein, Du Dirne!_ rief er; und als das
Mdchen kam, fragte er sie: Kannst Du wohl das Hemd da rein waschen?
-- Ich wei nicht, sagte das Mdchen: aber ich denke wohl. Das
Mdchen nahm nun das Hemd und fing an zu waschen und da wurde es unter
ihren Hnden so wei, wie frisch gefallener Schnee, und noch weier.
_Ja, Dich will ich haben!_ sagte der Prinz. Da ward das alte Trollweib
so arg, da es barst; und die Prinzessinn mit der langen Nase und das
andre Trollpack, glaub' ich, ist auch geborsten; denn ich habe nachher
nie wieder Etwas von ihnen gehrt. Der Prinz und seine Braut lieen nun
alle Christen frei, die im Schlo gefangen waren; darauf nahmen sie so
viel Gold und Silber, als sie nur fortschaffen konnten, und zogen weit
weg von dem Schlo, das stlich von der Sonne und westlich vom Mond lag.
Wie sie aber fortgekommen sind, und wo sie hinzogen, das wei ich nicht;
sind es aber Die, welche ich meine, so sind sie nicht so gar weit von
hier.




12.

Das Huhn, das nach dem Dovrefjeld wollte, damit nicht die Welt vergehen
sollte.


Es war einmal ein Huhn, das war abends auf eine Eiche geflogen und hatte
sich da zur Ruhe gesetzt. In der Nacht trumte ihm, wenn es nicht nach
dem Dovrefjeld kme, so mte die Welt vergehen. Als es nun aufwachte,
flog es sogleich herunter und machte sich auf den Weg. Wie es ein Ende
gereis't war, begegnete ihm ein Hahn. Guten Tag, Hahn Pahn! sagte das
Huhn. Guten Tag, Huhn Puhn! wo willst Du hin so frh? sagte der Hahn.
O, ich will nur nach dem Dovrefjeld, damit nicht die Welt vergehen
soll, sagte das Huhn. Wer hat Dir das gesagt, Huhn Puhn? fragte der
Hahn. Ich sa in der Eiche und trumte es die Nacht, sagte das Huhn.
Ich will mit Dir gehen, sagte der Hahn. Nun gingen beide ein weites
Ende fort; da begegnete ihnen eine Ente. Guten Tag, Ente Pente! sagte
der Hahn. Guten Tag, Hahn Pahn, wo willst Du hin so frh? sagte die
Ente. Ich will nach dem Dovrefjeld, damit nicht die Welt vergehen
soll, sagte der Hahn. Wer hat Dir das gesagt, Hahn Pahn? -- Huhn
Puhn. sagte der Hahn. Wer hat es Dir gesagt, Huhn Puhn? fragte die
Ente. Ich sa in der Eiche und trumte es die Nacht, sagte das Huhn.
Ich will mit Euch, sagte die Ente. Nun machten sie sich auf und gingen
weiter; da begegnete ihnen eine Gans. Guten Tag, Gans Pans! sagte die
Ente. Guten Tag, Ente Pente! sagte die Gans: wo willst Du hin so
frh? -- Ich will nach dem Dovrefjeld, damit nicht die Welt vergehen
soll, sagte die Ente. Wer hat Dir das gesagt, Ente Pente? fragte die
Gans. -- Hahn Pahn. -- Wer hat es Dir gesagt, Hahn Pahn? -- Huhn
Puhn. -- Woher weit Du es, Huhn Puhn? fragte die Gans. Ich sa
in der Eiche und trumte es die Nacht, sagte das Huhn. Ich will mit
Euch, sagte die Gans. Wie sie nun ein Ende weiter gegangen waren,
begegnete ihnen der Fuchs. Guten Tag, Fuchs Puchs, sagte die Gans.
-- Guten Tag, Gans Pans. -- Wo hinaus Fuchs Puchs? -- Wo willst Du
hin, Gans Pans? -- Ich will nach dem Dovrefjeld, damit nicht die Welt
vergehen soll. -- Wer hat Dir das gesagt, Gans Pans? fragte der Fuchs.
-- Ente Pente. -- Wer hat es Dir gesagt, Ente Pente? -- Hahn Pahn.
-- Und Wer hat Dir es gesagt, Hahn Pahn? -- Huhn Puhn. -- Und woher
weit Du es, Huhn Puhn? -- Ich sa in der Eiche und trumte es die
Nacht, sagte das Huhn. O Schnack! sagte der Fuchs: die Welt vergeht
nicht, wenn Ihr auch nicht nach dem Dovrefjeld kommt. Geht lieber mit
mir in meine Hhle, da sitzt Ihr warm und gut. Der Vorschlag gefiel den
Reisenden, und sie gingen mit dem Fuchs in seine Hhle. Als sie aber
dort ankamen, legte der Fuchs tchtig nach im Kamin, so da sie alle
schlfrig wurden. Die Gans und die Ente setzten sich in einen Winkel,
aber der Hahn und das Huhn flogen auf die Hhnersteige. Als die Gans und
die Ente eingeschlafen waren, legte der Fuchs die Gans auf die Kohlen
und briet sie. Wie es nun dem Huhn so sengerich roch, hpfte es einen
Stock hher und sagte so halb im Schlaf: Pfui! wie's hier stinkt!
-- O Schnack! sagte der Fuchs: das ist blo der Rauch im Schornstein.
Halt nur Dein Maul und schlaf ein! Da schlief das Huhn wieder ein. Der
Fuchs hatte aber kaum die Gans zu Leibe, so machte er es eben so mit der
Ente. Dem Huhn ward es wieder so sengerich riechen, und es flog daher
noch einen Stock hher, indem es wieder sagte: Pfui! wie's hier stinkt!
Da that es aber zugleich die Augen auf und sah nun, da der Fuchs die
Gans und die Ente verzehrt hatte. Wie das Huhn das gewahr ward, flog es
auf den hchsten Stock und guckte zum Schornstein hinaus. Nein, seh mal
Einer die schnen Gnse, die da fliegen! sagte es zu dem Fuchs. Reineke
hinaus und wollte sich einen fetten Braten holen. Da weckte das Huhn
den Hahn und erzhlte ihm, wie es der Gans Pans und der Ente Pente
ergangen wr'. Darauf flogen Hahn Pahn und Huhn Puhn hinaus durch den
Schornstein, und wren sie nicht nach dem Dovrefjeld gekommen, so wr's
aus gewesen mit der Welt.




13.

Der Mann, der das Haus beschicken sollte.


Es war einmal ein Mann, der war immer so mrrisch und vergrtzt, und
nie konnte die Frau ihm Genug thun, oder Etwas zu Dank machen im Hause.
Einmal in der Erntezeit kam er spt am Abend vom Felde zurck, und nun
ging es an ein Schelten und an ein Toben, da es ganz entsetzlich war;
bald war ihm Dies, bald war ihm Das nicht recht. Ach, Vterchen, sagte
die Frau: sei doch nicht immer so bse. Morgen wollen wir mal mit der
Arbeit umtauschen: ich will dann mit den Schnittern ins Feld gehen, und
Du kannst das Haus beschicken. Ja, das war dem Mann schon recht, und er
ging sogleich auf den Vorschlag ein. Frh den andern Morgen nahm die
Frau die Sense auf den Nacken und ging mit den Schnittern ins Feld, um
zu mhen; der Mann dagegen sollte das Haus beschicken. Nun wollte er
zuerst Butter machen; als er aber eine Weile gebuttert hatte, wurde
er durstig und ging hinunter in den Keller, um sich Bier zu zapfen.
Whrend er nun aus dem Fa in die Bierkanne zapfte, hrte er, da ein
Ferkel in die Kche kam. Er fort mit dem Zapfen in der Hand und die
Treppe hinauf, so schnell er nur konnte, damit das Ferkel nicht das
Butterfa umwerfen sollte. Als er aber sah, da das Fa schon auf der
Seite lag, und das Ferkel in dem Rahm schmatzte, der auf dem Boden flo,
gerieth er so in Wuth, da er ganz und gar das Bierfa verga und dem
Ferkel nachrannte. Bei der Thr holte er es ein, und da gab er ihm einen
so derben Schlag, da es auf der Stelle liegen blieb. Nun fiel es ihm
wieder ein, da er noch den Bierzapfen in der Hand htte; als er aber
hinunterkam in den Keller, war alles Bier auf den Boden gelaufen.

Er ging nun in die Milchkammer, fllte aufs neue das Butterfa mit Rahm
und fing wieder an zu buttern; denn Butter wollte er durchaus zum Mittag
haben. Als er aber eine Weile gebuttert hatte, fiel es ihm ein, da
die Milchkuh noch im Stall stnde und weder zu fressen, noch zu saufen
bekommen htte, obgleich es schon hoch am Tage war. Weil er nun dachte,
es wre doch zu weit, sie nach der Koppel zu treiben, wollte er sie oben
auf's Dach bringen, denn das Dach war mit Rasen gedeckt und es stand
darauf schnes hohes Gras; und weil nun das Haus an einem steilen Hgel
lag, glaubte er, es wre ein Leichtes sie hinaufzubringen, wenn er blo
eine Planke von dem Hgel aufs Dach hinberlegte; das Butterfa wollte
er aber nicht stehen lassen, denn sein kleiner Junge krabbelte da an der
Erde herum und knnt's nachher umstoen, dachte er; darum nahm er es
auf den Rcken und ging hinaus. Eh' er aber die Kuh auf das Dach lie,
wollte er ihr noch mal zu saufen geben, und nahm einen Eimer, um damit
Wasser aus dem Brunnen zu schpfen; als er sich aber hinunterbckte, flo
aller Rahm aus dem Fa ihm an dem Nacken herunter und lief ins Wasser.
Wie es nun gegen Mittag ging, dachte er, weil's ihm mit der Butter nicht
geglckt wre, wollte er sich Grtze zum Mittag kochen, und hngte den
Kessel mit Wasser ber's Feuer. Kaum hatte er das gethan, so fiel es ihm
ein, da die Kuh, die er aufs Dach gebracht hatte, herunterfallen und
Hals und Bein brechen knne; darum nahm er einen Strick und ging hinauf,
um sie festzubinden; das eine Ende band er ihr um den Hals und das andre
Ende warf er durch den Schornstein, ging dann hinunter und band es sich
in aller Eile um's Bein, denn das Wasser kochte schon im Kessel, und er
mute die Grtze umrhren. Whrend er nun damit beschftigt war, fiel die
Kuh vom Dach herunter und zog den Mann an dem Strick in den Schornstein
hinauf. Da hing er nun und konnte weder vorwrts, noch rckwrts, und
die Kuh hing drauen zwischen Himmel und Erde und konnte auch nicht
loskommen. Die Frau hatte schon eine lange Zeit gewartet, da der Mann
kommen und sie zum Mittag abrufen solle; aber er war nicht da und kam
nicht. Zuletzt dauerte es ihr doch zu lange, und sie ging mit den
Leuten nach Hause. Als sie die Kuh sah, die da zwischen Himmel und Erde
hing, ging sie hinzu und hieb mit der Sense den Strick entzwei. Da fiel
der Mann herunter durch den Schornstein, und als sie in die Kche kam,
stand er da auf dem Kopf im Grtzkessel.




14.

Dumerling.


Es war einmal eine Frau, die hatte nur einen einzigen Sohn, der war aber
nicht grer, als ein Daumen, und darum nannten sie ihn Dumerling. Als
er nun zu Jahren und zu Verstand gekommen war, sagte die Mutter zu ihm,
jetzt msse er daran denken, sich eine Frau zu nehmen. Ja, Dumerling
war's zufrieden, und die Mutter setzte sich mit ihm auf den Wagen,
und sie fuhren gradesweges nach des Knigs Schlo; denn da war eine
Prinzessinn, die war auerordentlich gro, und um die sollte Dumerling
freien. Als sie nun ein Ende gefahren waren, da war Dumerling pltzlich
verschwunden. Die Mutter suchte ihn berall, und rief ihn bei Namen.
Pip, pip! sagte Dumerling und hatte sich in die Mhne des Pferdes
versteckt. Als er wieder zum Vorschein kam, mute er der Mutter
versprechen, da er sich nicht fter verstecken wolle. Wie sie aber ein
Ende weiter gekommen waren, da war Dumerling wieder verschwunden. Die
Mutter suchte ihn und rief ihn bei Namen und weinte und jammerte, aber
Dumerling war fort. Pip, pip! sagte er und lachte und kicherte; aber
sie konnte ihn das Mal nicht finden. Pip! pip! hier bin ich! sagte
Dumerling und kroch aus dem Ohr des Pferdes hervor. Nun mute er der
Mutter heilig versprechen, da er sich nicht fter verstecken wolle;
aber es dauerte nicht lange, so war er abermals fort. Die Mutter suchte
ihn wieder berall und weinte und rief ihn bei Namen, aber Alles war
umsonst; Dumerling war fort. Pip, pip! hier bin ich, wisperte es
pltzlich; aber die Mutter konnte gar nicht begreifen, wo es war, denn
es hrte sich so undeutlich an; sie suchte fortwhrend, und er sagte
immer: Pip! pip! hier bin ich! und lachte und hgte sich, weil sie ihn
nicht finden konnte. Pltzlich aber fing das Pferd an zu niesen, und da
nies'te es Dumerling aus, denn er hatte sich in die eine der Nstern
versteckt. Nun konnte sich die Mutter nicht anders helfen, als da
sie ihn in einen Beutel steckte, denn sie wute wohl, da er die
Narrenpossen doch nicht nachlassen wrde. So kamen sie denn auf dem
Schlo an. Die Prinzessinn konnte den kleinen hbschen Burschen wohl
leiden und verlobte sich mit ihm, und bald darauf ward die Hochzeit.

Als sie sich nun zur Tafel setzten, nahm Dumerling seinen Platz neben
der Prinzessinn; aber er war bel daran, denn als er zulangen wollte,
konnte er nicht an den Teller reichen und htte gewi keinen einzigen
Bissen bekommen, wenn die Prinzessinn ihn nicht vom Stuhl genommen und
auf den Tisch gesetzt htte. So lange er nun da vom Teller a, ging das
Ding gut; als aber nachher die groe Schssel mit Grtze hereinkam, da
konnte er wieder nicht ankommen; er wute sich aber zu helfen und setzte
sich auf den breiten Rand. Nun war aber in der Mitte der Schssel eine
Grube mit Butter zum Eintunken, und so weit konnte er nicht reichen; er
ging daher ber die Grtze und setzte sich dicht an den Rand der Butter.
Nun nahm die Prinzessinn einen groen Lffelvoll Grtze und wollte ihn
in die Butter tunken; aber da versah sie's und stie an Dumerling, so
da er hinunterfiel in die Butter und ertrank.




15.

Hakon Borkenbart.


Es war einmal eine Knigstochter, die war so stolz und schnippisch, da
kein Freier ihr gut genug war; sie machte sich ber alle lustig und
gab dem einen nach dem andern einen Korb; dennoch aber kamen immer der
Freier genug, weil die Hexe so auerordentlich schn war. Einmal kam
auch ein Prinz, mit Namen _Hakon Borkenbart_, und warb um sie. Aber da
sagte die Prinzessinn am Abend zu dem Hofnarren, er solle hingehen, und
dem einen Pferd des Prinzen die Ohren abschneiden, und dem andern das
Maul bis an beide Ohren aufschlitzen. Das that denn der Hofnarr auch.
Als nun der Prinz den andern Tag ausfahren wollte, stand die Prinzessinn
auf dem Flur und sah hinaus. Nein! sagte sie: so Etwas hab' ich noch
mein Lebtag nicht gesehen. Da ist der Nordwind gekommen und hat dem
einen Pferd die Ohren abgeweh't, und darber hat das andre so gewaltig
gelacht, da ihm das Maul bis an die Ohren aufgerissen ist, und damit
lief sie hinein und lie den Prinzen abziehen. Dieser reis'te nun wieder
nach Hause, aber er dachte bei sich selbst, er wolle sich schon dafr
rchen, machte sich einen groen Bart von Moos, zog einen weien ledernen
Rock an und kleidete sich aus wie ein Bettler; dann kaufte er bei einem
Goldschmied einen goldnen Rocken, und damit setzte er sich eines Morgens
unter das Fenster der Prinzessinn hin und fing an zu feilen; denn der
Rocken war noch nicht ganz fertig, auch war noch kein Wocken daran. Als
die Prinzessinn ans Fenster kam, ffnete sie es sogleich und fragte ihn,
ob er ihr nicht den goldnen Rocken verkaufen wolle. Nein, zu verkaufen
ist er nicht, sagte Hakon Borkenbart: aber es mag drum sein! willst Du
mich diese Nacht vor Deiner Kammerthr schlafen lassen, so sollst Du ihn
haben. Ja, das, meinte die Prinzessinn, wre ein wohlfeiler Kauf, und
die Sache sei eben nicht so gefhrlich. Sie bekam nun den Rocken, und
am Abend legte Hakon Borkenbart sich drauen vor ihrer Kammerthr hin.
Als es aber auf die Nacht kam, fing er an entsetzlich zu frieren.
Hutetutetutetu! es ist so kalt hier! rief er: la mich blo hinein!
-- Ich glaube, Du bist verrckt! sagte die Prinzessinn. Ach,
hutetutetutetu! es ist so kalt! la mich blo hinein! rief Hakon
Borkenbart. Scht! schweig doch still! sagte die Prinzessinn: denn
hrt mein Vater, da hier eine Mannsperson ist, so bin ich rein
unglcklich. -- Oh hutetutetutetu! wie mich friert! la mich blo
hinein und auf der Erde liegen! sagte Hakon Borkenbart. Es war nun kein
anderer Rath, die Prinzessinn mute ihn einlassen, und darauf legte er
sich in ihrer Kammer auf die Erde hin und schlief ein.

Einige Tage darnach kam Hakon auch mit dem Wocken und setzte sich wieder
unter das Fenster der Prinzessinn hin und fing an zu feilen; denn der
Wocken war noch nicht ganz fertig. Sobald die Prinzessinn ihn gewahr
wurde, ffnete sie wieder das Fenster und fragte ihn, Was er da htte.
O, es ist blo der Wocken zu dem Spinnrocken, den Du mir neulich
abkauftest; denn ich dachte, wenn Du doch einmal den Rocken httest, so
knntest Du auch wohl den Wocken dazu gebrauchen. -- Was willst Du
denn dafr haben? fragte ihn die Prinzessinn. Fr Geld ist er nicht
feil, sagte er: willst Du mich aber diese Nacht wieder auf dem Boden
in Deiner Kammer schlafen lassen, so sollst Du ihn haben. -- Ja, recht
gern, sagte die Prinzessinn: aber Du musst auch nicht wieder so frieren
und Hutetu! sagen. Nein, das wollt' er auch nicht; aber als es auf die
Nacht kam, fing er an zu huppern und zu frieren und hutetu! zu sagen,
da der Prinzessinn wieder angst und bange ward, und sie mute ihm
erlauben, sich an die Erde dicht vor ihrem Bett hinzulegen, damit nur
der Knig es nicht gewahr wrde, und da schlief er nun die Nacht ber
ruhig und wohl.

Hiernach dauerte es eine ganze Zeit, ehe Hakon Borkenbart sich wieder
sehen lie; endlich aber bemerkte die Prinzessinn ihn eines Morgens
wieder unter ihrem Fenster, wo er sa und an einer goldnen Garnwinde
feilte. Sie fragte ihn nun wieder, Was er fr die Garnwinde haben wolle.
Die ist nicht fr Geld feil, sagte er: aber willst Du mich diese
Nacht in Deiner Kammer mit dem Kopf an Deiner Bettstelle schlafen
lassen, so sollst Du sie haben. Ja, das knnte er gern, sagte die
Prinzessinn, wenn er blo ruhig sein und nicht wieder solchen Lrm
machen wolle. Nein, das wolle er gewi nicht, sagte Hakon Borkenbart;
als es aber auf die Nacht kam, fing er wieder an zu huppern und zu
frieren, da ihm die Zhne im Munde klapperten. Hutetutetu! es ist so
kalt! la mich blo in Dein Bett und mich ein wenig wrmen! sagte Hakon
Borkenbart. Ich glaube, Du bist verrckt! sagte die Prinzessinn.
-- Hutetutetu! la mich blo in Dein Bett hutetutetutetu! -- Scht!
scht! um Gotteswillen! so schweig doch still! sagte die Prinzessinn:
denn hrt mein Vater, da hier eine Mannsperson drinnen ist, so glaub'
ich, nimmt er mir das Leben. -- Hutetutetutetu! la mich blo in Dein
Bett! sagte Hakon Borkenbart und fror, da die Wnde bebten. Es war nun
kein anderer Rath, die Prinzessinn mute ihn zu sich ins Bett lassen,
und da schlief er nun die Nacht ber zufrieden und wohl.

Einige Zeit darnach aber bekam die Prinzessinn ein kleines Kind, und
darber ward der Knig so zornig, da er beinahe sie und das Kind dazu
umgebracht htte. Da kam aber eines Tages Hakon Borkenbart als ein
Bettler gekleidet, so wie von Ohngefhr, wieder zu dem Schlo und sah in
die Kche. Wie die Prinzessinn ihn gewahr ward, sagte sie zu ihm: Ach,
Gott trste mich wegen des Unglcks, das Du mir verursacht hast! Mein
Vater ist so zornig auf mich, da er aus der Haut fahren will; es ist
am besten, Du nimmst mich nur gleich mit Dir. --

Du bist es aber wohl zu gut gewohnt, sagte Hakon Borkenbart: ich habe
aber nur eine ganz kleine Htte und wei nicht, wie ich Dich ernhren
soll, denn ich habe schon Genug zu thun, um nur allein durchzukommen.
-- Es ist mir ganz einerlei, wie gut, oder wie schlecht Du es hast,
sagte die Prinzessinn: nimm mich blo mit Dir, denn bleibe ich hier
noch lnger, so nimmt mein Vater mir gewi das Leben. Da nahm denn der
Bettler sie und das Kind mit sich; aber sie hatten einen sehr weiten
Weg, und der Prinzessinn kam das Gehen auerordentlich sauer an. Als sie
nun aus dem Reich ihres Vaters in ein andres Land kamen, fragte die
Prinzessinn den Bettler: Wem gehrt dieses Reich? --

O, das gehrt Hakon Borkenbart, sagte der Bettler.

So! sagte die Prinzessinn: ja, ich htte _ihn_ nehmen sollen, dann
htt' ich nicht nthig gehabt, nun als ein Bettlermdchen hier zu
gehen.

Und so oft sie zu einem schnen Schlo, oder Wald, oder Gehft kamen,
fragte die Prinzessinn immer: Wem gehrt das? -- O, das gehrt Hakon
Borkenbart, sagte dann der Bettler immer. Und die Prinzessinn weinte
und jammerte bestndig, da sie nicht _ihn_ genommen hatte; aber nun war
es zu spt. Endlich kamen sie zu einer kleinen Htte, die lag dicht an
einem Walde, und das, sagte der Bettler, wre seine Wohnung. Von der
Htte aus konnte man in der Ferne das Knigsschlo sehen, und da, sagte
der Bettler, wolle er sich Arbeit suchen, denn er wre da schon bekannt;
und nun ging er jeden Tag nach dem Schlo und hau'te Holz und trug dem
Koch das Wasser zu, wie er sagte, und wenn er dann des Abends zu Hause
kam, brachte er immer ein wenig Essen mit, aber das reichte nicht sehr
weit.

Eines Abends, als er vom Schlo zurckkam, sagte er: Morgen werde ich
zu Hause bleiben und das Kind warten, Du aber musst nach dem Schlo
gehen; denn der Prinz hat gesagt, Du solltest mit beim Backen helfen. --

Ach, wie soll ich wohl beim Backen helfen? sagte die Knigstochter:
das verstehe ich nicht, denn das hab' ich in meinem Leben noch nicht
gethan. --

Du musst aber doch hingehen, sagte Hakon Borkenbart: weil der Prinz
es so befohlen hat. Kannst Du auch nicht backen, so kannst Du es ja
lernen; Du musst nur gut zusehen, wie die Andern es machen, und wenn Du
weggehst, dann nimm heimlich ein paar Brode mit. --

Nein, stehlen kann ich nicht, sagte die Knigstochter.

Du musst es lernen, sagte Hakon Borkenbart: denn Du weit wohl, wir
haben es nur knapp; nimm Dich aber ja vor dem Prinzen in Acht, denn der
hat seine Augen berall.

Als sie gegangen war, lief Hakon einen Richtweg, so da er noch lange
vor ihr auf dem Schlo ankam; dort warf er seine Lumpen und seinen
Moosbart ab und zog wieder seine Prinzenkleider an.

Die Knigstochter half nun mit beim Backen, und als sie fertig war, that
sie, wie Hakon ihr gesagt hatte, und steckte sich alle Taschen voll
Brode. Als sie aber am Abend nach Hause gehen wollte, sagte der Prinz:

Dieses Weib kennen wir nicht so recht; daher ist's am besten, wir sehen
nach, ob sie nicht Etwas genommen hat.

Damit untersuchte er alle ihre Taschen, und als er darauf die Brode
fand, ward er entsetzlich bse und hielt furchtbar Haus. Die
Knigstochter weinte und fleh'te und sagte: Mein Mann hatte es mir
geheien; da musst' ich es denn wohl thun. --

Ja, es sollte Dir schlimm gehen, sagte der Prinz aber um Deines
Mannes willen mag es Dir vergeben sein.

Als sie gegangen war, warf Hakon schnell seine Prinzenkleider ab, zog
wieder seinen ledernen Rock an und klebte sich auch wieder den Moosbart
ins Gesicht, und eh' sie noch in der Htte ankam, war er schon da und
wartete das Kind. Ja, Du hast mich verleitet, Etwas zu thun, das mich
gereu't, sagte sie: es war das erste Mal, da ich gestohlen habe, aber
es soll auch das letzte Mal sein, und damit erzhlte sie ihm, wie es
ihr ergangen war, und Was der Prinz gesagt hatte.

Einige Tage darnach, als Hakon am Abend wieder vom Schlo zurckkam,
sagte er: Morgen werde ich zu Hause bleiben und das Kind warten, denn
Du sollst wieder auf das Schlo und beim Schlachten und Wurstmachen
helfen. --

Ach, wie soll ich wohl Wurst machen? sagte die Knigstochter: das
versteh' ich nicht; essen kann ich wohl die Wurst, aber gemacht hab' ich
sie noch nie.

Hakon aber sagte, sie msse durchaus hin, weil der Prinz es so befohlen
htte; sie sollte nur gut Acht geben, wie die Andern es machten, sagte
er, und wenn sie wegginge, sollte sie heimlich ein paar Wrste
mitnehmen. Nein, stehlen kann ich nicht wieder, sagte sie: denn Du
weit wohl, wie es mir das letzte Mal ging. -- Du musst es lernen,
sagte Hakon: es ist nicht gesagt, da es allemal schlecht geht. Als
sie gegangen war, lief Hakon Borkenbart den Richtweg und kam noch lange
vor ihr auf dem Schlo an; dort warf er schnell seinen ledernen Rock und
seinen Moosbart ab, und als sie in der Kche ankam, stand er schon da in
seinen Prinzenkleidern. Die Knigstochter half nun mit beim Schlachten
und Wurstmachen, und als sie damit fertig war, that sie, wie Hakon ihr
gesagt hatte, und stopfte sich alle Taschen voll Wrste. Wie sie aber am
Abend nach Hause gehen wollte, sagte der Prinz:

Dieses Bettlerweib machte neulich lange Finger; darum ist's am besten,
wir sehen nach, ob sie nicht wieder Etwas stipitzt hat, und damit fing
er an, alle ihre Taschen zu untersuchen. Wie er nun die Wrste fand,
ward er gewaltig bse, hielt eine entsetzliche Wirthschaft und droh'te
ihr, er wolle sie zu dem Dorfrichter schicken.

Ach Gott, nein! lasst mich nur gehen! sagte sie: denn mein Mann hatte
es mir geheien, und weinte und jammerte ganz gewaltig.

Es sollte Dir eigentlich schlimm gehen, sagte Hakon Borkenbart: aber
um Deines Mannes willen mag es Dir vergeben sein.

Als sie gegangen war, warf der Prinz schnell seine Kleider ab und hllte
sich wieder in seine Lumpen, lief dann den Richtweg, und als sie nach
Hause kam, war Hakon schon in der Htte. Sie erzhlte ihm, wie es ihr
gegangen war und gelobte hoch und theuer, es solle das letzte Mal sein,
da sie gestohlen htte.

Einige Zeit darnach, als Hakon eines Abends wieder vom Schlo
zurckkehrte, sagte er; Nun will der Prinz Hochzeit halten; aber die
Braut ist krank geworden, so da der Schneider ihr nicht das Ma zu dem
Brautkleid nehmen kann; und darum will der Prinz, da Du auf's Schlo
kommst und Dir statt seiner Braut das Ma nehmen lssest, denn er sagt,
Du gleichest ihr im Wuchs und in Allem. Wenn man Dir aber das Ma
genommen hat, so geh nicht gleich fort, sondern gieb Acht, wie der
Schneider das Zeug zuschneidet, und dann stipitze heimlich die grten
Stcke und bring' sie mit zu einer Pickelhaube fr mich. --

Nein, stehlen kann ich nicht, sagte sie: Du weit wohl, wie es mir
das letzte Mal ging. -- Du musst es lernen, sagte er: es ist nicht
gesagt, da es immer schlecht abluft.

Sie meinte zwar, es wre ein schlimmes Ding, aber that doch, wie er ihr
gesagt hatte, stipitzte einige von den grten Stcken und steckte sie
in die Tasche. Als sie gehen wollte, sagte der Prinz: Wir mssen doch
nachsehen, ob das Weib auch nicht diesmal wieder lange Finger gemacht
hat, und damit untersuchte er alle ihre Taschen, und wie er nun die
gestohlenen Sachen fand, ward er so zornig und machte einen solchen
Lrm, da es gar nicht zu sagen ist. Die Knigstochter weinte und bat
und sagte: Ach, mein Mann hatte es mir geheien; darum mute ich es
wohl thun. --

Ja, es sollte Dir schlecht gehen, aber um Deines Mannes willen mag es
Dir vergeben sein, sagte Hakon Borkenbart; und nun ging es wieder eben
so, wie die vorigen Male: als die Knigstochter nach der Htte kam, war
Hakon Borkenbart schon wieder da. Ach, Gott steh mir bei! sagte sie:
ich werde doch zuletzt noch unglcklich um Deinetwillen; denn Du willst
mich immer zu Dem haben, was nicht taugt. Der Prinz war diesmal so
bitterbse, da er mir mit dem Dorfrichter und dem Zuchthaus droh'te.

Einige Zeit darnach sagte Hakon, als er abends vom Schlo zurckkam.
Nun will der Prinz, da Du auf's Schlo kommen und die Braut vorstellen
sollst, denn die rechte Braut ist noch immer krank und bettlgerig; aber
Hochzeit will der Prinz nun einmal halten, und er sagt, Du gleichest
seiner Braut so sehr, da Keiner Euch von einander unterscheiden knne.
Halt Dich also bereit, morgen aufs Schlo zu gehen. --

Ich glaube, Ihr habt beide Euern Verstand verloren, sowohl Du, als der
Prinz, sagte sie: Sehe ich denn darnach aus, da ich eine Braut
vorstellen kann? Kein Bettlerweib kann ja rger aussehen, als ich. --

Einerlei! der Prinz will es aber einmal so haben, versetzte Hakon
Borkenbart, und es war nun kein anderer Rath, sie mute fort, und als
sie aufs Schlo kam, wurde sie so aufgeputzt und herausstaffirt, da
keine Prinzessinn stattlicher aussehen konnte. Darauf gingen sie zur
Kirche, und sie stellte die Braut vor, und als sie zurckkamen, gab es
Musik und Tanz und lauter Lustbarkeit auf dem Schlo. Wie aber die
Knigstochter mit dem Prinzen im besten Tanzen war, sah sie einen hellen
Schein durch das Fenster, und wie sie hinblickte, da stand die Htte in
Feuer und Flammen.

Ach! die Htte! und der Bettler! und mein Kind! rief sie und sank
beinahe in Ohnmacht.

Hier ist der Bettler! und da ist Dein Kind! sagte Hakon Borkenbart:
und la dann die Htte zum Teufel sein! Da erkannte die Knigstochter
ihn wieder, und nun ging erst die rechte Lust an. Nachher aber habe ich
Nichts weiter von ihnen gehrt.




16.

Die Meisterjungfer.


Es war einmal ein Knig, der hatte mehre Shne, wie viel es aber
eigentlich waren, kann ich nicht mit Gewiheit sagen. Als der jngste
herangewachsen war, hatte er durchaus keine Ruhe zu Hause, sondern
wollte mit aller Gewalt fort in die Welt und sein Glck versuchen; er
hielt auch nicht auf, seinen Vater so lange zu bitten, bis dieser ihm
endlich die Erlaubni zum Reisen ertheilte. Als er nun einige Tage lang
gereis't war, kam er zu einem Riesenschlo, und da gab er sich bei dem
Riesen in Dienst. Den andern Morgen machte der Riese sich in aller
Frhe auf, um seine Ziegen zu hten, dem Knigssohn aber befahl er,
inmittlerweile den Stall auszumisten; _und wenn Du damit fertig bist_,
sagte er: _dann hast Du fr heute Feierabend; denn Du musst wissen, da
Du zu einem guten Herrn gekommen bist; aber Was ich Dir sage, das musst
Du treu und ordentlich verrichten; und dann darfst Du in keins von den
Zimmern gehen, worin Du noch nicht gewesen bist; thust Du es dennoch,
so kostet es Dir das Leben._ -- Ja, wahrhaftig! sagte der Knigssohn,
als der Riese fort war: das ist doch ein guter Herr! und ging auf und
ab im Zimmer und sang und trallei'te; denn er meinte, mit dem Ausmisten
htte es noch gute Weile. Aber wissen mcht' ich doch wohl, Was in den
andern Zimmern sein mag, sagte er: es mu wohl etwas Besonderes sein,
weil er es mir so strenge verboten hat, hineinzugehen, und damit ging
er rasch in das erste von den Zimmern. Hier hing ein Kessel von der
Decke herab und kochte; aber der Knigssohn sah kein Feuer darunter.
Was wohl drin sein mag? dachte er und tauchte einen von seinen
Handschuhen hinein, und da wurde der Handschuh als wr' er von lauter
Kupfer. Eine schne Suppe! sagte er: wenn Einer davon kostete, wrde
er gewi hbsch um den Schnabel aussehen. Hierauf ging er in ein andres
Zimmer, und da hing auch ein Kessel von der Decke herab und pruttelte
und kochte, aber Feuer war auch nicht darunter. Ich mu den auch mal
probiren, sagte der Knigssohn und steckte wieder seinen Handschuh
hinein, und nun ward derselbe ganz versilbert. So theure Suppe giebt's
nicht auf meines Vaters Schlo, sagte der Knigssohn: es fragt sich
nur, wie sie schmeckt. Hierauf ging er in das dritte Zimmer, und da
hing auch ein Kessel von der Decke herab und kochte, ganz so, wie in den
beiden andern Zimmern, und der Knigssohn bekam Lust, den auch zu
probiren und tauchte wieder den Handschuh hinein, und da ward derselbe
so blank vergoldet, da es nur so blitzte. Donner und's Wetter! sagte
der Knigssohn: wird hier Gold gekocht, Was mag man denn dort drinnen
kochen? und damit ging er in das vierte Zimmer. Hier war kein Kessel
zu sehen; aber auf der Bank sa eine Jungfrau, das war gewi eine
Knigstochter; was fr eines Mannes Tochter es aber auch sein mochte,
so hatte doch der Knigssohn noch nie ihres Gleichen gesehen, so
auerordentlich schn war sie. Um's Himmels willen, Was willst Du
hier? rief sie, sobald sie ihn gewahr ward. Ich bin seit gestern hier
im Dienst, sagte der Knigssohn. Gott steh' Dir bei fr den Dienst,
den Du hier bekommen hast! sagte sie. O, mir ducht, ich habe einen
guten Herrn bekommen, sagte der Knigssohn: er hat mir heute eben
keine schwere Arbeit aufgegeben: wenn ich den Stall ausgemistet habe,
kann ich Feierabend machen. -- Ja, aber wie willst Du das anfangen?
sagte sie: denn wenn Du so ausmistest, wie andre Leute zu thun pflegen,
so kommen fr jede Schaufelvoll, die Du hinauswirfst, wieder zehn andre
Schaufeln voll hinein. Ich will Dir aber sagen, wie Du es machen sollst:
Du musst blo die Schaufel umkehren und mit dem Stiel ausmisten, dann
fliegt Alles von selbst hinaus. -- Ja, das wollte er schon in Acht
haben, sagte der Knigssohn, und nun blieb er bei der Prinzessinn -- ich
werde sie so nennen -- den ganzen Tag ber, denn sie waren bald darber
einig geworden, da sie einander heirathen wollten, und da wurde denn
dem Knigssohn der erste Tag, den er bei dem Riesen diente, eben nicht
lang, kannst Du glauben. Als es aber gegen Abend kam, sagte sie zu ihm:
Nun ist es am besten, Du mistest den Stall aus, ehe der Riese wieder
nach Hause kommt. Als aber der Bursch in den Stall kam, wollte er
sehen, ob es sich wirklich so verhielt, wie die Knigstochter ihm gesagt
hatte, und fing an, so auszumisten, wie er es frher von den Stallknechten
seines Vaters gesehen hatte; aber er mute bald damit aufhalten; denn
als er eine Weile so gemistet hatte, war im Stall beinahe kein Raum
mehr, wo er stehen konnte. Darauf mistete er so aus, wie die Knigstochter
es ihm gelehrt hatte: nmlich, er kehrte die Schaufel um und mistete mit
dem Stiel, und nun dauerte es kaum einen Augenblick, da war der Stall so
rein, als ob er gefegt und gescheuert wre. Als er damit zu Stande war,
ging er wieder zurck in das Zimmer, das der Riese ihm angewiesen hatte,
und da spazierte er auf und ab und sang und trallei'te. Endlich kam der
Riese mit den Ziegen wieder nach Hause, und die erste Frage, die er dem
Knigssohn that, war: _Hast Du nun den Stall ausgemistet?_ -- Ja,
Herr, der ist rein und sauber, sagte der Knigssohn. _Das will ich
mal sehen_, sagte der Riese und ging in den Stall; aber es verhielt
sich, wie der Knigssohn gesagt hatte. _Du hast gewi mit meiner_
MEISTERJUNGFER _gesprochen_, sagte der Riese: _denn das hast Du
nicht aus Dir selber._ -- Meisterjungfer? Was ist das fr Eine? sagte
der Knigssohn und stellte sich ganz dumm an: die mcht' ich wohl mal
sehen. -- _Du wirst sie noch frh genug zu sehen kriegen_, sagte der
Riese.

Als der Riese den andern Morgen die Ziegen wieder auf die Weide trieb,
sagte er zu dem Knigssohn, den Tag solle er sein Pferd nach Hause
holen, das in der Koppel ginge, und wenn er das gethan htte, knne er
Feierabend machen; _denn Du bist zu einem guten Herrn gekommen, musst
Du wissen_, sagte er wieder: _Gehst Du aber in irgend eins der Zimmer,
das ich Dir verboten habe, so drehe ich Dir den Hals um_, und damit
trieb er seine Heerde in den Wald. Ja, wahrhaftig, bist Du ein guter
Herr! sagte der Knigssohn: ich mchte aber doch wieder ein Wort mit
der Meisterjungfer sprechen, vielleicht da sie noch eben so frh _mein_
wird, als _Dein_, und damit ging er wieder zu ihr hinein. Sie fragte
ihn, Was der Riese ihm den Tag zu thun befohlen htte. O, es ist eben
keine schwere Arbeit, sagte er: ich soll blo das Pferd aus der Koppel
holen. -- Ja, aber wie willst Du das anfangen? fragte ihn die
Meisterjungfer. O, es gehrt wohl eben keine Kunst dazu, ein Pferd aus
der Koppel zu holen, sagte der Knigssohn: denn ich will doch meinen,
ich habe schon manches rasche Pferd geritten. -- Die Sache ist aber
gleichwohl nicht so leicht, sagte sie: inde will ich Dir lehren, wie
Du es machen musst: Sobald Du das Pferd erblickst, kommt es brausend auf
Dich zu und schnaubt Feuer und Flammen aus beiden Nstern. Pa aber dann
gut auf und nimm das Gebi, das dort bei der Thr hangt, und wirf es
ihm ins Maul, dann wird es augenblicklich so zahm, da Du damit thun
kannst, was Du willst. Ja, das wollte er schon in Acht haben, sagte der
Knigssohn und blieb nun den ganzen Tag drinnen bei der Meisterjungfer,
und sie schwatzten von Diesem und Jenem, und wie herrlich und vergngt
sie leben wollten, wenn sie erst aus der Gewalt des Riesen wren und
einander geheirathet htten; und der Knigssohn htte gewi Pferd und
Koppel darber vergessen, wenn nicht die Meisterjungfer gegen Abend ihn
daran erinnert htte und zu ihm sagte, es wre am besten, da er jetzt
das Pferd hole, ehe der Riese nach Hause kme. Das that er denn auch: er
nahm das Gebi, das bei der Thr hing, und lief damit in die Koppel; nun
dauerte es nicht lange, so kam das Pferd an und schnob Feuer und Flammen
aus beiden Nstern; da nahm aber der Knigssohn seine Gelegenheit wahr
und warf ihm das Gebi in den offenen Rachen, und nun stand das Pferd
da, so geduldig, wie ein Lamm, und da war's eben keine groe Kunst, es
nach dem Stall zu bringen. Als der Bursch damit fertig war, ging er
wieder zurck auf sein Zimmer, und dort spazierte er auf und ab und sang
und trallei'te.

Wie nun der Riese mit den Ziegen nach Hause kam, war seine erste Frage:
_Hast Du auch das Pferd von der Koppel geholt?_ -- Ja, Herr! sagte
der Knigssohn: es war ein possirliches Pferd zu reiten; aber ich hab's
glcklich in den Stall gebracht. -- _Das will ich mal sehen!_ sagte
der Riese und ging in den Stall; das Pferd aber stand richtig da, so wie
der Knigssohn gesagt hatte. _Du hast gewi mit meiner_ MEISTERJUNGFER
_gesprochen_, sagte der Riese: _denn das hast Du nicht aus Dir
selber._ -- Gestern spracht Ihr von Eurer Meisterjungfer und heute
wieder, sagte der Knigssohn und stellte sich ganz dumm und einfltig
an: Was ist denn das fr Eine, Herr? ich mchte sie doch gern einmal
sehen. -- _Du wirst sie noch frh genug zu sehen kriegen_, sagte
jener.

Als der Riese am dritten Morgen seine Ziegen in den Wald trieb, sagte er
zu dem Knigssohn: _Heute sollst Du nach der Hlle und den Brandschatz
holen, und wenn Du das gethan hast, kannst Du Feierabend machen; denn
Du bist zu einem guten Herrn gekommen, musst Du wissen._ -- Ja, ich
will's glauben, sagte der Knigssohn, als der Riese gegangen war:
ein wie guter Herr Du aber auch sein magst, so sind es doch garstige
Arbeiten, die Du mir auflegst; ich will inde mal wieder ein Wort mit
Deiner Meisterjungfer sprechen; Du sagst zwar, sie gehrt _Dir_; aber
vielleicht sagt sie es doch _mir_, wie ich es machen mu, und damit
ging er wieder hinein zu der Meisterjungfer. Als diese ihn nun fragte,
was der Riese ihm den Tag fr eine Arbeit aufgegeben htte, sagte er,
da er ihm befohlen habe, nach der Hlle zu gehen und den Brandschatz zu
holen. Und wie willst Du das anfangen? fragte ihn die Meisterjungfer.
Ja, Du musst es mir sagen, versetzte der Knigssohn: denn in der
Hlle bin ich noch nicht gewesen, und wenn ich auch den Weg dahin wte,
so wei ich doch nicht, wie Viel ich einfordern soll. -- Ja, ich will
Dir wohl helfen, versetzte die Meisterjungfer: Du musst nach dem
Felsen dort hinter der Koppel gehen und den Kloben nehmen, der da liegt,
und damit an die Felswand klopfen; dann wird wohl Einer herauskommen,
da es nur so knistert, dem musst Du Deinen Auftrag sagen; und wenn er
Dich dann fragt, wie Viel Du haben willst, dann sage nur: So Viel, als
ich tragen kann. -- Ja, das wollte er schon in Acht haben, sagte der
Knigssohn und blieb nun wieder bei der Meisterjungfer, bis es Abend
wurde, und er wre gern noch lnger da geblieben, wenn sie ihn nicht
erinnert htte, da er fort msse nach der Hlle und den Brandschatz
holen, ehe der Riese wieder nach Hause kme. Der Bursch machte sich
nun auf und that, wie die Meisterjungfer ihm gesagt hatte, ging zu dem
Felsen hinter der Koppel, nahm den Kloben und klopfte damit an die Wand.
Sogleich kam Einer heraus, dem die Funken aus Augen und Nase flogen.
_Was willst Du?_ rief er. Ich soll gren von dem Riesen und den
Brandschatz fr ihn einfordern, sagte der Knigssohn. _Wie Viel willst
Du haben?_ fragte der Andre. O, ich verlange nicht Mehr, als ich tragen
kann, versetzte der Knigssohn. _Es war Dein Glck, da Du nicht ein
ganzes Fuder verlangtest_, sagte Der, welcher aus der Felswand gekommen
war: _aber komm jetzt herein, dann will ich Dir den Brandschatz
auszahlen._ Der Knigssohn ging nun mit ihm hinein, und da sah er in
dem Berg so viel Gold und Silber, als Steine in der Erde liegen; er
bekam nun eine Tracht, so gro, wie er sie nur tragen konnte, und damit
ging er seines Weges. Als darauf am Abend der Riese mit den Ziegen nach
Hause kam, spazierte der Knigssohn eben so, wie die beiden Abende
zuvor, im Zimmer auf und ab und sang und trallei'te. _Bist Du in der
Hlle gewesen und hast den Brandschatz geholt?_ fragte ihn der Riese.
Ja, Herr! sagte der Knigssohn. _Wo hast Du ihn denn?_ fragte der
Riese. Da auf der Bank steht der Goldsack, sagte der Knigssohn.
_Das will ich mal sehen_, sagte der Riese; und als er zusah, stand
da ein Sack, der war so gedrngt voll, da die Gold- und Silberstcke
herausfielen, sowie nur der Riese das Band ein wenig auflockerte. _Du
hast gewi mit meiner_ MEISTERJUNGFER _gesprochen_, sagte er: _ist
aber das der Fall, dann drehe ich Dir das Genick um._ -- Mit Eurer
_Meisterjungfer_? sagte der Knigssohn: Gestern und vorgestern
schwatztet Ihr von Eurer Meisterjungfer und heute wieder? Was ist denn
das fr Eine, Herr? ich mchte sie doch gern einmal sehen. -- _Ja,
warte nur bis morgen, dann sollst Du sie zu sehen kriegen_, sagte der
Riese. -- Danke schn! sagte der Knigssohn: aber es ist wohl blo
Euer Scherz, Herr.

Den Tag darauf ging der Riese mit ihm in das Zimmer, worin die
Meisterjungfer war. Jetzt sollst Du ihn schlachten und ihn in dem
groen Kessel fr mich zum Mittag kochen, und wenn die Suppe fertig ist,
kannst Du mich rufen, sagte er zu ihr und streckte sich auf die Bank
hin; und whrend er nun da lag und schnarchte, da der alte Berg bebte,
nahm die Meisterjungfer ein Messer, schnitt damit den Burschen in den
Finger und lie drei Blutstropfen auf die Bank flieen; darauf nahm sie
alle die alten Lappen und Schuhsohlen und andern Kram, den sie finden
konnte, und warf es in den Kessel; dann nahm sie einen ganzen Kasten
voll gemahlenes Gold und einen Salzstein und eine Wasserflasche, die bei
der Thr hing, und einen goldnen Apfel und zwei goldne Hhner nahm sie
auch mit, und darauf machten beide sich aus dem Staube, so schnell sie
nur konnten. Wie sie nun ein Ende gegangen waren, kamen sie zu dem Meer,
und da gingen sie unter Segel; wie sie aber zu dem Schiff gelangten,
habe ich nie so recht erfahren knnen.

Als der Riese eine gute Weile geschlafen hatte, fing er an sich zu
strecken. _Ist das Essen noch nicht fertig?_ fragte er. _Eben erst
angefangen!_ sagte der erste Blutstropfen auf der Bank. Darauf legte er
sich wieder schlafen und schlief noch eine gute Zeit; endlich fing er
wieder an sich zu strecken. _Ist jetzt das Essen fertig?_ fragte er,
aber ohne aufzusehen, eben so wie er auch das erste Mal gethan hatte,
denn er war noch halb im Schlaf. _Halb fertig!_ sagte der zweite
Blutstropfen. Der Riese aber glaubte, es sei die Meisterjungfer, die das
sagte, kehrte sich wieder um und legte sich auf's neue schlafen. Als er
nun viele Stunden hinter einander geschlafen hatte, fing er endlich
wieder an sich zu rhren und zu strecken. _Ist es denn jetzt fertig?_
fragte er. _Vollkommen fertig!_ sagte der dritte Blutstropfen. Der
Riese richtete sich nun auf und rieb sich die Augen; aber er konnte die
Meisterjungfer nirgends erblicken, und darum rief er sie bei Namen. Er
bekam aber keine Antwort. O, dachte er: sie ist wohl nur ein wenig
hinausgegangen, und nahm einen Lffel und fllte damit aus dem Kessel,
um das Essen zu probiren. Da fand er aber Nichts, als lauter Schuhsohlen
und Lumpen und dergleichen Kram darin, und das war zusammengekocht, so
da er nicht wute, ob's Fisch, oder Fleisch war. Als er das gewahr
ward, konnte er sich wohl denken, wie die Sache sich verhielt, und ward
so arg, da er nicht wute, auf welchem Bein er stehen wollte; er
eilte sogleich dem Knigssohn und der Meisterjungfer nach, und es
dauerte nicht lange, so stand er beim Wasser, aber da konnte er nicht
hinber. _Ich wei schon Rath_, sagte er: _ich will blo meinen
Meersauger rufen._ Wie nun der Meersauger ankam, legte der sich auf die
Erde nieder und that dreimal einen guten Trunk, und da ward das Meer so
viel kleiner, da der Riese die Meisterjungfer und den Knigssohn auf
dem Schiff sehen konnte. Jetzt musst Du den Salzstein hinauswerfen,
sagte die Meisterjungfer; und als der Knigssohn das gethan hatte,
entstand pltzlich quer durch das Meer ein so hoher Berg, da der Riese
nicht hinber konnte, und der Meersauger konnte ihm nun auch nichts
helfen. _Ich wei schon Rath_, sagte der Riese und holte sich seinen
_Bergbohrer_, und damit bohrte er ein groes Loch durch den Berg, so da
der Meersauger wieder trinken konnte. Wie die Meisterjungfer das gewahr
ward, sagte sie zu dem Knigssohn, jetzt solle er einen, oder zwei
Tropfen aus der Flasche gieen; und als der Knigssohn das gethan hatte,
ward das Meer wieder ganz voll. Ehe nun der Meersauger noch wieder einen
guten Trunk thun konnte, waren sie schon am Lande, und damit waren sie
gerettet.

Nun wollte der Knigssohn die Meisterjungfer nach seines Vaters Schlo
bringen; aber er meinte, es schicke sich nicht, da sie zu Fu gehe, und
darum sagte er zu ihr: Warte hier eine Weile; ich will nur nach Hause
gehen und die sieben Pferde holen, die in meines Vaters Stall stehen;
denn ich mchte nicht gern, da meine Braut zu Fu auf dem Schlo ankme.
Der Weg dahin ist nicht lang, und ich werde bald wieder hier sein.
-- Ach nein, thu' das nicht! sagte sie: denn kommst Du erst zu Deines
Vaters Schlo, dann wirst Du mich bald vergessen. -- Wie sollte ich
Dich wohl vergessen, sagte der Knigssohn: da wir so viel Ungemach
zusammen erduldet und einander so lieb haben? und er wollte und mute
nach Hause und einen Wagen und die sieben Pferde holen, und sie sollte
so lange dort am Ufer auf ihn warten; und weil er es nun durchaus nicht
anders wollte, so mute endlich die Meisterjungfer nachgeben. Aber,
sagte sie: wenn Du auf das Schlo kommst, musst Du Dir nicht einmal so
viel Zeit lassen, da Du Jemanden grest, sondern gradesweges in den
Stall gehen und die Pferde vor den Wagen spannen, und dann davon jagen,
so schnell Du nur kannst; denn sie werden wohl alle sehr neugierig sein
und um Dich herum kommen; aber Du musst thun, als ob Du sie gar nicht
bemerktest, und dann darfst Du durchaus keinen Bissen von Dem, was man
Dir anbietet, genieen; thust Du das, dann machst Du sowohl Dich, als
mich unglcklich. Der Knigssohn versprach ihr, sich genau nach Allem
richten zu wollen, was sie ihm gesagt hatte, und versicherte ihr, da
sie durchaus nicht zu frchten brauche, als ob er sie je vergessen
knnte.

Als aber der Knigssohn auf dem Schlohof ankam, hielt grade einer von
seinen Brdern Hochzeit, und die Braut und alle Gste waren schon da,
und Alle kamen um ihn herum und fragten ihn nach Diesem und Jenem und
nthigten ihn mit sich ins Schlo; aber er that, als ob er sie gar nicht
bemerkte, ging gradezu in den Stall, zog die Pferde heraus und wollte
sie vor den Wagen spannen. Wie sie nun auf keine Art und Weise ihn
bewegen konnten, mit ihnen ins Schlo zu gehen, brachten sie ihm zu
essen und zu trinken heraus, all das Beste, was man zur Hochzeit
angerichtet hatte; aber der Knigssohn wollte von Allem keinen Bissen
anrhren, sondern beeilte sich nur, die Pferde vor den Wagen zu spannen.
Da rollte aber zuletzt die Schwester der Braut einen Apfel ber den
Schlohof zu ihm hin: Wenn Du denn durchaus Nichts genieen willst,
sagte sie: so kannst Du doch wenigstens in diesen Apfel beien, denn Du
wirst wohl hungrig und durstig sein von der langen Reise. Da hob der
Knigssohn den Apfel von der Erde auf und bi hinein. Aber kaum hatte
er das gethan, so verga er ganz und gar die Meisterjungfer, und da er
sie holen wollte. Bin ich denn verrckt? sagte er: Was will ich mit
den Pferden und mit dem Wagen? und darauf zog er die Pferde wieder in
den Stall und ging mit den Andern ins Schlo; und nun dauerte es nicht
lange, so war es dahin gekommen, da er die Schwester der Braut
heirathen sollte, dieselbe, welche ihm den Apfel zugerollt hatte.

Die Meisterjungfer sa inde am Ufer und wartete sieben lang und sieben
breit, aber kein Knigssohn lie sich sehen. Endlich ging sie fort, und
als sie ein Ende gegangen war, kam sie zu einer kleinen Htte, welche ganz
einsam in einem Walde, nicht weit von des Knigs Schlo, lag; da ging
sie hinein und bat um Herberge. Drinnen aber sa ein altes Weib, dem die
Htte gehrte, das war aber ein arges und abscheuliches Trollmensch und
wollte anfangs von der Meisterjungfer gar Nichts wissen; aber endlich
und zuletzt gab sie ihr doch Herberge fr Geld und gute Worte. Aber
unsauber und schmutzig war es drinnen, wie in einem Schweinstall. Die
Meisterjungfer sagte, sie wollte die Htte ein wenig aufputzen, damit
es doch aussehen wrde wie bei andern honnetten Leuten; aber das litt
die Alte nicht, sondern fing an zu schelten und zu toben und war ganz
entsetzlich bse. Aber die Meisterjungfer zog dessen ungeachtet ihren
Schrein hervor und warf eine Handvoll Goldmehl in das Kaminfeuer. Da
flackerte es hell auf, und ein rother Strahl zog durch die ganze Htte,
so da sie inwendig und auswendig davon vergoldet wurde. Als die Alte
das sah, ward sie so arg, da sie aus der Haut fahren wollte, und rannte
zur Htte hinaus, als ob der Teufel hinter ihr wre; da verga sie aber,
sich zu bcken, und zerbrach sich die Hirnschale an der Thrpfoste.

Den Morgen darauf kam der Schulze da vorbei; der war ganz verwundert
ber die goldne Htte, die er im Walde glnzen sah; als er aber hineinging
und drinnen die schne Jungfrau erblickte, da verwunderte er sich noch
mehr, und er ward augenblicklich so in sie verliebt, da er um sie
frei'te. Ja, hast Du aber auch brav Geld? fragte die Meisterjungfer.
Ja, Geld htte er genug, sagte er, und er wolle sogleich hin und es
holen. Am Abend kam er wieder und brachte einen ganzen Scheffelssack
voll, den setzte er auf die Bank hin. Ja, weil er so viel Geld hatte,
wollte die Meisterjungfer ihn haben, und darauf legten sie sich zusammen
ins Bett. Kaum aber hatten sie sich niedergelegt, so wollte die
Meisterjungfer wieder aufstehen; denn sie htte noch vergessen, das
Feuer im Kamin anzuschren, sagte sie. Ach behte! sagte der Schulze:
solltest Du darum aufstehen? Das will ich wohl thun, und damit sprang
er aus dem Bett und lief nach dem Kamin. Sage mir's, wenn Du den
Aschraker angefasst hast, sagte die Meisterjungfer. Nun hab' ich ihn
angefasst, sagte der Schulze. So gebe Gott, da Du ihn festhltst, und
er Dich, und Du da stehen magst die ganze Nacht und Dir Kohlen und Asche
ber den Kopf raken bis an den hellen Morgen! sagte die Meisterjungfer,
und als sie das gesagt hatte, blieb der Schulze vor dem Kamin stehen und
rakte sich Kohlen und Asche ber den Kopf die ganze Nacht hindurch, und
wie sehr er auch weinen und bitten und raken mochte, so verloschen darum
doch nicht die Kohlen, und die Asche wurde nicht klter. Erst am Morgen,
als es Tag wurde, lie ihn der Aschraker los; aber nun blieb er keinen
Augenblick lnger in der Htte, sondern machte sich fort, als ob der
Teufel hinter ihm her wre; und alle Leute, die ihm begegneten sahen ihn
an und lachten; denn er legte los, als ob er toll wre, und aussehen
konnte er nicht schndlicher, wenn man ihn gegerbt und geschunden htte.

Den Tag darauf kam der Amtsschreiber da vorbei; der sah auch die Htte
im Walde glnzen, und als er hineinging, um zu sehen, Wer da wohnte, und
die schne Jungfrau erblickte, da ward er noch mehr in sie verliebt, als
der Schulze, und frei'te stehenden Fues um sie. Ja, sagte die
Meisterjungfer wieder, sie wollte ihn wohl haben, wenn er brav Geld
htte. Ja, sagte der Schreiber, Geld htte er genug, und er wolle
sogleich hin und es holen. Am Abend kam er mit einem groen, schweren
Sack an, -- ich glaube gewi, es waren zwei Scheffel drin -- und den
setzte er auf die Bank hin. Nun war denn weiter Nichts im Wege, und sie
legten sich zu Bette. Aber kaum hatten sie sich niedergelegt, so hatte
die Meisterjungfer vergessen, die Hausthr zuzumachen, und darum wollte
sie wieder aufstehen. Ach, behte! solltest _Du_ das thun? sagte der
Schreiber: Nein, bleib Du nur liegen! ich will wohl hingehen, und
damit sprang er aus dem Bett, so leicht wie eine Erbse auf Birkenrinde
und lief hinaus auf die Diele. Sage mir's, wenn Du die Thr angefasst
hast, rief die Meisterjungfer. Nun hab' ich sie angefasst! rief der
Schreiber auf der Diele. So gebe Gott, da Du sie festhltst, und sie
Dich, und Ihr hin- und herfahren mgt die ganze Nacht, bis da es Tag
wird! sagte die Meisterjungfer; und nun mute der Schreiber die ganze
Nacht ber mit der Thr vorwrts und rckwrts tanzen; aber einen
solchen Walzer hatt' er noch nie gemacht, und es verlangte ihn auch
nachher nicht, ihn wieder zu machen: bald war _er_ vorn, und bald die
_Thr_, und es ging von der Pfoste an die Mauer, und von der Mauer an
die Pfoste, so da der Schreiber sich beinahe zu Tode stie. Erst fing
er an zu fluchen, und dann zu weinen und zu bitten; aber um alles das
bekmmerte sich die Thr gar nicht, sondern hielt fest, so lange, bis
es Tag ward; dann erst lie sie ihn los -- und der Schreiber auf und
davon, als ob's fr Geld ginge; er verga sowohl seine Freierei, als den
Goldsack, und war nur froh, da die Thr nicht hinter ihm her getanzt
kam. Alle Leute, die ihm begegneten, sahen ihn an und lachten; denn er
flog davon, als ob er toll wre, und dazu sah er aus, noch schlimmer,
als htten die Bcke ihn die Nacht unter gehabt.

Am dritten Tag kam der Amtmann da vorbei; der hatte kaum die goldne
Htte erblickt, so wollte er auch hin und zusehen, Wer da wohnte; und
als er nun drinnen die Meisterjungfer sah und sie kaum gegrt hatte,
war er schon so verliebt in sie, da er augenblicklich um sie frei'te.
Die Meisterjungfer aber antwortete ihm eben so, wie den beiden Andern:
wenn er brav Geld htte, dann wollte sie ihn wohl haben. Ja, davon htt'
er nicht so wenig, sagte der Amtmann und ging sogleich nach Hause, um es
zu holen. Als er am Abend wiederkam, brachte er einen noch greren Sack
mit, als der Schreiber, -- es waren gewi drei Scheffel drin -- und den
setzte er auf die Bank hin. Ja, nun war denn Nichts weiter im Wege, nun
sollte er die Meisterjungfer haben. Kaum aber hatten sie sich zu Bett
gelegt, so sagte die Meisterjungfer, sie htte vergessen, das Kalb
einzulassen, und wollte darum wieder aufstehen. Nein, den Kukuk! das
sollte sie ja nicht, das wollte er schon thun, sagte der Amtmann, und
der, so dick und fett er war, heraus aus dem Bett, so leichtfig, als
wr' er ein junger Bursch gewesen. Sage mir's, wenn Du das Kalb beim
Schwanz hltst! sagte die Meisterjungfer. Jetzt halt ich's! rief
der Amtmann. So gebe Gott, da Du den Schwanz hltst, und er Dich,
und Ihr in der Welt herumfahren mgt, bis da es Tag wird! sagte die
Meisterjungfer, und kaum hatte sie das gesagt, so legte das Kalb mit dem
Amtmann los ber Stock und Stein, ber Berg und Thal, so da die Heide
wackelte, und je mehr der Amtmann fluchte und schrie, desto schneller
rannte das Kalb mit ihm davon. Als es Tag wurde, war der Amtmann beinahe
zu Matsch, und nun erst lie das Kalb ihn los; inmittlerweile hatte er
aber seine Freierei ganz vergessen und seinen Geldsack dazu. Er lie es
nun zwar etwas sachter angehen, als der Schreiber und der Schulz, aber
je schulpusiger er fortkroch, desto mehr Zeit hatten die Leute, ihm
nachzugucken und zu lachen.

Den Tag darnach sollte auf dem Schlo die Hochzeit der beiden Prinzen
gefeiert werden, nmlich die des ltesten und die des jngsten, der bei
dem Riesen gewesen war, denn der sollte die Schwester von der Braut
seines Bruders heirathen, und beide Brautpaare sollten in der Kirche
zugleich getrau't werden. Als sie aber in den Wagen stiegen und vom
Schlohof fahren wollten, da zerbrach das eine Wachtholz; sie nahmen
nun ein andres, aber das zerbrach auch; darauf nahmen sie ein drittes,
aber es half ihnen Alles nichts, denn was fr Holz sie auch nehmen
mochten, so hielt doch kein einziges. Wie sie nun ganz mimthig da
standen und nicht fortkonnten, sagte der Schulze -- denn der war auch
mit zur Hochzeit gebeten, musst Du wissen --: Dort im Walde wohnt eine
Jungfrau, die hat einen _Aschraker_, womit sie das Feuer anschrt; wenn
Ihr nur zu der schicken und sie bitten lassen wolltet, Euch diesen
Aschraker zu leihen, so wei ich gewi, da er nicht entzwei geht. Es
wurde nun sogleich zu der Jungfrau geschickt, und sie lieen sie bitten,
ihnen doch den Aschraker zu leihen, wovon der Schulz gesprochen htte.
Die Jungfrau sagte auch nicht Nein, sondern gab dem Boten ihren Aschraker,
und nun bekamen sie eine Wacht, die nicht entzwei ging, kannst Du
glauben. Als sie aber darauf vom Schlohof fahren wollten, zerbrach
pltzlich der Wagenboden; und wie oft sie auch einen neuen Boden machten,
und was fr Holz sie auch dazu nehmen mochten, so half doch Alles nichts,
denn wenn sie aus dem Hof fahren wollten, ging er jedesmal wieder entzwei,
und sie waren nun noch bler daran, als vorhin mit dem Wachtholz. Endlich
sagte der Amtsschreiber -- denn war der Schulze da, so kann man sich
wohl denken, da der Schreiber nicht fehlen durfte --: Dort im Walde
wohnt eine Jungfrau, wenn die Euch blo ihre eine _Halbthr_ leihen
wollte, die von lauter Gold ist, so wei ich gewi, da sie nicht entzwei
geht. Sogleich wurde nun wieder zu der Jungfrau geschickt, und sie
lieen sie bitten, ihnen doch die eine Halbthr zu leihen, wovon der
Schreiber gesprochen htte, und die bekamen sie denn auch. Nun war Alles
gut, und sie wollten nach der Kirche fahren; aber da waren die Pferde
nicht im Stande, den Wagen fortzuziehen; sechs Pferde hatten sie schon
davor; dann spannten sie acht vor, dann zehn, dann zwlf; aber wie viel
sie auch vorspannten, und wie sehr der Kutscher auch peitschen mochte,
es half Alles nichts, der Wagen rhrte sich nicht vom Fleck. Es war nun
schon ziemlich spt geworden, und zur Kirche wollten und muten sie, und
wie sie nun gar keine Mglichkeit sahen, fortzukommen, waren sie alle
nahe daran, zu verzweifeln. Zuletzt aber sagte der Amtmann, dort im
Walde wohne eine Jungfrau, die htte ein _Kalb_, welches -- ja, wenn
sie blo das Kalb geliehen bekmen, sagte er, das wrde den Wagen schon
ziehen, und wenn er so schwer wre wie ein Berg. Sie meinten nun zwar,
es she nicht hbsch aus, mit einem Kalb zur Kirche zu fahren; aber es
war einmal kein andrer Rath, sie muten wieder zu der Jungfrau schicken
und sie bitten lassen, ihnen doch das Kalb zu leihen, wovon der Amtmann
gesprochen htte. Die Meisterjungfer sagte auch diesmal nicht Nein,
sondern gab dem Boten sogleich das Kalb. Da sie es nun vorgespannt
hatten, saus'te der Wagen davon ber Stock und Stein, durch Rusch und
Busch, so da sie kaum Athem holen konnten; bald waren sie auf der Erde,
und bald waren sie in der Luft; und als sie zur Kirche kamen, flog der
Wagen rund um die Kirche, so schnell wie ein Haspel, und es gelang ihnen
nur mir genauer Noth, herunterzukommen. Auf dem Rckweg aber ging's noch
schneller, und sie hatten fast alle die Besinnung verloren, als sie
wieder auf dem Schlohof ankamen.

Als sie sich zu Tische gesetzt hatten, sagte der Knigssohn -- der,
welcher auf dem Riesenschlo gewesen war -- es schicke sich nicht
anders, als da sie auch die Jungfrau einlden, die ihnen den Aschraker,
die Halbthr und das Kalb geliehen; denn htten wir die drei Dinge
nicht erhalten, so wren wir noch nicht von der Stelle gekommen, sagte
er. Ja, das, duchte dem Knig auch, wre nicht mehr, als billig, und er
schickte sogleich fnf von seinen Leuten zu der vergoldeten Htte mit
einem Gru von ihm, und die Jungfrau mchte doch so gut sein, und aufs
Schlo kommen und da zu Mittag essen. Die Jungfrau aber antwortete:
Grt nur den Knig wieder von mir und sagt ihm, wenn er sich zu gut
dnke, um selbst zu mir zu kommen, so dnke ich mich auch viel zu gut,
um zu ihm zu kommen. Nun mute der Knig sich denn selbst aufmachen,
und da ging die Jungfrau auch sogleich mit. Der Knig aber konnte sich
wohl denken, da sie etwas Mehr war, als sie zu sein schien, und setzte
sie darum bei Tafel oben an bei dem jngsten Brutigam. Als sie nun eine
Weile gesessen hatten, nahm die Meisterjungfer den Hahn und das Huhn
und den goldnen Apfel hervor, welche drei Dinge sie aus dem Riesenschlo
mitgenommen hatte, und legte sie vor sich auf den Tisch hin; und sogleich
fingen der Hahn und das Huhn an, sich um den goldnen Apfel zu schlagen.
Ei seht doch, wie die Beiden da um den goldnen Apfel kmpfen! sagte
der Knigssohn. Ja, so hatten wir beide damals auch zu kmpfen, um aus
dem Berg zu kommen, sagte die Meisterjungfer. Da erkannte der Knigssohn
sie wieder, und seine Freude war unbeschreiblich; die Trollhexe aber,
die ihm den goldnen Apfel zugerollt hatte, lie er von vier und zwanzig
Pferden in Stcke zerreien, so da kein Fetzen an ihr ganz blieb; und
nun begann erst die rechte Hochzeit; und der Schulz und der Schreiber
und der Amtmann, so sehr sie sich auch die Flgel versengt hatten, waren
auch mit dabei und hielten aus bis zuletzt.




17.

Wohl gethan und schlecht gelohnt.


Es war einmal ein Mann, der fuhr mit einem Schlitten in den Wald und
wollte sich Holz holen; da begegnete ihm der Br. Gieb mir Dein Pferd,
oder sonst zerrei ich alle Deine Schafe diesen Sommer, sagte der Br.

Ach, Gott steh mir bei! sagte der Mann: ich habe kein Stck Brennholz
mehr im Hause; la mich blo erst diesen Schlitten heimfahren, denn
sonst mssen wir alle todtfrieren; morgen will ich mit dem Pferd
wiederkommen. Na, der Br lie ihn denn auch fahren; wenn er aber nicht
wiederkme, sagte er, dann sollt's kaputt gehen mit all seinen Schafen
im Sommer.

Der Mann fuhr nun mit seinem Holz nach Hause; aber er war nicht sehr
vergngt ber den Accord, wie man sich wohl denken kann. Unterweges
begegnete ihm der Fuchs.

Warum bist Du so betrbt? fragte der Fuchs ihn.

Ach, mir ist der Br im Wald begegnet, sagte der Mann: und ich hab'
ihm versprechen mssen, ihm morgen um diese Zeit mein Pferd zu bringen;
sonst wollte er alle meine Schafe diesen Sommer zerreien, sagte er. --

Nichts weiter, als das? sagte der Fuchs: Willst Du mir den fettsten
Bock aus Deinem Stall geben, so will ich Dich von dem Bren befreien.

Ja, das wollte der Mann gern und gab dem Fuchs sein Wort.

Wenn Du nun morgen mit Deinem Pferd zu dem Bren kommst, sagte der
Fuchs: so werde ich dort oben auf dem Berg juchen, und wenn dann der
Br Dich fragt: Was ist Das? dann sollst Du sagen: Das ist Peter der
Schtz, der beste Jger im ganzen Land; und nachher wirst Du Dir schon
selbst weiter helfen.

Als nun am andern Tag der Mann mit seinem Pferd zu dem Bren in den Wald
kam, hrte man es bald oben auf dem Berg juchen.

Horch! Was ist Das? sagte der Br.

O, das ist Peter der Schtz, der beste Jger im ganzen Land, sagte der
Mann: ich kenne ihn an der Stimme. --

Hast Du keinen Bren hier gesehen, Erich? rief es durch den Wald.

Sag' Nein, sagte der Br.

Nein, ich habe keinen Bren gesehen, sagte Erich.

Was ist denn Das, was da neben Dir steht? rief es im Walde.

Sag', es ist ein alter Kienstamm, flsterte der Br.

O, es ist nur ein alter Kienstamm, sagte Erich.

Solche Kienstmme pflegen wir bei uns auf den Schlitten zu werfen,
rief es im Walde: Kannst Du's nicht allein, so will ich kommen und Dir
helfen. --

Sag', Du kannst Dir schon selbst helfen, und wirf mich auf den
Schlitten, sagte der Br.

Nein, danke! ich kann mir schon selbst helfen, sagte der Mann und warf
den Bren auf den Schlitten.

Solche Kienstmme pflegen wir nachher mit dem Strick festzubinden, rief
es im Walde: Soll ich Dir helfen? --

Sag', Du kannst Dir schon selbst helfen, und binde mich fest, sagte
der Br.

Nein, danke! ich kann mir schon selbst helfen, sagte der Mann und band
den Bren fest mit all den Stricken, die er bei sich hatte, so da er
kein Glied rhren konnte.

Und nachher, wenn wir sie festgebunden haben, pflegen wir in solche
alte Kienstmme unsre Axt zu hauen, rief's im Walde: dann steuern wir
besser ber die groen Berge. --

Thu', als ob Du Deine Axt in mich hau'test, flsterte der Br.

Da nahm der Mann seine Axt und zerspaltete damit dem Bren die Hirnschale,
so da er nicht mehr mucks'te. Darauf kam Reineke hervor, und sie wurden
gute Freunde mit einander.

Als sie nicht mehr weit von dem Gehft waren, sagte der Fuchs: Ich habe
keine Lust, Dir weiter zu folgen, denn ich kann Deine Hunde nicht gut
vertragen; ich will aber hier auf Dich warten, dann kannst Du mir den
Bock herbringen; nimm aber einen, der brav fett ist.

Der Mann gab ihm sein Versprechen und dankte ihm fr seine Hlfe; und
als er sein Pferd in den Stall gezogen hatte, ging er hinber zu dem
Schafstall.

Wo willst Du hin? fragte seine Frau.

O, ich will nur in den Schafstall und einen fetten Bock fr den Fuchs
holen, der mein Pferd gerettet hat, sagte der Mann: denn ich hab' es
ihm versprochen. --

Der Henker sollte dem Schelm einen Bock geben! sagte die Frau: Unser
Pferd haben wir ja und den Bren dazu, und der Fuchs hat uns gewi schon
mehr Gnse gestohlen, als der Bock werth ist, und hat er's noch nicht
gethan, so kann er's wohl noch thun. Nein, sagte sie: steck lieber ein
Paar von Deinen bsesten Hunden in den Sack und schick ihm die auf den
Pelz, dann werden wir den alten Schelm vielleicht dazu los.

Das schien dem Mann ein guter Rath, und er steckte zwei seiner bsesten
Hunde in den Sack und damit ging er fort.

Hast Du den Bock? fragte der Fuchs.

Ja, komm und nimm ihn! sagte der Mann, machte seinen Sack auf und lie
die Hunde heraus.

Houf! sagte der Fuchs und nahm einen Satz: es ist wohl wahr, was ein
altes Sprichwort sagt: Wohl gethan wird schlecht gelohnt, und schwang
die Fersen, whrend die Hunde hinter ihm drein waren.




18.

Treu und Untreu.


Es waren einmal zwei Brder, der eine hie _Treu_, und der andere hie
_Untreu_. Treu war immer gut und aufrichtig gegen Jedermann, aber Untreu
war bse und voller Lgen, so da Niemand auf sein Wort bauen konnte.
Die Mutter war Wittwe und hatte nur kmmerlich zu leben; darum muten
die Shne, als sie herangewachsen waren, in die Welt auswandern, um sich
ihr Brod zu verdienen, und jedem von ihnen gab sie einen Schnappsack mit
Essen auf den Weg.

Als sie nun so lange fortgewandert waren, bis es Abend wurde, setzten
sie sich auf einen vom Sturm umgeworfenen Baum im Walde nieder, und
jeder nahm seinen Schnappsack hervor. Willst Du, wie ich, sagte Untreu:
so wollen wir erst aus Deinem Sack essen, so lange Was drin ist, naher
essen wir aus meinem. Ja, Treu war's zufrieden, that seinen Schnappsack
auf, und sie fingen an zu essen; aber all das Schnste und Beste pfropfte
Untreu in sich hinein, und Treu bekam nur die Schwarten und die
angebrannte Rinde. Am Morgen war Treu wieder der Wirth und am Mittag
auch; da ward aber sein Schnappsack ganz leer. Als sie nun so lange
gegangen waren, bis es wieder Abend wurde, und der Hunger sich einstellte,
wollte Treu mit aus seines Bruders Schnappsack essen; aber Untreu sagte,
das Essen wre sein, und er htte nicht Mehr, als er selbst gebrauche.
Ich hab' Dich aber doch aus _meinem_ Schnappsack essen lassen, so lange
was drin war, sagte Treu. Ja, warum bist ein solcher Narr gewesen und
hast das gethan? sagte Untreu: Nun kannst Du Dir den Mund lecken, wenn
Du nichts Andres hast. -- _Untreu_ heit Du, und _untreu_ bist Du, und
das bist Du all Dein Lebtag gewesen, sagte Treu. Als Untreu das hrte,
gerieth er so in Wuth, da er auf den Bruder zurannte, und ihm die Augen
aus dem Kopf stach. Nun kannst Du sehen, welche Leute treu, und welche
untreu sind, Du Blindekuh! sagte er, und damit ging er fort.

Der arme Treu ging nun und tappte blind und allein im dicken Wald umher
und wute nicht, Was er anfangen sollte. Endlich kam er zu einem groen
Lindenbaum und da kletterte er hinauf, um nur die Nacht ber im Schutz
vor den wilden Thieren zu sein. Wenn morgen die Vgel singen, dann ist
es Tag, dachte er: und dann mu ich zusehen, da ich weiter komme.
Als er aber eine Weile da gesessen hatte, hrte er, da Jemand unter den
Baum kam und anfing zu kochen und zu braten; und es dauerte nicht lange,
so kamen noch Mehr, und als sie einander grten, hrte er, da es der
Br, der Wolf, der Fuchs und der Hase waren, die wollten den St.
Johannistag feiern.

Sie fingen nun an zu essen und zu trinken und thaten sich gtlich; und
als sie damit fertig waren, setzten sie sich hin und schwatzten mit
einander. Darauf sagte der Fuchs: Wir wollen einander Geschichten
erzhlen. Der Vorschlag gefiel, und der Br begann zuerst, denn der war
der Vornehmste. Der Knig von England, sagte er: hat schlechte Augen:
er kann fast nicht einen Ellbogen weit vor sich sehen; aber wenn er des
Morgens auf diese Linde stiege, whrend der Thau auf den Blttern sitzt,
und sich damit die Augen bestriche, so wrde er wieder eben so gut sehen
lernen, als er's zuvor gekonnt hat. Ja, sagte der Wolf: der Knig
von England hat auch eine taubstumme Tochter; aber wte er, Was ich
wei, so wre ihr bald geholfen: Als sie nmlich voriges Jahr zum
Abendmahl ging, spuckte sie das Altarbrod wieder aus, und da kam eine
groe Krte und verschlang es. Wenn sie jetzt nur in der Kirche unter
dem Fuboden nachgrben, so wrden sie die Krte finden; denn die sitzt
unter dem Altar, und das Brod steckt ihr noch im Halse; und wenn sie
dann die Krte aufschnitten und das Brod der Prinzessinn zu essen gben,
so wrde sie wieder eben so gut hren und sprechen lernen, als andre
Leute. -- Ja, ja, sagte der Fuchs: wenn der Knig von England
wte, Was ich wei, dann htte er nicht so schlechtes Wasser in seinem
Schlohof; denn unter dem groen Stein mitten im Hof ist das klarste
Brunnenwasser, das man sich nur wnschen kann, wenn er blo so klug
wre und da nachgrbe. -- Ja, sagte der Hase: der Knig von England
hat den schnsten Obstgarten im ganzen Lande, aber er trgt ihm keinen
Apfel, denn es liegt eine schwere goldene Kette dreimal rund um den
Garten vergraben; wenn er aber die herausgrbe, so wrde es der schnste
Garten im ganzen Reich werden. -- Nun ist es schon spt in der Nacht,
und wir thun am besten, wir gehn wieder nach Hause, sagte der Fuchs;
und damit gingen Alle ihres Weges.

Als sie fort waren, schlief Treu, der oben in der Linde sa, sogleich
ein; aber sowie am Morgen die Vgel zu singen begannen, erwachte er
wieder, und nun nahm er von dem Thau, der auf den Blttern sa, und
bestrich sich damit die Augen, und als er das gethan hatte, konnte
er wieder eben so gut damit sehen, als zuvor, eh' Untreu sie ihm
ausgestochen. Nun ging er gradesweges auf's Schlo zu dem Knig von
England und bat um Arbeit, und die bekam er denn auch. Eines Tages
kam der Knig hinaus auf den Hof, und als er da eine Weile auf- und
abgegangen war, wollte er Etwas zu trinken haben aus seinem Brunnen,
denn es war sehr hei den Tag; als sie aber das Wasser aufschpften,
war es ganz schlammig und trbe. Darber ward der Knig rgerlich und
sprach: Ich bin der Einzige in meinem Reich, der schlechtes Wasser in
seinem Hof hat, und doch mu ich es weit unter Berg und Thal herleiten.
-- Treu aber sprach zu ihm: Wenn Du mir nur etliche Leute zu Hlfe
geben wolltest, damit ich den groen Stein aufbrechen knnte, der mitten
in Deinem Hof liegt, dann solltest Du schon reines und gutes Wasser
bekommen, und das so viel Du nur wnschen magst. Dazu war der Knig
sogleich bereit; und kaum hatten die Leute den Stein aufgebrochen und
eine Weile gegraben, so sprang das Wasser in hellen Strahlen in die
Hhe, und klareres Wasser fand man nicht in ganz England.

Einige Zeit darnach war der Knig eines Tages wieder auf dem Hof; da
scho pltzlich ein groer Habicht auf seine Hhner herab, und Alle
klatschten in die Hnde und riefen: Da ist er! da ist er! Der Knig
griff nach seiner Bchse und wollte den Habicht schieen; aber er konnte
nicht so weit sehen. Darber war er sehr betrbt und sprach: Wollte
Gott, da mir nur Jemand einen guten Rath fr meine Augen geben knnte!
Ich glaube, ich werde am Ende noch ganz blind. -- Ich will Dir wohl
sagen, wie Dir zu helfen ist, sagte Treu, und erzhlte ihm von dem
wunderthtigen Thau auf der Linde, wodurch er selbst einmal sein Gesicht
wieder erlangt htte. Und der Knig begab sich noch denselben Abend nach
dem Wald und schlief die Nacht ber auf der Linde; und als er sich
darauf am Morgen mit dem Thau, der auf den Blttern sa, die Augen
bestrichen hatte, da konnte er wieder eben so gut sehen, als zuvor. Aber
von der Zeit an hielt der Knig von Keinem mehr, als von Treu, und er
mute immer um ihn sein, wo er nur ging und stand. Eines Tages gingen
sie zusammen im Garten spazieren. Ich wei nicht, woher es kommt,
sagte der Knig: aber Keiner in meinem ganzen Lande hat so Viel auf
seinen Garten verwendet, als ich, und doch kann ich keinen einzigen Baum
so weit bringen, da er auch nur einen Apfel trgt. Da sagte Treu zu
dem Knig: Willst Du mir Das geben, was dreimal rund um Deinen Garten
liegt, und auch so viel Leute, um es aufzugraben, dann sollen die Bume
in Deinem Garten bald Frchte genug tragen. Ja, das wollte der Knig
gern. Treu bekam Leute zum Graben, so viel er nur wollte; und als sie
eine Weile gegraben hatten, trafen sie auf die goldne Kette, die dreimal
rund um den ganzen Garten ging; und als sie die herausgegraben hatten,
fingen auch die Bume im Garten an, Frchte zu tragen, und trugen bald
so viel, da die Zweige bis an die Erde herunterhingen. Treu war nun ein
reicher Mann, weit reicher als der Knig selbst; aber dieser freu'te
sich blo, da nun die Bume in seinem Garten so schne Frchte trugen.

Eines Tages gingen Treu und der Knig zusammen und schwatzten von Diesem
und Jenem; da kam grade die Prinzessinn an ihnen vorber, und der Knig
wurde ganz betrbt, als er sie sah, und sprach: Ist es nicht Jammer und
Schade, da eine so schne Prinzessinn, wie meine Tochter ist, des Gehrs
und der Sprache beraubt sein mu? --

Dafr wre wohl Rath, meinte Treu. Als der Knig das hrte, ward er so
froh, da er dem Burschen die Prinzessinn und das halbe Reich versprach,
wenn er ihr blo das Gehr und die Sprache wieder verschaffen knne.
Treu aber nahm ein paar Leute mit sich in die Kirche und grub die Krte
heraus, die dort unter dem Altar sa, schnitt ihr den Rachen auf, nahm
das Brod heraus und gab es der Knigstochter zu essen -- und sowie sie
das gegessen hatte, konnte sie wieder eben so gut hren und sprechen,
wie andre Leute.

Nun war es so weit, da Treu die Prinzessinn heirathen sollte, und es
wurde zur Hochzeit angerichtet; das sollte aber eine Hochzeit werden,
wovon man sich im ganzen Lande zu erzhlen htte. Whrend sie nun Alle
lustig waren und sangen und tanzten, kam ein armer Bettler vor die Thr
und bat um ein Wenig zu essen; aber er hatte so lumpige Kleider an und
sah so entsetzlich elend aus, da Alle sich vor ihm kreuzten. Treu aber
erkannte ihn sogleich und sah, da es sein Bruder Untreu war. Kennst Du
mich nicht? fragte Treu ihn. Ach, wo sollte ich wohl einen so groen
Herrn gesehen haben, wie Ihr seid? sagte Untreu. Gesehen hast Du mich
allerdings, sagte Treu: denn das war ich, dem Du vor einem Jahr die
Augen ausstachst. _Untreu_ heit Du und _untreu_ bist Du; das sagte ich
Dir damals, und das sag' ich Dir auch noch jetzt; Du bist aber dessen
ungeachtet mein Bruder, und darum sollst Du nicht hungrig von dannen
gehen, sondern zu essen und zu trinken haben, und darnach kannst Du Dich
zu der Linde begeben, auf der ich voriges Jahr in der Nacht sa -- und
erfhrst Du dann Etwas, das zu Deinem Heil dienen kann, so ist es gut
fr Dich. Untreu lie die Worte nicht verloren sein. Hat Treu, weil er
eine Nacht auf der Linde sa, ein solches Glck davon getragen, da er
binnen einem Jahr Knig von halb England geworden ist, so -- Wer wei
-- dachte er und machte sich auf den Weg nach dem Walde und stieg auf die
Linde. Er hatte noch nicht lange da gesessen, so kamen die Thiere unter
dem Baum zusammen, aen und tranken und feierten den St. Johannistag.
Als sie nun genug gegessen und getrunken hatten, machte der Fuchs wieder
den Vorschlag, da sie einander Geschichten erzhlen wollten, und da
kannst Du Dir wohl denken, wie Untreu die Ohren spitzte. Aber der Br war
das Mal verdrielich, brummte und sprach: _Es hat Jemand ausgeschwatzt,
Was wir uns voriges Jahr erzhlten, und darum wollen wir jetzt schweigen
von Dem, was wir wissen!_ und darauf sagten die Thiere einander gute
Nacht und gingen ihres Weges; und Untreu war nicht klger geworden, als
zuvor, das macht, weil er _Untreu_ hie und weil er _untreu_ war.




19.

Peter und Paul und Esben Aschenbrdel.


Es war einmal ein Mann, der hatte drei Shne, die hieen Peter und Paul
und Esben Aschenbrdel; aber weiter als die drei Shne hatte er auch
Nichts in der Welt, ja, er war so arm, da er nicht einmal einen Knopf
an seinem Rock hatte, und darum sagte er oft und alle Tage zu den
Burschen, sie sollten fort in die Welt und sich ihr Brod verdienen, denn
zu Hause bei ihm mten sie doch am Ende nur todt hungern. Nun sollst Du
mal hren, wie zuletzt die Burschen auf den Trab kamen; das ging nmlich
so zu:

Nicht weit davon, wo der Mann wohnte, lag ein Knigsschlo, und grade
vor den Fenstern des Knigs stand eine Eiche, die war so gro und so
dick, da sie alles Licht wegnahm, so da die Sonne nicht ins Zimmer
scheinen konnte. Darum hatte der Knig Demjenigen, der die Eiche umhauen
knnte, viel Geld versprochen; aber dazu taugte Keiner; denn sobald
Einer nur einen Span von dem Stamm abhau'te, wuchs gleich wieder noch
einmal so Viel daran. Ferner wollte der Knig einen Brunnen gegraben
haben, der sollte das ganze Jahr hindurch Wasser halten; denn alle
Groen in seinem Reich hatten Brunnen, nur er hatte keinen, und das,
duchte dem Knig, wre doch Unrecht. Wer ihm nun einen solchen Brunnen
graben konnte, der das ganze Jahr hindurch Wasser hielt, dem hatte er
Geld und auch noch viele andre Dinge versprochen; aber Keiner konnt' es
zu Stande bringen, denn das Schlo lag oben auf einem Berg, und kaum
hatte man einige Zoll tief in die Erde gegraben, so kam man auf den
harten Felsboden. Da sich aber der Knig einmal in den Kopf gesetzt
hatte, da die Sache zu Stande gebracht werden sollte, so lie er
zuletzt weit und breit bekannt machen in seinem ganzen Land, da Der,
welcher die groe Eiche vor dem Schlo umhauen, und einen Brunnen graben
knnte, der das ganze Jahr hindurch Wasser hielt, die Prinzessinn und
das halbe Reich haben sollte. Nun kann man sich wohl denken, da Viele
kamen, um ihr Glck zu versuchen; aber was sie auch hauen und sgen und
hacken und graben mochten, es half Alles nichts: die Eiche wurde bei
jedem Hieb nur noch dicker, und der Felsboden wurde nicht weicher.
Endlich wollten die drei Brder auch fort und ihr Glck versuchen, und
damit war der Vater wohlzufrieden; denn bekmen sie auch nicht die
Prinzessinn und das halbe Reich, dachte er, so knnten sie doch wohl bei
irgend einem braven Mann in Dienst kommen, und Mehr wnschte er nicht;
und als darum die Brder davon anfingen, da sie zu dem Knigsschlo
wollten, sagte der Vater auch gleich Ja, und darauf machten Peter und
Paul und Esben Aschenbrdel sich auf den Weg.

Als sie ein Ende gegangen waren, kamen sie an einem mit Tannen
bewachsenen Berg vorbei, und oben da hau'te und hau'te es. Das wundert
mich, da es da oben auf dem Berg so hau't, sagte Esben Aschenbrdel.
Du bist immer gleich bei der Hand mit Deinem Verwundern, sagten Peter
und Paul: ist das zu verwundern, da ein Holzhauer da auf dem Berg
hau't? -- Ja, ich mchte aber doch wissen, Was es ist, sagte Esben
Aschenbrdel, und ging hinauf. Wenn Du ein solcher Narr bist, so sieh
zu, dann wirst Du's erfahren! riefen die Brder ihm nach; aber Esben
bekmmerte sich nicht darum, sondern ging grade nach dem Ort hin, wo er
es hauen hrte, und da sah er nun eine Axt, welche ganz allein da stand
und an einer Tanne hau'te. Was stehst Du hier ganz allein und hau'st?
fragte Esben Aschenbrdel. Ach, nun hab' ich hier gestanden und gehau't
manchen lieben Tag, und hab' nur auf Dich gewartet, sagte die Axt.
Gut, nun bin ich hier, sagte Esben, schlug die Axt von dem Helft
herunter und steckte sie in seinen Schnappsack. Als er nun wieder zu
seinen Brdern kam, machten sie sich ber ihn lustig und fragten: Na,
was war denn Das fr Schnes, was Du da oben sah'st? -- O, es war
blo eine Axt, sagte Esben.

Als sie nun ein Ende weiter gegangen waren, kamen sie wieder zu einem
Berg, und oben da hrten sie es hacken und graben. Das wundert mich,
sagte Esben: ich mchte doch wohl wissen, Was es ist, das da so
hackt und grbt. -- Du bist immer gleich bei der Hand mit Deinem
Verwundern, sagten Peter und Paul: hast Du denn nie die Vgel auf den
Bumen hacken und bicken hren? -- Ja, aber ich htte doch Lust, zu
sehen, Was es ist, sagte Esben und bekmmerte sich nicht darum, da die
Andern ihn wieder auslachten, sondern ging gradezu auf den Berg. Dort
oben sah er nun eine Steinhacke, die stand da ganz allein und hackte und
grub. Guten Tag! sagte Esben Aschenbrdel: Was stehst Du hier ganz
allein und hackst und grbst? -- Ach, nun hab' ich hier gestanden und
gehackt und gegraben manchen lieben Tag und habe nur auf Dich gewartet,
sagte die Hacke. Gut, nun bin ich hier, sagte Esben, schlug die Hacke
vom Stiel herunter, steckte sie in seinen Schnappsack, und damit ging er
wieder fort. Das war wohl was Schnes, was Du da oben sah'st, sagten
Peter und Paul zu ihm, als er sie wieder eingeholt hatte. O, es war nur
eine Steinhacke, sagte Esben Aschenbrdel.

Nun gingen sie ein gutes Ende weiter, bis sie endlich zu einem Bach
kamen, und da nun alle Drei durstig waren von der Reise, legten sie
sich nieder, um zu trinken. Mich wundert nur dieser Bach, sagte
Aschenbrdel: ich mchte doch wohl wissen, wo das Wasser herkommt.
-- Mich wundert nur, da Du nicht recht im Kopf bist! sagten Peter und
Paul: bist Du aber noch nicht verrckt, so wirst Du es wohl vor lauter
Verwunderung bald werden. Hast Du denn noch nie gehrt, da das Wasser
aus der Erde quillt? -- Ja aber ich htte doch Lust, zu sehen, wo
es herkommt, sagte Esben Aschenbrdel, und damit ging er an dem Bach
entlang und bekmmerte sich nicht darum, da seine Brder hinter ihm
herriefen und ihn auslachten. Als er nun ein weites Ende gegangen war,
wurde der Bach schmler und immer schmler, und endlich sah er da eine
groe Wallnu liegen, aus der sickerte das Wasser heraus. Guten Tag,
sagte Esben: Was liegst Du hier so allein und sickerst? -- Ach, nun
hab' ich hier gelegen und gesickert manchen lieben Tag und habe nur auf
Dich gewartet, sagte die Wallnu. Gut, nun bin ich hier, sagte Esben,
nahm einen Flausch Moos und stopfte es in das Loch, so da das Wasser
nicht heraus konnte, und dann steckte er die Wallnu in seinen Schnappsack
und ging wieder zurck zu seinen Brdern. Nun hast Du wohl gesehen,
wo das Wasser herkommt; das sah wohl hbsch aus, kann ich mir denken,
sagten Peter und Paul. O, es war blo ein Loch, wo es herausflo,
sagte Esben Aschenbrdel, und die Brder lachten und machten sich ber
ihn lustig; aber Esben bekmmerte sich nicht darum, sondern sagte blo:
Ich hatte nun einmal meine Lust daran, es zu sehen.

Als sie nun noch etwas weiter gegangen waren, kamen sie zu dem
Knigsschlo. Aber da nun so viele Leute gehrt hatten, da sie die
Prinzessinn und das halbe Reich gewinnen knnten, wenn sie es zu Stande
brchten, die groe Eiche umzuhauen und einen Brunnen im Schlohof zu
graben, der immer Wasser hielt, so waren schon so Viele gekommen, die
ihr Glck versucht hatten, da die Eiche noch einmal so gro und dick
geworden war, als vorher; denn Du erinnerst Dich wohl noch, da immer
doppelt so Viel wieder anwuchs, als man mit der Axt abhau'te. Darum
hatte der Knig nun die Strafe ausgesetzt, da wenn knftig Einer sein
Glck versuchen wollte und die Eiche nicht umhauen knnte, ihm beide
Ohren abgeschnitten werden sollten, und darnach sollte er auf eine Insel
hinausgebracht werden, die mitten im Meer lag. Aber die beiden Brder
lieen sich dadurch nicht abschrecken, sie meinten, sie wollten die
Eiche schon umhauen, und Peter, welcher der lteste war, sollte zuerst
den Versuch machen. Aber es ging ihm nicht besser, als all den Andern,
die vor ihm ihr Glck versucht hatten; denn fr jeden Span, den er
abhieb, wuchs gleich noch einmal so Viel wieder daran. Da nahmen die
Leute des Knigs ihn bei den Schlafitten und brachten ihn hinaus auf
die Insel, nachdem sie ihm vorher beide Ohren abgeschnitten hatten. Nun
wollte sich Paul daran machen; aber dem gings um Nichts besser. Als er
zwei bis drei Hiebe gethan hatte, und die Leute sahen, da die Eiche nur
noch grer wurde, nahmen sie ihn ebenfalls beim Kragen und brachten ihn
hinaus auf die Insel; ihm aber schnitten sie die Ohren noch dichter beim
Kopf ab, weil er der Bruder von dem Andern war. Nun wollte sich Esben
Aschenbrdel daran machen. Mchtest Du gern aussehen, wie ein gemerktes
Schaf, so wollen wir Dir lieber die Ohren gleich abschneiden, dann sparst
Du die Mhe, sagte der Knig und war gewaltig bse auf ihn, von wegen
seiner Brder. Ich htte doch Lust, erst mein Glck zu versuchen,
sagte Esben, und das durften sie ihm denn nicht verwehren. Er nahm nun
seine Axt aus dem Schnappsack, steckte sie wieder auf den Helft und
sprach dann: Hau selber! und sogleich fing die Axt an zu hauen, da
nur die Spne so flogen, und da dauerte es nicht lange, so war die Eiche
herunter. Wie das gethan war, nahm Esben seine Hacke hervor, steckte sie
wieder an den Stiel, und sprach dann: Grabe und hacke selbst! und
sogleich fing die Hacke an zu graben und zu hacken, da Erde und Steine
umherflogen, und da kann man sich denn wohl denken, da der Brunnen tief
genug werden mute. Als Esben ihn so tief und so gro hatte, wie er ihn
haben wollte, nahm er seine Wallnu und legte sie unten auf den Boden,
dann zog er das Moos wieder aus dem Loch und sprach: Fang' nun an zu
sickern! Da fing die Wallnu an zu sickern, da nur das Wasser so
strmte, und da dauerte es nicht lange, so war der Brunnen bis an den
Rand voll. So hatte nun Esben Aschenbrdel die Eiche umgehauen, die
vor den Fenstern des Knigs schattete, und einen Brunnen im Schlohof
gegraben, der bestndig Wasser hielt; und da bekam er die Prinzessinn
und das halbe Reich, so wie der Knig es versprochen hatte. Gut war es,
da Peter und Paul ihre Ohren verloren hatten, denn sonst htten sie es
immer und alle Tage hren mssen, da Esben Aschenbrdel sich doch nicht
so schlecht gewundert hatte.




20.

Die Mhle, die auf dem Meergrunde mahlt.


Es waren mal in uralter Zeit zwei Brder, der eine war reich, und der
andre war arm. Als nun das Weihnachtsfest herankam, hatte der arme
keinen Bissen Fleisch, noch Brod im Hause, ging darum zu seinem Bruder
und bat ihn um eine Kleinigkeit in Gottes Namen. Nun war es aber nicht
das erste Mal, da der reiche Bruder dem armen Etwas gegeben hatte, und
er war daher eben nicht sonderlich froh, als er ihn kommen sah. Willst
Du thun, Was ich Dir sage, sprach er: so sollst Du einen ganzen Schinken
haben, so wie er im Rauch hangt. Ja, das wollte der Arme gern und
bedankte sich. Da hast Du ihn! sagte der Reiche, indem er ihm den
Schinken zuwarf: und geh nun zur Hlle! -- Hab' ich es versprochen,
so mu ich es thun, sagte der Andre, nahm den Schinken und ging fort.
Er wanderte wohl den ganzen Tag, und als es dunkel wurde, erblickte
er vor sich einen hellen Lichtschimmer. Hier mu es sein! dachte
er. Etwas weiter hin im Walde aber stand ein alter Mann mit einem
langen weien Bart und hau'te Holz. Guten Abend! sagte Der mit dem
Rauchschinken. Guten Abend! Wo willst Du hin? sagte der Mann. O, ich
wollte nur zur Hlle, aber ich wei nicht, ob ich recht gegangen bin,
versetzte der Arme. Ja, Du bist ganz recht, sagte der alte Mann: denn
das hier ist die Hlle, und weiter sagte er: Wenn Du nun hineinkommst,
dann werden sie Dir wohl alle Deinen Schinken abkaufen wollen, denn
Schweinfleisch ist ein seltnes Gericht in der Hlle; aber Du sollst
ihn fr kein Geld verkaufen, sondern sollst dafr die alte Handmhle
verlangen, die hinter der Thr steht. Wenn Du dann wieder herauskommst,
will ich Dir auch lehren, wie Du sie stellen musst; denn die Mhle ist
zu Etwas gut, musst Du wissen. Der Mann mit dem Schinken dankte fr
guten Bescheid und klopfte beim Teufel an.

Als er hineintrat, geschah es, wie der Alte ihm gesagt hatte: alle
Teufel, gro und klein, kamen um ihn herum, und der eine berbot immer
den andern auf den Rauchschinken. Es war freilich meine Absicht, ihn
zum Weihnachts-Heiligen-Abend mit meinem Weib zu verschmausen; sagte
der Mann: aber weil Ihr alle so erpicht darauf seid, will ich ihn Euch
wohl berlassen; aber ich verkaufe ihn fr keinen andern Preis, als fr
die alte Handmhle, die da hinter der Thr steht. Damit wollte aber der
Teufel nicht gern heraus, und er dung und feilschte mit dem Mann; aber
der blieb bei Dem, was er gesagt hatte, und da mute ihm denn der Teufel
endlich die Mhle berlassen. Als der Mann nun wieder aus der Hlle
herausgekommen war, fragte er den alten Holzhauer, wie er denn die Mhle
stellen msse, und als der es ihm gesagt hatte, bedankte er sich und
machte sich wieder auf den Heimweg; aber wie sehr er auch ausholte, so
kam er doch nicht eher, als nachts um zwlf Uhr zu Hause an.

Aber wo in aller Welt bist Du denn eigentlich gewesen? sagte seine
Frau, als er eintrat: Ich hab' hier gesessen und gewartet von einer
Stunde zur andern und habe nicht einmal zwei Holzsplitter kreuzweis
ber einander unter den Grtzkessel zu legen, damit ich uns ein
Weihnachtsessen koche. -- O, sagte der Mann: ich konnte nicht gut
eher kommen, denn ich hatte ein Geschft zu besorgen und mute dehalb
einen weiten Weg machen; aber nun sollst Du mal sehen, Was ich uns
mitgebracht habe! und damit stellte er die Mhle auf den Tisch hin und
lie sie mahlen, erst Lichter, dann ein Tischtuch, und darnach Essen und
Bier und Alles, was zu einem guten Weihnachtsschmaus gehrt; und so wie
er es der Mhle befahl, so mahlte sie. Seine Frau stand da und kreuzte
sich das eine Mal ber das andre und wollte durchaus wissen, wo der Mann
die Mhle herbekommen htte; aber damit wollte er nicht heraus: Es kann
ganz einerlei sein, woher ich sie habe, Frau, sagte er: Du siehst, da
die Mhle gut ist, und da das Mahlwasser nicht all wird, und das ist
Genug, und er mahlte Essen und Trinken und Alles, was gut schmeckt,
fr das ganze Weihnachtsfest, und am dritten Tag bat er seine Freunde
zu sich, denn er wollte ihnen einen Gastschmaus geben. Als der reiche
Bruder sah, Was da alles zum Schmaus bereit stand, lief es ihm hei und
kalt ber die Haut, weil er seinem Bruder durchaus Nichts gnnte. Am
Weihnachts-Abend, sagte er zu den Andern: war er noch so bettelarm,
da er zu mir kam und mich um eine Kleinigkeit in Gottes Namen bat,
und nun auf einmal lsst er's drauf gehen, als wenn er Graf, oder
Knig geworden wre. -- Wo zum ewigen Satan! hast Du all den Reichthum
herbekommen? fragte er den Bruder. Hinter der Thr, sagte der, denn
er hatte keine Lust, ihm zu beichten; aber gegen Abend, als er ein
wenig in den Krsel bekommen hatte, konnte er sich nicht lnger halten,
sondern kam mit der Mhle zum Vorschein. Da siehst Du die Gans, die mir
all den Reichthum gebracht hat, sagte er und lie die Mhle bald Dies,
bald Jenes mahlen. Als der Bruder das sah, wollte er ihm die Mhle
durchaus abkaufen; aber der Andre wollte sich anfangs gar nicht dazu
verstehen; endlich aber, wie der Bruder so sehr darum anhielt, sollte er
sie denn fr dreihundert Thaler haben; aber bis zum Heumonat, das bedung
er sich aus, wollte er sie noch behalten; denn, dachte er: hab' ich
sie noch so lange, kann ich mir Essen damit mahlen fr manches liebe
Jahr. In dieser Zeit nun wurde die Mhle, wie man sich wohl denken
kann, nicht rostig, und als der Heumonat herankam, erhielt der Bruder
sie; aber der Andre hatte sich wohl gehtet, ihm zu sagen, wie er sie
stellen mte. Es war am Abend, als der Reiche die Mhle nach Hause
brachte, und am Morgen sagte er zu seiner Frau, sie sollte mit den
Schnittern ins Feld gehen und das Heu hinter ihnen kehren, er wolle
derweile das Mittagsessen bereiten. Als es nun so gegen Mittag war,
stellte er die Mhle auf den Kchentisch hin. Mahl Hering und Milchsuppe,
da es Art hat! sprach er. Da fing die Mhle an zu mahlen Hering und
Milchsuppe, erst alle Schsseln und Grapen voll, und nachher so viel,
da die ganze Kche davon schwamm. Der Mann stellte und dreh'te die
Mhle; aber wie er sie auch handthieren mochte, so hielt die Mhle nicht
auf, zu mahlen, und zuletzt stand die Milchsuppe schon so hoch, da der
Mann nahe daran war, zu ertrinken. Nun ri er die Stubenthr auf; aber
es dauerte nicht lange, so hatte die Mhle auch die Stube vollgemahlt,
und nur mit genauer Noth konnte der Mann noch die Thrklinke in der
Fluth von lauter Milchsuppe erfassen. Wie er nun die Thr aufgemacht
hatte, strzte er hinaus ins Freie, und Hering und Milchsuppe immer
hinter ihn drein, so da der ganze Hof und das Feld davon strmte.

Indessen duchte es der Frau, die das Heu auf dem Felde kehrte, es daure
ziemlich lange, eh' der Mann kme und sie zum Mittag abriefe. Wir wollen
nur nach Hause gehen, sagte sie zu den Schnittern: denn ich kann es
mir wohl denken, er kann mit der Milchsuppe nicht allein fertig werden,
und ich mu ihm nur helfen. Sie machten sich also auf und gingen nach
Hause. Wie sie aber hinter den Berg kamen, schwamm ihnen Hering und
Milchsuppe und Brod entgegen, alles durch einander, und der Mann lief
immer voran. Gott gebe, da Jeder von Euch hundert Buche htte, um in
sich zu schlingen! rief er: Nehmt Euch aber in Acht, da Ihr nicht in
meinem Mittagsessen ersauft! und damit fuhr er ihnen vorbei, als wr'
der Teufel hinter ihm her, und hinber zu seinem Bruder; den bat er nun
um Gottes willen, er mchte doch sogleich die Mhle wiedernehmen; denn
mahlt sie noch eine Stunde dazu, sprach er: so vergeht das ganze Dorf
in lauter Hering und Milchsuppe. Der Bruder aber wollte die Mhle nicht
wiedernehmen, wenn der Andre ihm nicht noch dreihundert Thaler dazu
bezahlte. Weil nun durchaus kein andrer Rath war, so mute der Reiche
mit dem Gelde heraus. Nun hatte der Arme sowohl Geld, als die Mhle, und
da dauerte es denn nicht lange, so hatte er sich ein Haus gebau't, noch
weit prchtiger, als das, worin der Bruder wohnte. Mit der Mhle mahlte
er so viel Gold zusammen, da er die Wnde mit lauter Goldplatten
bekleiden konnte, und das Haus lag so nahe am Strande, da man den Glanz
davon schon von weitem auf dem Meer sah. Alle, die da vorbeisegelten,
hielten dort an, um den reichen Mann in dem goldnen Hause zu besuchen
und die wunderbare Mhle zu sehen; denn es ging davon ein Gerede weit
und breit.

Einmal kam auch ein Schiffer dort vorbei, der wollte ebenfalls die Mhle
sehen, und als er sie gesehen hatte, fragte er, ob sie auch wohl Salz
mahlen knne. Ja, Salz kann sie auch mahlen, sagte der Mann; und nun
wollte der Schiffer sie ihm durchaus abkaufen, sie mchte kosten, Was
sie wolle; denn habe ich die, dachte er: dann brauch' ich nicht immer
so weit ber's wilde Meer zu segeln, um Salz zu holen; sondern kann mir
einen guten Tag pflegen. Anfangs aber wollte der Mann sie durchaus
nicht losschlagen; aber der Schiffer bat ihn so lange und so flehend,
bis er sie ihm endlich fr viele tausend Thaler verkaufte. Als nun der
Schiffer die Mhle bekommen hatte, blieb er nicht lange in der Gegend;
denn er dachte, dem Mann knne der Handel nachher wieder leid werden; er
lie sich auch nicht einmal so viel Zeit, da er ihn fragte, wie er die
Mhle stellen mte, sondern ging schnell auf sein Schiff und stie von
Land. Als er ein Ende hinausgekommen war in die groe See, nahm er seine
Mhle hervor. Mahl Salz, da es Art hat! rief er. Da fing die Mhle an
und mahlte Salz, da es knisterte und sprh'te. Als der Schiffer sein
Schiff voll hatte, wollte er die Mhle stopfen, aber wie er's auch
anfing und sie stellen und drehen mochte, die Mhle mahlte immer fort,
und der Salzhaufen wuchs hher und immer hher, und zuletzt versank das
ganze Schiff ins Meer. Da steht nun die Mhle auf dem Meergrunde und
mahlt noch den heutigen Tag, und daher kommt es, da das Meerwasser
salzig ist.




21.

Die Prinzessinn auf dem glsernen Berg.


Es war einmal ein Mann, der hatte eine Heuwiese, die lag auf einem Berg,
und auf der Wiese stand ein Schoppen, worin er das Futter aufbewahrte.
In den letzten Jahren aber war der Schoppen immer ziemlich leer gewesen;
denn allemal in der St. Johannisnacht, wenn das Gras am schnsten und
ppigsten stand, wurde die Wiese ganz kahl, als ob eine Viehheerde da
gegangen und das Gras abgefressen htte. So geschah es das eine Jahr,
und so geschah es das andre. Das verdro endlich den Mann, und er sagte
zu seinen Shnen -- er hatte drei, und der dritte hie _Aschenbrdel_,
musst Du wissen -- es solle einer von ihnen in der St. Johannisnacht im
Heuschoppen liegen und Acht geben, wie das Ding zusammenhinge; denn
es knne nicht angehen, da jedes Jahr das Gras mit Stumpf und Stiel
abgefressen wrde, sagte er. Nun machte zuerst der lteste Sohn sich
auf; er wollte schon aufpassen, sagte er, und es sollten ihm weder
Menschen, noch Vieh, noch der Teufel selbst das Gras von der Wiese
stehlen. Darauf ging er hin und legte sich in dem Heuschoppen schlafen.
Wie es aber auf die Nacht kam, entstand pltzlich ein solches Getse und
ein Erdbeben, da Dach und Wnde krachten. Dem Burschen ward angst und
bange, und er sprang auf und lief davon, ohne sich umzusehen, und die
Wiese wurde in dieser Nacht wieder eben so kahl, als in den beiden
letzten Jahren.

Den nchsten St. Johannis-Abend sagte der Mann wieder, es knne nicht
angehen, da sie jedes Jahr ihr Heu auf der Wiese einben sollten, es
msse einer von den Shnen die Nacht ber im Schoppen schlafen und gut
aufpassen. Da machte sich denn der zweite Sohn auf; aber es ging ihm
nicht besser, als seinem Bruder; denn in der Nacht entstand wieder ein
Getse und ein Erdbeben, noch weit furchtbarer, als in der vorigen
Johannis-Nacht. Dem Burschen ward angst und bange, und er sprang auf und
schwang die Fersen, als ob's fr Geld ginge.

Das Jahr darauf kam die Reihe an Aschenbrdel. Als er sich aber
anschickte, nach der Wiese zu gehen, fingen die andern Beiden an zu
lachen und machten sich ber ihn lustig. Ja, Du bist eben der Rechte,
um das Heu zu hten, sagten sie: Du, der Du nichts Anders gelernt
hast, als in der Asche zu sitzen und Dich zu braten. Aber Aschenbrdel
bekmmerte sich nicht um ihr Geschwtz, sondern als es Abend wurde, ging
er gradezu nach der Wiese. Als er eine Weile im Schoppen gelegen hatte,
fing es an zu donnern und zu krachen. O, wenn's nicht schlimmer wird,
so kann ich's aushalten, dachte Aschenbrdel. Als er noch eine Weile
gelegen hatte, entstand ein Krachen und ein Erdbeben, da die Heuhalme
umherstoben. O, wenn's nicht schlimmer wird, so halt ich's aus, dachte
Aschenbrdel. Bald darauf kam ein drittes Krachen und Erdbeben, so da
der Bursch glaubte, Dach und Wnde wrden zusammenstrzen; als das aber
vorbei war, wurde es muschenstill. Ob's wohl wiederkommt? dachte
Aschenbrdel; aber es kam nicht wieder. Nach einer Weile duchte es dem
Burschen, als ob drauen vor dem Schoppen ein Pferd stnde und gras'te.
Er schlich sich daher an die Thr und guckte durch die Ritze, und da sah
er denn ein Pferd stehen, welches das Gras abbi; aber ein so groes
und stattliches Pferd hatte Aschenbrdel noch nie gesehen, und auf dem
Rcken trug es Sattel und Gebi und eine vollstndige Rstung fr einen
Ritter. Alles aber war von Kupfer, und so blank, da es glitzerte.
Haha! bist Du es, der uns immer das Gras abfrisst? dachte der Bursch:
aber das will ich Dir schon verbieten. Er nahm darauf schnell sein
Feuerstahl aus der Tasche und warf es ber das Pferd; da konnte es sich
nicht vom Fleck rhren, sondern war so zahm, da der Bursch mit ihm
machen konnte, Was er wollte. Er setzte sich nun darauf und ritt damit
nach einem Ort hin, den Niemand kannte, als er allein, und da brachte er
es in Verwahrsam. Als er wieder nach Hause kam, fingen seine Brder an
zu lachen und fragten ihn, wie es denn gegangen sei. Du bliebst wohl
nicht lange in dem Schoppen liegen, sagten sie: wenn Du sonst berhaupt
nach der Wiese gekommen bist. -- Ich habe so lange in dem Schoppen
gelegen, bis die Sonne aufging, sagte der Bursch: aber ich habe Nichts
gehrt, noch gesehen. Gott mag wissen, Was es ist, das Euch so in Furcht
gejagt hat. -- Ja, wir werden bald sehen, wie Du die Wiese gehtet
hast, versetzten die Brder. Als sie aber hinkamen, stand das Gras da
eben so hoch und so dicht, als den Tag zuvor.

Den nchsten Johannis war es wieder das alte Lied. Keiner von den beiden
Brdern wollte nach dem Schoppen gehen und die Wiese hten, aber
Aschenbrdel, der wollte. Nun ging es wieder eben so, wie in der
vorigen Johannis-Nacht: zuerst kam wieder ein furchtbares Getse und ein
Erdbeben, dann noch einmal, und endlich zum dritten Mal; aber alle drei
Erdbeben waren diesmal weit strker, als das vorige Jahr. Darauf ward
es pltzlich ganz still, und der Bursch hrte Etwas drauen vor dem
Schoppen knuppern; er schlich sich nun wieder ganz leise nach der Thr
und guckte durch die Ritze. Ja, richtig! da stand wieder ein Pferd dicht
an der Mauer und fra das Gras ab; aber das war noch weit grer und
stattlicher, als das vorige, und auf dem Rcken lagen Sattel und Gebi
und eine vollstndige Rstung fr einen Ritter -- Alles von blankem
Silber, und so prchtig, wie man's nur sehen kann. Haha! bist Du es,
der uns in dieser Nacht das Gras abfressen wollte? dachte der Bursch:
aber das will ich Dir verbieten, und damit nahm er schnell sein
Feuerstahl aus der Tasche und warf es dem Pferd ber die Mhne, und nun
stand es da, so fromm und so zahm, wie ein Lamm. Da setzte der Bursch
sich drauf und ritt damit nach demselben Ort hin, wo er das andre Pferd
stehen hatte, und dann ging er wieder nach Hause. Heute sieht es wohl
schn aus auf der Heuwiese, sagten die Brder. O ja, ganz gut,
versetzte Aschenbrdel. Sie wollten nun hin und zusehen, und als sie
hinkamen, stand das Gras da so hoch und so schn, da es nur eine Lust
war; aber die Brder wurden darum nicht freundlicher gegen Aschenbrdel.

Als die dritte Johannis-Nacht herankam, wollte wieder Keiner von den
beiden ltesten Brdern in dem Heuschoppen liegen und die Wiese hten;
denn sie waren noch so eingeschchtert von der ersten Nacht her, die
sie da gelegen hatten, da sie's gar nicht wieder vergessen konnten. Da
mute sich denn Aschenbrdel wieder aufmachen; und nun ging es wieder
eben so, wie die beiden vorigen Male: es kamen wieder drei Erdbeben, das
eine noch immer strker, als das andre, und bei dem letzten tanzte der
Bursch von der einen Schoppenwand zur andern; aber darauf wurde es
muschenstill. Als der Bursch nun noch eine Weile gelegen hatte, hrte
er wieder drauen vor dem Schoppen Etwas knuppern. Er schlich sich nun
leise nach der Thr und guckte durch die Ritze -- da stand denn wieder
ein Pferd da, noch weit grer und stattlicher, als die beiden andern,
die er schon gefangen hatte. Haha! bist Du es, der mir diese Nacht das
Gras abfressen wollte? dachte der Bursch: aber das will ich Dir schon
verbieten; und damit nahm er sein Feuerstahl und warf es ber das Pferd,
und da stand es auf dem Fleck so fest, als wr' es dran genagelt, und
der Bursch konnte mit ihm machen, Was er wollte; er ritt es nun nach
demselben Ort hin, wo er schon die beiden andern Pferde stehen hatte,
und ging dann nach Hause. Die beiden Brder machten sich wieder ber ihn
lustig, eben so wie die beiden vorigen Male. Diese Nacht, sagten sie,
htte er die Wiese wohl gut gehtet, denn er she ja aus, als ob er noch
im Schlaf ginge, und Was Dergleichen Mehr war. Aber Aschenbrdel that,
als ob er nicht darauf achte, sondern sagte blo, sie mchten nur
hingehen und zusehen; das thaten sie denn auch; aber das Gras stand da
eben so schn und ppig, als den Tag zuvor.

Um diese Zeit geschah es, da der Knig des Landes, in welchem
Aschenbrdels Vater wohnte, ein Aufgebot in seinem ganzen Reich ergehen
lie. Der Knig hatte nmlich eine Tochter von wunderlieblicher
Schnheit, und die wollte er verheirathen. Die Tochter aber sa mit drei
goldnen pfeln in ihrem Scho oben auf einem hohen glsernen Berg, der
war so glatt wie Eis und so blank wie ein Spiegel. Wer nun auf den Berg
reiten und ihr die drei pfel aus dem Scho nehmen knnte, der sollte
die Prinzessinn und das halbe Reich haben; das hatte der Knig in
allen Kirchdrfern in seinem ganzen Reich und noch in vielen andern
Knigreichen bekannt machen lassen. Weil nun die Prinzessinn so
auerordentlich schn war, da Jeder, der sie nur ansah, sogleich in
sie verliebt ward, er mochte wollen, oder nicht, so hatten alle Prinzen
und Ritter groe Lust, sie und das halbe Knigreich zu gewinnen, und
kamen daher von allen Enden der Welt geritten, so stattlich, da man den
Glanz schon von weitem sah; und ihre Pferde gingen einher, als ob sie
unter ihnen tanzten -- kurz, es war Niemand, der nicht daran dachte, die
Prinzessinn und das halbe Reich zu gewinnen.

Als nun der Tag gekommen war, den der Knig zu dem Ritt bestimmt hatte,
waren so viele Prinzen und Ritter um den glsernen Berg versammelt, da
es von ihnen wimmelte; und Jeder, der nur kriechen konnte, wollte hin
und sehen, Wer die Knigstochter gewnne, und die beiden Brder von
Aschenbrdel wollten auch hin, aber Aschenbrdel wollten sie nicht mit
haben, denn htten sie einen solchen Wechselbalg bei sich, so schwarz
und abscheulich wie er, der immer da liege und in der Asche whle,
sagten sie, dann wrden die Leute sich nur ber sie lustig machen.
Aschenbrdel aber sagte, es wr' ihm ganz einerlei, er bliebe auch eben
so gern zu Hause. Als nun die beiden Brder zu dem glsernen Berg kamen,
versuchten schon alle Ritter und Prinzen den Ritt, und sie ritten, da
die Pferde unter ihnen schumten; aber es half ihnen Alles nichts; denn
sowie nur das Pferd den Fu an den Berg setzte, glitt es immer wieder
aus, und es war kein Einziger da, der nur ein paar Ellen lang an dem
Berg hinauf gekommen wre, und das war eben nicht zu verwundern, denn
der Berg war so glatt wie ein Spiegel, und so steil wie eine Wand. Alle
aber wollten gern die Knigstochter und das halbe Reich gewinnen, und
sie ritten und sie glitten, aber Alles umsonst. Zuletzt waren alle
Pferde schon so ausgemattet, da sie nicht mehr vom Fleck konnten, und
ber und ber waren sie mit Schwei bedeckt, und der Schaum stand ihnen
vor dem Mund. Da muten sich denn die Prinzen und Ritter endlich geben.
Der Knig wollte nun schon bekannt machen lassen, da das Wettreiten den
nchsten Tag wieder anfangen sollte, ob's dann vielleicht Einem gelingen
mchte; aber in demselben Augenblick kam ein Ritter in einer kupfernen
Rstung daher, die war so blank, da man sich darin spiegeln konnte, und
das Pferd, das er ritt, war so gro und so stattlich, wie noch Keiner
ein solches Pferd je gesehen hatte. Die andern Prinzen und Ritter
aber riefen ihm zu, er knne sich gern die Mhe sparen, den Ritt zu
versuchen, denn es wrde ihm doch nichts helfen. Jener konnte aber auf
dem Ohr nicht hren, sondern ritt grade auf den glsernen Berg zu und
hinan und hinauf, als wr' es gar Nichts gewesen. Als er aber um das
erste Drittheil hinaufgekommen war, lenkte er mit dem Pferd um und ritt
wieder zurck. Einen so schnen Ritter hatte die Prinzessinn noch nie
zuvor gesehen, und sie dachte bei sich selbst: Ach Gott, wenn er doch
nur heraufkme! Als sie aber sah, da er mit dem Pferd wieder umlenkte,
warf sie ihm einen von den goldnen pfeln nach, und der rollte hinab in
seinen Schuh. Sobald der fremde Ritter wieder unten war, gab er seinem
Pferd die Spornen und jagte davon, und Niemand wute, wo er gestoben
oder geflogen war. Am Abend sollten alle Prinzen und Ritter vor
dem Knig erscheinen, damit Der, welcher an dem glsernen Berg
hinaufgeritten sei, den goldnen Apfel aufzeigen knne, den die
Knigstochter ihm zugeworfen hatte. Aber da war Keiner, der Etwas
aufzeigen konnte; der Eine kam nach dem Andern, aber den goldnen Apfel
hatte Niemand.

Als nun die Brder Aschenbrdels wieder nach Hause kamen, erzhlten sie
ein Langes und Breites von dem Ritt auf den glsernen Berg: wie zuerst
Keiner auch nur einen Schritt lang an dem Berg htte hinaufkommen knnen,
und wie nachher Einer gekommen wre in einer kupfernen Rstung, so
blank, da man sich darin spiegeln konnte, und das war ein Bursch,
sagten sie: der konnte reiten; er ritt wohl ber den dritten Theil an
dem glsernen Berg hinauf, und er htte auch wohl ganz hinaufreiten
knnen, wenn er blo gewollt htte; aber da kehrte er wieder um, denn er
mochte wohl denken, es sei Genug fr das Mal. -- O, den htt' ich auch
wohl sehen mgen! sagte Aschenbrdel -- er sa auf dem Herd und whlte
in der Asche, wie er gewhnlich zu thun pflegte. Ja, Du! sagten
die Brder: Du siehst auch darnach aus, da Du Dich vor so hohen
Herrschaften kannst sehen lassen, Du abscheuliches Biest, so wie Du da
sitzest!

Den andern Tag wollten die Brder wieder nach dem glsernen Berg, und
Aschenbrdel bat sie auch das Mal, sie mchten ihn doch mitnehmen, damit
er auch zusehen knne; aber nein, das ging nicht an, dazu wr' er viel
zu hlich, sagten sie. Ei nun, so bleib' ich auch eben so gern zu
Hause, sagte Aschenbrdel. Als die Brder zu dem Berg kamen, begannen
eben die Ritter und Prinzen wieder ihr Wettreiten, und das Mal hatten
sie ihre Pferde gehrig beschlagen lassen, kannst Du glauben; aber es
half ihnen doch Alles nichts, sie ritten und sie glitten eben so, wie
den vorigen Tag, und Keiner kam auch nur eine Elle lang an dem Berg
hinauf; und als sie ihre Pferde so lange abgeqult hatten, da sie nicht
mehr von der Stelle konnten, muten sie alle wieder aufhalten. Nun
wollte der Knig schon bekannt machen lassen, da das Wettreiten den
nchsten Tag zum letzten Mal vor sich gehen sollte, ob's dann vielleicht
noch Einem gelnge; da fiel ihm aber der Ritter mit der kupfernen
Rstung ein, und er beschlo, noch ein wenig zu warten, ob er sich etwa
noch einfinden mchte. Aber der Ritter mit der kupfernen Rstung fand
sich nicht ein; dagegen aber kam nach einer Weile ein anderer Ritter
daher gesprengt, der trug eine silberne Rstung, die blitzte schon
von weitem, und das Ro, welches er ritt, war noch weit grer und
stattlicher, als das des kupfernen Ritters von gestern. Die Ritter und
Prinzen riefen ihm zwar zu, er knne sich gern die Mhe sparen, den Ritt
zu versuchen, denn es wrde ihm doch nichts helfen; aber er achtete
nicht darauf, sondern ritt grade auf den glsernen Berg zu und hinan und
hinauf, noch viel weiter, als der in der kupfernen Rstung. Als er aber
um zwei Drittheile hinaufgekommen war, lenkte er mit seinem Pferd um
und ritt wieder zurck. _Den_ Ritter mochte nun die Prinzessinn noch
lieber leiden, als den von gestern, und sie wnschte, da er doch nur
ganz hinaufkommen mchte. Als sie aber sah, da er wieder umkehrte, warf
sie ihm den andern Apfel nach, und der rollte hinunter in seinen Schuh.
Der Ritter aber jagte schnell davon, und Niemand wute, wo er geblieben
war.

Am Abend sollten wieder Alle vor dem Knig und der Prinzessinn erscheinen,
damit Der, welcher den goldnen Apfel htte, ihn aufweisen knne; aber
den goldnen Apfel hatte Niemand.

Die Brder erzhlten zu Hause wieder, wie sich Alles zugetragen hatte.
Alle Prinzen und Ritter, die da versammelt waren, sagten sie: konnten
Nichts ausrichten; zuletzt aber kam Einer mit einer silbernen Rstung
-- Wetter nicht mal! der konnte reiten! Er kam wohl ber zwei Drittheile
an dem Berg hinauf, und da kehrte er wieder um. Aber das war ein Bursch!
und die Prinzessinn warf ihm den zweiten Apfel nach. -- Ach, den htt'
ich auch wohl sehen mgen! sagte Aschenbrdel. Ja, er war ein wenig
blanker, als die Asche, worin Du whlst, Du schwarzes Biest! sagten die
Brder.

Am dritten Tag ging es wieder ungefhr eben so: Aschenbrdel wollte
wieder mit und zusehen; aber die Brder wollten ihn durchaus nicht
mitnehmen. Als sie zu dem glsernen Berg kamen, konnte wieder Niemand
auch nur eine Elle lang hinaufkommen. Alle warteten nun auf den Ritter
mit der silbernen Rstung; aber der war weder zu sehen, noch zu hren.
Endlich kam ein Ritter in einer goldenen Rstung dahergesprengt, die
strahlte, da man den Glanz schon weit in der Ferne sehen konnte, und
das Pferd, das er ritt, war so gro und so stattlich, da Keiner noch
dergleichen je gesehen hatte. Die Prinzen und Ritter konnten vor lauter
Verwunderung ihm nicht einmal zurufen, da er sich die Mhe sparen solle,
den Ritt zu versuchen, und ehe sie sich's versahen, war er schon bei dem
glsernen Berg und sprengte hinauf, als wr' es gar Nichts gewesen, so
da die Prinzessinn nicht einmal Zeit bekam, zu wnschen, er mchte doch
ganz hinaufkommen. Oben nahm er ihr den dritten goldnen Apfel aus dem
Scho, lenkte dann mit seinem Pferd wieder um -- und fort war er, als
wr' er verschwunden.

Als am Abend die Brder nach Hause kamen, erzhlten sie wieder ein Langes
und Breites von dem Wettreiten an dem Tage, und zuletzt erzhlten sie
auch von dem Ritter mit der goldnen Rstung. Das war aber ein Bursch!
sagten sie: einen so stattlichen Ritter giebt's nicht mehr in der
Welt. -- O, den htt' ich auch wohl sehen mgen! sagte Aschenbrdel.
Ja, es blitzt nicht vllig so in der Asche, worin Du immer whlst, Du
schwarzes Biest! sagten die Brder.

Tages darauf sollten alle Prinzen und Ritter vor dem Knig und der
Prinzessinn erscheinen, -- denn am Abend, glaub' ich, war es schon zu
spt geworden -- damit Der, welcher den goldnen Apfel htte, ihn
aufweisen knne. Es kam nun Einer nach dem Andern, erst kamen alle
Prinzen, und dann die Ritter; aber den goldnen Apfel hatte Niemand. Ja,
Einer mu ihn doch haben, sagte der Knig; denn wir sahen es ja alle
mit unsern Augen, wie er da den Berg hinaufritt und ihn der Prinzessinn
aus dem Scho nahm. Da sich aber Niemand meldete, gab endlich der Knig
den Befehl, da alle Leute in seinem ganzen Land aufs Schlo kommen
sollten, damit Der, welcher den goldnen Apfel htte, ihn aufweise. Es
kam nun Einer nach dem Andern; aber den goldnen Apfel hatte Niemand.
Endlich kamen auch die beiden Brder von Aschenbrdel; sie waren die
letzten. Darauf fragte der Knig, ob denn gar nicht mehr Leute in seinem
Reich wren. Ja, wir haben noch einen Bruder zu Hause, sagten die
Beiden: aber der hat den goldnen Apfel wohl nicht genommen; denn er ist
in der Zeit nicht aus dem Aschhaufen gekommen. -- Einerlei, sagte der
Knig: sind alle die Andern hier gewesen, so mag er auch kommen! und
da mute denn Aschenbrdel auch aufs Schlo. Hast Du den goldnen Apfel,
Du? fragte ihn der Knig. Ja, hier ist er, und hier ist der andre, und
hier ist der dritte, sagte Aschenbrdel, indem er alle drei goldenen
pfel aus der Tasche nahm; und in demselben Augenblick warf er seine
russigen Kleider ab und stand nun da in seiner goldenen Rstung, da es
nur so blitzte. Ja, Du sollst meine Tochter und das halbe Reich haben,
sagte der Knig: denn Du hast beides ehrlich verdient. Darauf wurde
die Hochzeit gehalten, und Aschenbrdel bekam die Prinzessinn und das
halbe Reich. Bei der Hochzeit aber ging's lustig her; denn Hochzeit
feiern konnten sie alle, wenn sie auch nicht auf den glsernen Berg
reiten konnten; und haben sie nicht aufgehrt zu feiern, so feiern sie
noch.




22.

Schmierbock.


Es war einmal eine Frau, die hatte einen kleinen Knaben, der war so dick
und so fett und mochte immer so gern gute Bissen, und darum nannte die
Mutter ihn _Schmierbock_; auch hatte sie einen kleinen allerliebsten
Hund, welchen sie _Goldzahn_ nannte. Nun stand die Frau einmal beim
Backtrog und backte Brod; da fing der Hund pltzlich an zu bellen.

Lauf mal hinaus, Schmierbock, sagte die Frau: und sieh zu, wonach
Goldzahn so bellt. Da lief der Knabe hinaus, kam wieder herein und
sagte:

Na, Gott steh uns bei! da kommt ein groes, langes Trollweib her mit
dem Kopf unter dem Arm und einem Sack auf dem Rcken. --

Kriech unter den Backtrog und versteck Dich! sagte seine Mutter.

Nun kam das Trollweib an. Guten Tag! sagte sie.

Schnen Dank! sagte die Mutter von Schmierbock.

Ist Schmierbock nicht zu Hause? fragte das Weib.

Nein, er ist mit seinem Vater im Holz und fngt Waldhhner, versetzte
die Frau.

Das wr' der Troll! sagte das Weib: ich hab' ein kleines silbernes
Messer, das wollt' ich ihm gern schenken. --

Pip! pip! hier bin ich! sagte Schmierbock unter dem Backtrog und kroch
hervor.

Ich bin so alt und bin schon so steif im Rcken, sagte das Trollweib:
Du musst in den Sack kriechen und es Dir selbst holen.

Wie nun Schmierbock in den Sack gekrochen war, schwang das Weib ihn
auf den Rcken und ging damit fort. Als sie aber ein Ende gegangen
war, wurde sie mde und fragte: Wie weit ist es noch bis zur
Schlafstelle? --

Ein Halbviertel Weges, antwortete Schmierbock.

Da setzte das Weib den Sack am Wege nieder, strich durch's Unterholz und
legte sich schlafen. Nun benutzte Schmierbock die Gelegenheit, nahm sein
Messer, schnitt damit ein Loch in den Sack und kroch heraus; dann legte
er eine groe Kienwurzel an die Stelle und lief wieder nach Hause zu
seiner Mutter. Als nun das Trollweib in ihrer Wohnung ankam und sah, Was
sie im Sack hatte, da wurde sie so bse, da es gar nicht zu sagen ist.

Tages darauf stand die Frau abermals beim Trog und backte Brod; da begann
der Hund pltzlich wieder zu bellen. Lauf mal hinaus, Schmierbock,
sagte die Frau: und sieh zu, wonach Goldzahn so bellt. --

Nun seh mal Einer das abscheuliche Biest! sagte Schmierbock: da kommt
sie wieder mit dem Kopf unter dem Arm und einem groen Sack auf dem
Rcken. --

Kriech unter den Backtrog und versteck Dich! sagte seine Mutter.

Nun kam das Trollweib an. Guten Tag! sagte sie: ist Schmierbock nicht
zu Hause? --

Ei, was wollt' er zu Hause sein! sagte die Frau: er ist mit seinem
Vater im Holz und fngt Waldhhner. --

Das wr' der Troll! sagte das Weib: ich hab' ihm sonst eine schne
silberne Gabel mitgebracht, die wollt' ich ihm schenken.

Pip! pip! hier bin ich! sagte Schmierbock und kroch hervor.

Ich bin so steif im Rcken, sagte das Trollweib: Du musst selbst in
den Sack kriechen und sie Dir holen. Als nun Schmierbock in den Sack
gekrochen war, schwang das Weib ihn auf den Rcken und ging fort. Wie
sie aber ein Ende gegangen war, wurde sie wieder mde und fragte: Wie
weit ist es noch bis zur Schlafstelle? --

Eine halbe Meile, antwortete Schmierbock.

Da setzte das Weib den Sack am Wege nieder, strich durch den Wald und
legte sich schlafen. Indessen aber benutzte Schmierbock die Gelegenheit,
schnitt ein Loch in den Sack und kroch heraus; dann legte er einen
groen Stein an die Stelle und lief wieder nach Hause zu seiner Mutter.
Als nun das Trollweib in ihrer Wohnung ankam, machte sie ein groes
Feuer auf dem Herd an, hngte einen groen Kessel darber und wollte
Schmierbock kochen. Als sie ihn aber in den Kessel schtten wollte, fiel
der Stein heraus und schlug den Boden entzwei, so da alles Wasser
herauslief und das Feuer auslschte. Da wurde das Weib ganz wthend und
sagte: Wenn er sich auch noch so sehr strubt, ich will ihn doch schon
kriegen.

Das dritte Mal ging es wieder eben so. Goldzahn fing wieder an zu bellen,
und da sagte die Mutter zu dem Knaben: Geh mal hinaus, Schmierbock, und
sieh zu, wonach Goldzahn so bellt.

Schmierbock lief hinaus, kam wieder herein und sagte: Na, Gott steh uns
bei! Da kommt wieder das Trollmensch mit dem Kopf unter dem Arm und
einem Sack auf dem Rcken. --

Kriech unter den Backtrog und versteck' Dich! sagte die Mutter.

Es dauerte nicht lange, so kam das Trollweib an. Guten Tag! sagte sie:
ist Schmierbock nicht zu Hause? --

Ei was wollt' er zu Hause sein! sagte die Mutter: er ist mit seinem
Vater im Holz und fngt Waldhhner. --

Das wr' der Troll! sagte das Weib: ich habe sonst einen hbschen
silbernen Lffel mitgebracht, den wollt' ich ihm schenken. --

Pip! pip! hier bin ich! sagte Schmierbock und kroch unter dem Backtrog
hervor.

Ich bin so steif im Rcken, sagte das Trollweib: Du musst selbst in
den Sack kriechen und ihn Dir holen. Als Schmierbock hineingekrochen
war, schwang das Weib den Sack wieder auf den Rcken und ging fort. Das
Mal aber legte sie sich nicht wieder im Wald schlafen, sondern trug
Schmierbock gradesweges nach ihrem Hause. Als sie dort ankam, war es
grade Sonntag; darum sagte sie zu ihrer Tochter:

Nimm diesen Schmierbock und schlachte ihn und koch Suppe davon; die mu
aber fertig sein, wenn ich zurckkomme; denn ich gehe jetzt mit Deinem
Vater in die Kirche, um Fremde zu bitten.

Als nun das Trollpack gegangen war, wollte die Tochter den Schmierbock
schlachten; aber sie wute gar nicht, wie sie das anfangen sollte.

Wart, ich will Dir's zeigen, wie Du's machen musst, sagte Schmierbock:
Lege nur Deinen Kopf auf die Bank, dann sollst Du mal sehen.

Das that denn das arme Mdchen auch; aber da nahm Schmierbock die Axt
und hieb ihr damit den Kopf ab, als wr's ein Kken gewesen. Dann legte
er den Kopf ins Bett und den Rumpf in den Kessel und kochte Suppe davon;
und als er das gethan hatte, nahm er die Kienwurzel und den Stein und
kroch damit in den Schornstein hinauf.

Als darauf das Trollweib mit ihrem Mann wieder nach Hause kam, und sie
den Kopf im Bett liegen sahen, meinten sie, es wre die Tochter, die
schliefe; sie wollten sie nun nicht aufwecken, sondern gingen zum
Kessel, um die Suppe zu kosten.

Schmeckt gut, die Schmierbocksuppe! sagte das Trollweib.

Schmeckt gut, die Tochtersuppe! sagte Schmierbock oben im Schornstein;
aber das hrten sie nicht recht.

Darauf nahm der Troll den Lffel und wollte auch die Suppe kosten.

Schmeckt gut, die Schmierbocksuppe! sagte er.

Schmeckt gut, die Tochtersuppe! sagte Schmierbock im Schornstein.

Da wurden sie aufmerksam und konnten nicht begreifen, Wer es sei, der
da im Schornstein schwatze; sie stiegen daher auf den Herd und wollten
zusehen. Aber da nahm Schmierbock die Kienwurzel und den Stein und warf
sie damit auf den Kopf, so da sie todt umfielen. Als Schmierbock das
sah, stieg er wieder herunter, nahm all das Gold und Silber, was er da
vorfand, und reis'te damit nach Hause zu seiner Mutter. Und nun war
Schmierbock ein reicher Mann.



 FUSSNOTEN -- FOOTNOTES

  1. _Ham_ bezeichnet in der nordischen Mythologie eine zauberkrftige
     Haut irgend eines Thiers mit den daran befindlichen Haaren, oder
     Federn, wodurch Derjenige, auf welchen diese Haut geworfen ward,
     augenblicklich in ein solches Thier verwandelt wurde.
     Anm. d. bers.




 TRANSCRIBER'S NOTE -- ZUR KENNTNISNAHME

 Contemporary spellings have generally been retained even when
 inconsistent. The following additional changes have been made:


 Zeitgenssische Schreibungen wurden generell beibehalten,
 auch wenn gelegentlich mehrere Variaten auftauchen.
 Die folgenden zutzlichen nderungen wurden vorgenommen:

 da man den Ganz schon             da man den _Glanz_ schon
 weit in der Ferne sah              weit in der Ferne sah

 Darauf begann die Grimsschecke     Darauf begann die Grimsschecke
 einem Kampf                        _einen_ Kampf

 was wir zu sprechen haben,         was wir zu sprechen haben,
 knnen wie immer hier sprechen     knnen _wir_ immer hier sprechen

 So? sagte der Westwind           So? sagte der _Sdwind_

 als eine Bettlermdchen            als _ein_ Bettlermdchen

 das erste Mal,                     das erste Mal,
 das ich gestohlen habe             _da_ ich gestohlen habe

 es solle das erste Mal sein,       es solle das erste Mal sein,
 das sie gestohlen htte            _da_ sie gestohlen htte

 habe nur auf auf Dich gewartet     habe nur _auf_ Dich gewartet





End of the Project Gutenberg EBook of Norwegische Volksmhrchen vol. 2, by 
P. Asbjrnsen and Jrgen Moe

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NORWEGISCHE VOLKSMHRCHEN VOL. 2 ***

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things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

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from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

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1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
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1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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